Bewässerung am Mittag: Mythen, Fakten und die optimale Gießzeit
Ein verbreiteter Mythos besagt, dass das Gießen von Blättern zur Mittagszeit zu Verbrennungen führt. Dies tritt jedoch selten auf, da ein Wassertropfen in der Regel nicht die Größe eines Brennglases erreicht. Die meisten Pflanzenblätter sind daher nicht betroffen. Ausnahmen können Gurken und andere wärmebedürftige Pflanzen darstellen, die einen Temperaturschock durch kaltes Wasser auf erhitzten Blättern erfahren können, was Stoffwechselstörungen zur Folge haben kann.
Der Hauptnachteil des mittäglichen Gießens liegt im unnötigen Wasserverlust durch Verdunstung. Die Hitze der Blätter und des Bodens führt dazu, dass ein erheblicher Teil des Wassers schnell verdunstet. Daher ist das Gießen am Morgen, wenn die Blätter oft noch taunass sind und der Boden kühl ist, die bevorzugte Methode.
Wassersparende Bewässerungsmethoden für den Garten
Insbesondere beliebte Fruchtgemüsearten benötigen eine konstante Wasserversorgung an der Wurzel, um kontinuierlich Früchte zu bilden. Wassermangel kann zu kleineren Früchten oder dem Abfallen von Blüten und Fruchtansätzen führen. Claudia Schönmüller, Leiterin der Bayerischen Gartenakademie, erläutert die erforderliche Wassermenge:
Wer Wurzeln in ca. 10 bis 20 cm Tiefe mit Wasser versorgen will, muss etwa 10 bis 20 Liter je m² ausbringen.
Da eine solche Menge Wasser, die bis zu zwei Kannen pro Quadratmeter entspricht, seitlich abfließen kann und Zeit zum Einsickern benötigt, empfiehlt sich eine Verteilung auf mindestens zwei Gaben. Zunächst wird eine Teilmenge ausgebracht, und das restliche Wasser wird später auf dieselben Flächen gegeben. Diese Methode ist wassersparend, da sie – außer bei extremer Hitze – eine Woche lang vorhält.
Durchschnittlich bepflanzte Gartenbeete benötigen etwa 3 Liter Wasser täglich. Eine tägliche Bewässerung mit ein bis zwei Litern befeuchtet jedoch nur die oberen 1 bis 2 cm der Erdschicht, wovon mindestens die Hälfte direkt wieder verdunstet. Dies stellt eine Verschwendung dar. Obwohl am Ende der Woche ebenfalls 20 Liter ausgebracht wurden, profitiert die Pflanze bei dieser falschen Gießpraxis kaum davon.
Praktische Tipps für die optimale Bewässerung
Claudia Schönmüller empfiehlt eine gestaffelte Bewässerung:
Samstag oder Sonntag früh aufstehen, dann mit der Gießbrause oder Kanne im ersten Durchgang so viel Wasser wie möglich verteilen! Nach einem gemütlichen Frühstück die nächste Runde gießen, als hätte es die erste Runde nicht gegeben!
Beim Gießen sollte man mit der Brause weitergehen, sobald das Wasser oberflächlich schwemmt, und lieber einige Minuten später zu dieser Stelle zurückkehren. Es ist hilfreich, sich die Menge des ausgebrachten Wassers pro Fläche zu merken. Bei der Gießbrause kann die Durchflussmenge ermittelt werden, indem man die Zeit stoppt, die benötigt wird, um eine 10-Liter-Kanne zu füllen. Es ist zu beachten, dass 10 Liter Wasser pro Quadratmeter etwa eine Stunde zum Einsickern benötigen.
