Naturschutz

Weinberge als einzigartige Biotope und Kulturlandschaften

Weinberge sind nicht nur Kulturlandschaften, sondern auch spezielle Biotope mit vielfältiger Flora und Fauna. Viele Arten sind an diese Bedingungen angepasst, doch die biologische Vielfalt ist durch Verbrachung gefährdet. Schutz- und Nutzinteressen müssen in Einklang gebracht werden.

Weinberge: Lebensräume für seltene Arten

Weinberge prägen als über Jahrhunderte vom Menschen geformte Kulturlandschaften ganze Regionen in Deutschland, wie beispielsweise das Obere Mittelrheintal, das von der UNESCO als Welterbe gewürdigt wurde.

Diese Landschaften stellen auch spezielle Biotope dar, in denen sich eine vielfältige Lebensgemeinschaft von Tieren und Pflanzen etabliert hat. Viele dieser Arten sind spezifisch an die Bedingungen im Weinberg angepasst. Dazu gehören der Zweiundzwanzigpunkt-Marienkäfer, die Mauereidechse und der Schwalbenschwanz, die hier optimale Lebensräume finden.

Ein Beispiel für eine besonders schützenswerte Art ist der Apollofalter. Seine Raupen sind auf den Weißen Mauerpfeffer angewiesen, der ausschließlich an felsigen Standorten wächst. Das Verbreitungsgebiet des Falters ist daher stark eingeschränkt, er ist jedoch auf Trockensteinmauern in den Steillagen der Mosel zu finden.

Auch bestimmte Pflanzenarten haben sich über Jahrhunderte in Weinbergen angesiedelt. Vor allem wärmeliebende, mediterrane Frühjahrsblüher sind an extreme Temperaturschwankungen, sommerliche Trockenheit und Bodentemperaturen von bis zu 60 °C angepasst. Zu diesen Weinbergspezialisten zählen der Nickende Milchstern, der Weinberg-Lauch und die Weinberg-Tulpe. Einige dieser Pflanzen wurden bereits vor über 2.000 Jahren von den Römern über die Alpen gebracht, als der systematische Weinanbau begann.

Gefährdung der biologischen Vielfalt durch Verbrachung

Traditionell wurden die Flächen zwischen den Rebstöcken gehackt und von Gräsern befreit, was die Ansiedlung verschiedener Pflanzenarten förderte. Besondere Anbautechniken wie die Terrassierung und die Anlage von Trockensteinmauern schufen wichtige Lebensräume für viele Tiere. Diese Vielfalt und das damit verbundene Natur- und Kulturerbe der Weinberge sind jedoch gefährdet.

Die Bewirtschaftung dieser Flächen ist aufwendig und kostenintensiv, was viele Winzer dazu zwingt, Weinbergsflächen aufzugeben. Die daraus resultierende Verbrachung von wirtschaftlich nicht mehr genutzten Weinbergen wirkt sich negativ auf die biologische Vielfalt aus.

Schutz- und Nutzinteressen in Einklang bringen

Um die biologische Vielfalt in Weinbergen zu erhalten, ist es notwendig, Nischen zu schaffen, in denen die traditionelle Fauna und Flora überleben oder wieder angesiedelt werden kann. Der damit verbundene Mehraufwand muss entweder wirtschaftlich rentabel sein oder durch gesellschaftliche Finanzierung ausgeglichen werden.

Winzer in Deutschland entwickeln verschiedene Konzepte, um die Bewirtschaftung in Steillagen aufrechtzuerhalten. Der Erhalt des biologischen Reichtums in Weinbergen ist nur möglich, wenn Schutz- und Nutzinteressen in Einklang gebracht werden und bestenfalls auch verbrachliegende Flächen wieder dem Weinbau zugeführt werden.

Daten und Fakten zur biologischen Vielfalt der Weinrebe

Die Weinrebe

Die Weinrebe (Vitis vinifera) wird seit mindestens 5000 v. Chr. kultiviert und zählt zu den ältesten Kulturpflanzen. Sie wird zur Gewinnung von Weintrauben angebaut, die als Tafeltrauben, Rosinen oder zur Herstellung von Wein und Traubensaft dienen. Wie die meisten Nutzpflanzen existiert die Weinrebe in zahlreichen Sorten, die im Weinbau als Rebsorten bezeichnet werden. Am Institut für Rebenzüchtung Geilweilerhof in Siebeldingen (Julius Kühn-Institut) werden beispielsweise über 3.800 Rebsorten als Muster erhalten.

Deutsche Genbank Reben

Im Jahr 2010 wurde die Deutsche Genbank Reben eröffnet, deren Informationen öffentlich zugänglich gemacht wurden. Diese Datenbank fasst Informationen aus allen deutschen Rebsorten-Sammlungen zusammen und dient dem Erhalt sowie der nachhaltigen Nutzung der biologischen Vielfalt im Weinbau. Die Genbanksammlung stellt Ausgangsmaterial für die Züchtung neuer Reben mit verbesserter Resistenz gegenüber Schädlingen und Krankheiten bereit.

Ein vom Bundeslandwirtschaftsministerium gefördertes Projekt erfasst und dokumentiert zudem rebengenetische Ressourcen in alten Weinbergen. Diese alten Sorten werden ebenfalls in die Deutsche Genbank Reben aufgenommen.

Zahlen zum Weinbau in Deutschland

In Deutschland sind fast 20.000 Betriebe auf den Weinbau spezialisiert und beschäftigen 34.000 Mitarbeiter. Im Jahr 2009 wurden 9,1 Millionen Hektoliter Wein produziert. Die deutsche Rebfläche beträgt knapp 100.000 Hektar, wovon fast zwei Drittel mit Weißwein bepflanzt sind. Rheinland-Pfalz ist mit 63 % der bundesweiten Rebfläche das bedeutendste Weinbauland.

09.12.2010

Zurück