Die Grüne Stadt

Erfolgreiches 11. FBB-Gründachsymposium: Aktuelle Entwicklungen und Forschungsergebnisse

Das 11. Internationale FBB-Gründachsymposium in Ditzingen zog rund 120 Fachleute an, die sich über aktuelle Themen und Entwicklungen im Bereich der Bauwerksbegrünung austauschten. Die Veranstaltung bot Einblicke in rechtliche Rahmenbedingungen, Forschungsergebnisse und praktische Anwendungen.

Einblicke in das 11. FBB-Gründachsymposium

Das 11. Internationale FBB-Gründachsymposium, das am 21. Februar 2013 in Ditzingen stattfand, verzeichnete erneut eine hohe Teilnehmerzahl. Rund 120 Fachleute kamen zusammen, um sich über aktuelle Themen und Entwicklungen im Bereich der Bauwerksbegrünung auszutauschen. Veranstaltet wurde das Symposium von einem Zusammenschluss namhafter Verbände, darunter die Fachvereinigung Bauwerksbegrünung e.V. (FBB), die Forschungsgesellschaft Landschaftsentwicklung Landschaftsbau e.V. (FLL), der Bundesverband GaLaBau e.V. (BGL), der Zentralverband des Deutschen Dachdeckerhandwerks e.V. (ZVDH), das World Green Infrastructure Network (WGIN) und der Bund Deutscher Landschaftsarchitekten e.V. (BDLA).

„Wir hatten gute Themen und gute Referenten, so dass die Teilnehmer und damit auch wir sehr zufrieden waren!“

Dr. Gunter Mann, FBB-Präsident und Organisator

Das Symposium gliederte sich in verschiedene Themenkreise, die von rechtlichen Rahmenbedingungen über Forschungsergebnisse bis hin zu praktischen Anwendungen reichten.

Recht, Richtlinie und Planung

Im ersten Themenblock standen rechtliche und planerische Aspekte im Vordergrund. Armin Schott, stellvertretender Leiter im Amt für Stadtentwicklung der Stadt Villingen-Schwenningen, berichtete über die erfolgreiche Einführung einer verpflichtenden Dachbegrünung im Bebauungsplan seiner Stadt. Ein Beschluss sieht vor, dass mindestens 40 Prozent der Dachflächen extensiv begrünt werden müssen, basierend auf einer fundierten Abwägung volks-, betriebswirtschaftlicher und ökologischer Gesichtspunkte.

Dipl.-Ing. Nicole Baumüller, Stadtplanerin aus Stuttgart, beleuchtete in ihrem Vortrag „Planerische Anpassungsstrategien zur Minderung der Hitzebelastung in Städten“ die Rolle von Dach- und Fassadenbegrünungen. Diese tragen durch ihre klimatischen Vorteile maßgeblich zur Minimierung von Hitzebelastungen bei und sind oft die einzige Möglichkeit, Grün in verdichtete Stadtquartiere zu integrieren. Eine flächendeckende Begrünung kann sich zudem positiv auf die nächtliche Abkühlung auswirken.

Christoph Harlacher von der SFG Schweizerische Fachvereinigung Gebäudebegrünung informierte über die praxisorientierte Verbandsarbeit und die bevorstehende Veröffentlichung der Schweizer Norm zur Dachbegrünung. Josef Löcherbach, Leiter Produktmanagement bei alwitra GmbH, Trier, referierte über Balkon- und Terrassenabdichtungen mit barrierefreien Anschlüssen. Er wies auf die Herausforderungen hin, die sich aus den Anforderungen der Musterbauordnung (§ 50 Abs. 2 Barrierefreies Bauen) und weiteren Normen wie E DIN 18040-1, DIN 18040-2, DIN 18185-5, Flachdachrichtlinien, DIN 18195-9, Dachbegrünungsrichtlinien und dem Merkblatt des Zentralverbandes Deutsches Baugewerbe (ZDB) ergeben. Innovative Systemlösungen, die Produkte unterschiedlicher Hersteller integrieren, bieten hierbei erhöhte Sicherheit.

Forschung & Lehre

Der zweite Themenkreis widmete sich aktuellen Forschungsergebnissen. Prof. Dr. Manfred Köhler von der Hochschule Neubrandenburg präsentierte eine Kosten-Nutzen-Analyse zur Pflege und Wartung von Dachgärten. Er zeigte auf, dass eine regelmäßige zehnjährige Pflege eines alten Daches eine Ersparnis von etwa 100.000 Euro im Vergleich zu vernachlässigter Pflege bedeuten kann, was einem jährlichen Mehraufwand von rund 10.000 Euro bei fehlender Pflege entspricht.

Die FBB hatte zwei Forschungsaufträge an das IASP der Humboldt-Universität zu Berlin vergeben. Dr. Olga Gorbachevskaya stellte die Ergebnisse der Studie zur „Feinstaubbindung in Abhängigkeit der Dachbegrünungsform“ vor. Die Untersuchung, die Recherchen, Pflanzenversuche an Vegetationsmatten und Modellrechnungen umfasste, ergab, dass die Feinstaubaufnahme der Sedum-Vegetation etwa 10 g pro Quadratmeter und Jahr beträgt.

Dipl.-Ing. Susanne Herfort präsentierte provokativ „Die Wahrheit zur CO2-Bindung durch begrünte Dächer. Aktuelle Untersuchungsergebnisse und Diskussion.“ Anhand der Biomasse von drei extensiv begrünten Dächern in Berlin wurde die CO2-Bindungskapazität ermittelt. Das Ergebnis zeigte, dass die oberirdische Biomasse einer dreijährigen extensiven Dachbegrünung unabhängig von der Vegetationsform mindestens zwischen 800 und 900 g/m² CO2 aufnehmen kann.

Aus der Praxis

Im dritten und letzten Themenkreis wurden praktische Anwendungen und innovative Projekte vorgestellt. Prof. Dr. Wolfgang Dickhaut von der HafenCity Universität Hamburg beleuchtete die Möglichkeiten extensiver Dachbegrünung als Element der dezentralen Regenwasserbewirtschaftung. Er betonte jedoch auch den Bedarf an weiterer Aufklärungsarbeit und Praxisuntersuchungen, um Siedlungswasserwirtschaftler von den Retentionswirkungen begrünter Dächer zu überzeugen.

Prof. Dr.-Ing. Yvonne-Christin Bartel von der Hochschule Ostwestfalen-Lippe präsentierte in ihrem Vortrag „Steildachbegrünungen. Dachbegrünungsaufbauten im Grenzbereich“ richtungsweisende Ergebnisse ihrer Dissertation. Sie zeigte auf, dass die Lagesicherheit von Dränkörpern erheblich variiert und eine Sicherung einiger Dränkörper bereits ab einer Neigung von 10° statt der üblichen 15° notwendig sein kann. Schüttstoffe hingegen weisen eine hohe Lagesicherheit bis zu 35° Neigung auf, während Filtervliese die Lagesicherheit tendenziell reduzieren. Die Reibungsfestigkeit zwischen Schutzvlies und Abdichtung hängt stark von der verwendeten Abdichtungsbahn ab.

Ein Höhepunkt des Symposiums war der Vortrag der Landschaftsarchitektin Melanie Müller-Boscaro aus Mailand über den „Bosco Verticale Milano“. In Mailand entstehen zwei begrünte Hochhäuser, die einen vertikalen Wald bilden – eine neuartige Form der Dach- und Fassadenbegrünung. Die Architekten Boeri Studio sehen pflanzliche Elemente als integralen Bestandteil der Gebäudehülle, wodurch eine Verbindung zwischen klassischen architektonischen Elementen und Pflanzen entsteht. Diese Projekte sind Teil der städtebaulichen Entwicklung Mailands im Zuge der Weltausstellung Expo 2015.

Prof. Dr. Klaus Neumann von der Beuth Hochschule Berlin nahm die Zuhörer mit auf eine Reise zu „Chancen für neue Dachnutzungen in der Stadt der Zukunft“. Er skizzierte notwendige Änderungen und Möglichkeiten, die sich aus gesellschaftlichen und klimatischen Entwicklungen ergeben. Das grüne und nutzbare Dach wird zu einem wesentlichen urbanen Wertschöpfungspotenzial der Zukunft, das vielfältige Wirkungsweisen wie Artenvielfalt, Klimafunktion, Freizeit & Kultur, Gesundheit & Sport sowie Ernährung umfasst. Melanie Trautmann ergänzte dies mit passenden Praxisbeispielen.

Den Abschluss bildete Dipl.-Ing. Roland Streibich von Duraproof mit einem Vortrag zur Leistungsfähigkeit von EPDM-Dachabdichtungen unter Dachbegrünungen. EPDM-Kautschukbahnen zeichnen sich durch eine Haltbarkeit von über 50 Jahren, Flexibilität von -40 bis +120°C, witterungsunabhängige Nahtverschweißung und Hagelschlagbeständigkeit aus.

24.03.2013

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