Startschuss für ein großflächiges Naturwaldprojekt im Rheingau-Taunus-Kreis
Im südhessischen Rheingau-Taunus-Kreis hat am 1. Oktober das Naturschutzgroßprojekt „Wispertaunus“ begonnen. Ziel ist die Schaffung eines großflächigen Verbunds von Waldflächen, die zukünftig ohne forstliche Nutzung natürlich wachsen können. Diese Naturwälder sollen die Biodiversität fördern, indem sie störungsempfindlichen und bedrohten Arten Rückzugsräume bieten und deren Lebensräume vernetzen.
Die erste Projektphase wird durch das Programm „chance.natur – Bundesförderung Naturschutz“ finanziert. Das Bundesumweltministerium, das Bundesamt für Naturschutz, das Land Hessen und die Zoologische Gesellschaft Frankfurt als Projektnehmerin stellen hierfür rund 1,2 Millionen Euro bereit.
Wälder, die sich eigendynamisch ohne menschliche Eingriffe entwickeln, sind in Deutschland selten und nehmen in Hessen etwa vier Prozent der Waldfläche ein. Das Projekt „Wispertaunus“ zielt darauf ab, bestehende Gebiete mit natürlicher Waldentwicklung (NWE-Flächen) im Wispertaunus und dem angrenzenden Kammerforst zu erweitern, zu vernetzen und dauerhaft zu sichern.
Zusätzlich soll in den umliegenden Wirtschaftswäldern die Lebensraumqualität für waldtypische Arten wie die Bechsteinfledermaus oder die Wildkatze verbessert werden. Dies geschieht beispielsweise durch den Erhalt von Habitatbäumen und die Schaffung von Altholzinseln. Auch wandernde Arten wie die Fischart Groppe oder Bachflohkrebse sollen profitieren, indem Waldbäche wieder durchgängig gemacht werden.
Die drei großen Krisen unserer Zeit, die Klimakrise, die zunehmende Verschmutzung und das Artenaussterben, belasten unsere Ökosysteme und immer stärker auch uns Menschen. Wir müssen daher den Artenreichtum bewahren und schützen, im Meer, auf den Wiesen und in den Wäldern. Das Naturschutzgroßprojekt setzt Naturschutzziele aus der Nationalen und der Hessischen Biodiversitätsstrategie ganz konkret um. Solche Projekte sind ganz entscheidend: Nur so kann unsere Luft sauberer werden und können unsere Böden fruchtbar bleiben.
Das Bundesamt für Naturschutz (BfN) begleitet das Vorhaben fachlich.
Es wäre ein großer Erfolg für den Naturschutz, wenn sich fünf Prozent unserer Wälder nach ihren eigenen Gesetzmäßigkeiten entwickeln könnten und auf zwei Prozent der Landesfläche eine neue Wildnis entstehen würde. Darüber hinaus gilt es, den Blick nicht nur auf unberührte oder bereits geschützte Flächen zu richten, sondern die Waldbewirtschaftung insgesamt stärker an Naturschutzzielen auszurichten – und das immer in enger Kooperation mit allen Beteiligten. Und genau diesen so wichtigen Schritt geht das neue Naturwald-Projekt in Hessen!
Mit dem Programm „chance.natur – Bundesförderung Naturschutz“ verfolgt die Bundesregierung das Ziel, repräsentative Landschaften Deutschlands zu erhalten und zu sichern. Seit 1979 wurden 89 Projekte mit einer Gesamtfläche von über 4.300 Quadratkilometern und einem Fördervolumen von mehr als 500 Millionen Euro gefördert. Jährlich stehen 15 Millionen Euro für den Erhalt und die Optimierung bundesweit bedeutender Natur- und Kulturlandschaften zur Verfügung.
Naturschutzgroßprojekte gliedern sich in der Regel in zwei Phasen. In der ersten Phase steht die Planung im Vordergrund, die Umsetzung folgt in der zweiten Phase. Im Projekt I des Naturschutzgroßprojektes „Wispertaunus“ wird von 2023 bis 2026 ein umfangreicher Pflege- und Entwicklungsplan erstellt, der verschiedene Fachgutachten und Konzepte umfasst.
Die Gesamtkosten für Projekt I belaufen sich auf rund 1,2 Millionen Euro. Davon werden 75 Prozent vom Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, nukleare Sicherheit und Verbraucherschutz und 15 Prozent vom Land Hessen, vertreten durch das Hessische Ministerium für Umwelt, Klimaschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz sowie das Regierungspräsidium Darmstadt, getragen. Die Zoologische Gesellschaft Frankfurt beteiligt sich als Projektträgerin mit 10 Prozent an den Kosten.
Nach erfolgreichem Abschluss von Projekt I ist die Umsetzung des Pflege- und Entwicklungsplans in Projekt II vorgesehen. Hierfür ist ein Zeitraum von zehn Jahren und ein Gesamtfördervolumen von mehr als 14 Millionen Euro eingeplant.
