Herausforderungen und Erholungstendenzen in der Baumarktbranche
Die Baumarktbranche in Deutschland, mit einem Umsatz von über 18 Milliarden Euro das drittgrößte Konsumgütersegment nach dem Lebensmittel- und Textilhandel, bleibt ein hart umkämpfter Markt. Trotz der rund 2.200 Baumärkte, die Deutschland zum größten europäischen Markt für Bau- und Heimwerkerbedarf machen, sind die Profitmargen gering.
Das Jahr 2013 war für die deutschen Baumärkte herausfordernd. Ein nasskalter Frühling führte zu einem Umsatzeinbruch von über 23 Prozent allein im verregneten März. Dies trug maßgeblich zur Insolvenz von Praktiker/Max Bahr bei, der ehemals zweitgrößten Baumarktkette in Deutschland. Insgesamt sank der Bruttoumsatz der Bau- und Heimwerkermärkte 2013 nominal um 2,9 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.
Gemischte Aussichten für 2014
Der warme Frühling 2014, mit dem vielerorts wärmsten März seit 20 Jahren, begünstigte die Branche. Dennoch bleibt die Lage laut einer Baumarkt-Studie von Euler Hermes gemischt.
"Bei Deutschlands Baumärkten herrscht weiterhin ein starker Wettbewerb und in der Folge ein hoher Margendruck", sagte Thomas Krings, Risikovorstand bei Euler Hermes. "Vor allem die Zulieferer müssen im Jahr 2014 erst einmal die Folgen der Praktiker-Insolvenz überstehen. Die Verunsicherung nach dem Aus des Branchenriesen ist anhaltend hoch und die dadurch fehlenden Umsätze können im Gesamtjahr voraussichtlich nicht vollständig kompensiert werden."
Es gibt jedoch auch positive Entwicklungen.
"Zahlreiche Märkte wurden inzwischen von Wettbewerbern übernommen und eröffnen in den kommenden Monaten unter neuer Flagge. Deshalb generieren sie erst in der zweiten Jahreshälfte Umsatz. Die verbliebenen Baumärkte dürften dadurch ihre Umsätze insgesamt um rund drei Prozent steigern. Die Verbesserung des bundesweiten Wirtschaftsklimas sowie ein zuletzt wieder merklicher Anstieg der Bauvorhaben, dürften den erwarteten Aufwärtstrend weiter stützen. Für weitere Insolvenzen gibt es derzeit keine Anzeichen. Erste Erhebungen deuten im ersten Quartal 2014 auf ein deutliches Marktwachstum mit einem zweistelligen Plus hin."
Abhängigkeit der Zulieferer im Garten- und Pflanzenbedarf
Lieferanten für Garten- und Pflanzenbedarf sind besonders stark von Baumärkten abhängig. Dieser Bereich macht 21 Prozent des Gesamtumsatzes in Heimwerkermärkten aus und ist zudem stark witterungsabhängig. Weitere wichtige Umsatzanteile entfallen auf Ergänzungsbedarf (14 Prozent), Innendeko (13 Prozent), Sanitär (9 Prozent) und Baustoffe (9 Prozent).
Regionale Risikoverteilung
Das Risiko für Zulieferfirmen variiert regional. Nordrhein-Westfalen führt mit 451 Baumärkten, gefolgt von Bayern (360), Niedersachsen (275) und Baden-Württemberg (250). Kleinere und mittlere Unternehmen in diesen Regionen wären bei weiteren Großinsolvenzen aufgrund regionaler Versorgungsketten besonders betroffen. Die höchste Versorgungsdichte, gemessen an der Einwohnerzahl pro Baumarkt, findet sich in den ostdeutschen Bundesländern. In den Stadtstaaten Berlin, Hamburg und Bremen sowie im Saarland kommen besonders viele Einwohner auf jeden Baumarkt.