Neue Einblicke in den Kompensationsmarkt
Die freiwillige Kompensation von Treibhausgasen durch Projekte im Ausland ergänzt die nationale Emissionsvermeidung im Klimaschutz. Bislang gab es jedoch wenig Transparenz darüber, wer in Deutschland solche Dienstleistungen anbietet, wer sie nutzt und welche Emissionsgutschriften dabei zum Einsatz kommen.
Zwei aktuelle Studien, im Auftrag der Deutschen Emissionshandelsstelle (DEHSt) im Umweltbundesamt erstellt, beleuchten nun den Markt, die Qualitätskriterien sowie die Rahmenbedingungen für Waldprojekte, die auf dem Kompensationsmarkt eine Rolle spielen.
Marktanalyse und Akzeptanz
Die Studie „Analyse des deutschen Marktes zur freiwilligen Kompensation von Treibhausgasemissionen“ von adelphi research gGmbH und sustainable AG zeigt, dass die Bereitschaft zur privaten Kompensation von Treibhausgasemissionen in Deutschland derzeit gering ist. Das geschätzte Handelsvolumen liegt bei etwa 1,1 bis 2 Millionen Tonnen Kohlendioxid-Äquivalent pro Jahr, was im internationalen Vergleich niedrig ist.
Vor allem Unternehmen nutzen die Kompensation, um ihren Treibhausgasausstoß auszugleichen und dies zu kommunizieren, beispielsweise für Dienstreisen oder klimaneutrale Veranstaltungen. Dabei investieren sie in Klimaschutzprojekte, die eine entsprechende Menge an Treibhausgasen einsparen.
Für deutsche Investoren ist bei der Projektauswahl weniger der Projekttyp oder das Land entscheidend, sondern die Projektqualität, insbesondere die Überprüfbarkeit der Emissionsvermeidung. Der Gold Standard wird hierbei am häufigsten nachgefragt. Die Mehrheit der Studienteilnehmer befürwortet zudem einen verbindlichen internationalen Standard.
Die Studie vergleicht Projekte des freiwilligen Marktes mit solchen des Clean Development Mechanism (CDM) des Kyoto-Protokolls. Adelphi bescheinigt dem freiwilligen Markt eine hohe Flexibilität, die auch kleinen und innovativen Projekten Raum bietet und somit seine Berechtigung hat.
Bewertung von Waldprojekten
Waldprojekte, insbesondere Aufforstungsprojekte, sind in Deutschland mit einem Marktanteil von 27 Prozent vergleichsweise beliebt. Die Studie „Analyse und Bewertung von Waldprojekten und entsprechender Standards zur freiwilligen Kompensation von Treibhausgasemissionen“ der Unique forestry consultants GmbH untersucht die Qualitätsstandards und deren Umsetzung in typischen Projekten.
Die Kompensation durch Waldprojekte wird grundsätzlich kritisch betrachtet, da die Berechnung und Überwachung des natürlichen Klimaschutzeffekts von Wäldern komplex ist. Zudem ist die dauerhafte Bindung von Kohlendioxid in Bäumen durch Risiken wie Waldbrände oder illegalen Holzeinschlag gefährdet.
Gut konzipierte Waldprojekte können jedoch positive Nebeneffekte über die Treibhausgasvermeidung hinaus erzielen, wie den Erhalt der Artenvielfalt oder den Boden- und Wasserschutz. Beide Studien zur freiwilligen Kompensation sind in der Reihe „Climate Change“ erschienen und stehen auf den Internetseiten des UBA zum Download bereit. Ergänzend dazu bietet die DEHSt auf ihrer Homepage unter „Publikationen“ einen Leitfaden zur Auswahl von freiwilligen Klimaschutzkompensationsprojekten sowie ein Fact Sheet an.