EMI-Daten zeigen robustes Geschäft, aber Unsicherheiten durch Ukraine-Krieg
Die deutsche Industrie hat im Februar ein solides Wachstum verzeichnet, angetrieben durch einen deutlichen Anstieg der Neuaufträge. Der saisonbereinigte IHS Markit/BME-Einkaufsmanager-Index (EMI), ein wichtiger Konjunktur-Frühindikator, erreichte 58,4 Punkte. Dieser Wert liegt weiterhin deutlich über der Wachstumsschwelle von 50,0 Punkten, jedoch leicht unter dem 5-Monats-Hoch von 59,8 Punkten im Januar.
Die aktuellen EMI-Daten belegen eine fortgesetzte Konsolidierung des Verarbeitenden Gewerbes in Deutschland. Sowohl die Binnenkonjunktur als auch das Auslandsgeschäft zeigten sich robust.
Das Verarbeitende Gewerbe in Deutschland konnte sich auch im Februar weiter konsolidieren. Die aktuellen EMI-Daten zeigen, dass nicht nur die Binnenkonjunktur floriert, sondern auch das Auslandsgeschäft.
Dies betonte Gundula Ullah, Vorstandsvorsitzende des Bundesverbandes Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik e.V. (BME). Sie äußerte jedoch die Befürchtung, dass die Industrie in den kommenden Monaten aufgrund des Krieges in der Ukraine und der daraus resultierenden Probleme in Lieferketten und Beschaffungsmärkten in einen Abwärtstrend geraten könnte.
Auswirkungen des Ukraine-Krieges auf die Konjunktur
Die Stimmung in der deutschen Industrie war laut jüngsten PMI-Umfragen noch positiv. Diese Umfragen wurden jedoch vor dem Beginn des Ukraine-Krieges durchgeführt. Eine kurzfristige Verschlechterung der Stimmung wird daher erwartet.
Je nach Dauer und Intensität des Krieges muss mit Abschlägen beim Wachstum und Zuschlägen bei der Inflation gerechnet werden. Die Sanktionen werden den Güter- und Kapitalverkehr erheblich beeinträchtigen.
Dies kommentierte Dr. Gertrud R. Traud, Chefvolkswirtin der Helaba Landesbank Hessen-Thüringen. Sie fügte hinzu, dass solange kein umfassender Energielieferstopp eintritt, nicht mit einer Rezession zu rechnen sei.
Auch Dr. Ulrich Kater, Chefvolkswirt der DekaBank, wies darauf hin, dass der Krieg in der Ukraine in den Februar-Umfragen des EMI noch nicht umfassend berücksichtigt wurde. Er erwartet in den kommenden Monaten eine moderate Eintrübung der Konjunktur.
Lieferketten und Rohstoffpreise unter Druck
Dr. Heinz-Jürgen Büchner, Managing Director Industrials, Automotive & Services der IKB Deutsche Industriebank AG, bewertete die Entwicklung des EMI-Teilindex Einkaufspreise. Obwohl der EMI-Index eine erfreuliche Entwicklung und geringere Lieferverzögerungen anzeigte, sei zu beachten, dass die Umfrage vor der russischen Invasion erfolgte.
Mittlerweile sind größere Störungen der Lieferketten aufgetreten. Als Beispiel nannte er die Reduzierung der Audi-Produktion in einigen Modellreihen aufgrund fehlender Lieferungen von Kabelbäumen aus der Ukraine. Dies führt zu Minderabrufen bei Zulieferern.
Zudem belasten die stark gestiegenen Erdöl- und Erdgaspreise erheblich. Das Risiko eines Lieferstopps russischer Rohstoffe wie Eisenerz, Nickel und Aluminium sei real. Kurzfristig wird daher ein weiterer Preisanstieg erwartet.
