Ergebnisse aus Langzeitversuchen zur Reduzierung von Pflanzenschutzmitteln
Langzeitversuche, die 1995 begonnen und vom Julius-Kühn-Institut (ehemals Biologische Bundesanstalt) in Braunschweig ausgewertet wurden, geben Aufschluss über die Auswirkungen reduzierter Pflanzenschutzmittelanwendungen. Eine Reduzierung des Aufwandes um 25 Prozent führte auf den untersuchten Standorten in der Regel nicht zu gravierenden Ertrags- und Wirtschaftlichkeitsverlusten. Als Vergleich diente eine Dosierung nach den Prinzipien des integrierten Landbaus, basierend auf der "guten fachlichen Praxis" (Basisstrategie), angewendet in typischen Marktfrucht- und Futterbaufruchtfolgen.
Eine Reduzierung des Pflanzenschutzmittelaufwandes um 50 Prozent erhöhte hingegen das Risiko von Ertrags- und Wirtschaftlichkeitsverlusten. Ein genereller Verzicht auf Pflanzenschutzmittel führte in den Langzeitversuchen zu deutlichen Ertragsverlusten: bei Getreide zwischen 20 und 75 Prozent, im Maisanbau zwischen 10 und 30 Prozent und im Kartoffelbau etwa 25 Prozent. Die Höhe der Verluste variierte dabei je nach Standort, Bodenbearbeitung, Art und Sorte.
Die Bedeutung von Langzeitversuchen liegt in der Möglichkeit, das langfristig notwendige Maß an Pflanzenschutzmitteln abzuschätzen. So zeigten sich beim Einsatz von Herbiziden deutliche Unterschiede zur Basisstrategie erst nach fünf bis sechs Jahren.
Spezifische Auswirkungen von Herbiziden und Fungiziden im Detail
Die dauerhafte Anwendung halbierter Herbizid-Aufwandmengen förderte langfristig das Auftreten von schwerer bekämpfbaren Unkräutern. Die Besatzstärke von Kamille-Arten verdoppelte sich nach zwölf Jahren, während Kornblumen fünfmal häufiger auftraten. Routinemäßige oder schematische Reduzierungen bergen daher ein hohes Bekämpfungsrisiko. Eine Reduzierung von Herbiziden in Weizen und Gerste sollte längerfristig nur situationsbezogen erfolgen.
Bei Fungiziden wirkte sich eine Reduzierung des Einsatzes bei starkem Krankheitsbefall und anfälligen Getreidesorten negativ auf den Ertrag aus. Unter günstigen Bedingungen, wie schwachem bis mittlerem Krankheitsbefall und trockenen Verhältnissen, wurden durch die Behandlung jedoch nur geringe oder keine Mehrerträge erzielt.