„Flora Incognita“: Eine innovative App für jedermann
Die App „Flora Incognita“ nutzt Künstliche Intelligenz zur Pflanzenbestimmung. Dabei kommen Verfahren zur Bildverarbeitung und Mustererkennung zum Einsatz. Diese Technologie ermöglicht es, Pflanzenwissen für ein breites Publikum zugänglich zu machen, unabhängig von botanischen Vorkenntnissen.
Das Projekt, eine Kooperation der Technischen Universität Ilmenau und des Max-Planck-Instituts für Biogeochemie, wird bis 2024 vom Bundesumweltministerium mit 2,38 Millionen Euro im Rahmen des Bundesprogramms Biologische Vielfalt gefördert. Das Bundesamt für Naturschutz begleitet das Vorhaben inhaltlich.
Das neue Projekt bietet uns die Möglichkeit, die Vorteile Künstlicher Intelligenz für den Erhalt biologischer Vielfalt zu nutzen. So wird das Fachwissen von Expertinnen und Experten oder aus dicken Büchern für jedermann auf dem heimischen Balkon, im Garten oder beim Spaziergang nutzbar. Über 3000 heimische Farn- und Blütenpflanzen können so ganz einfach digital identifiziert und näher kennengelernt werden. Das macht Lust, die Natur um uns herum neu zu entdecken.
Die App ermöglicht die Bestimmung von Pflanzen anhand von Fotos von Blüte und Blatt sowie den Zugriff auf vielfältige Informationen zur jeweiligen Art. Die gesammelten Daten können zudem für flächendeckende floristische Kartierungen und Monitoring-Zwecke genutzt werden.
Wir hoffen, dass im Zuge des Projekts wieder mehr Menschen animiert werden, sich mit den Arten befassen und ihr Wissen auch einzubringen und weiterzutragen. Denn um den Zustand unserer Pflanzenwelt zu dokumentieren und zu bewerten, sind wir auf die Unterstützung aus dem Citizen Science-Bereich angewiesen, aber auch auf professionell ehrenamtlich Kartierende. Die innovative Kombination aus digitaler Bestimmungs- und Meldefunktion in diesem Projekt wird maßgeblich zur Verbesserung der floristischen Datenlage beitragen.
Weiterentwicklung und Erweiterung der Artenvielfalt
Die aktuelle Weiterentwicklung basiert auf den Ergebnissen des Forschungs- und Umsetzungsvorhabens „Flora Incognita“, das von 2014 bis 2019 durch das Bundesforschungs- und das Bundesumweltministerium gefördert wurde. Die im Frühjahr 2018 veröffentlichten Apps „Flora Incognita“ und „Flora Capture“ werden in den kommenden Jahren weiterentwickelt. Die „Flora Key App“ soll in Kürze erscheinen.
Die Bestimmungsgenauigkeit wird weiter erhöht. Der bisherige Katalog von etwa 1.600 mitteldeutschen Arten wird auf die gesamtdeutsche Flora mit über 3.000 Arten erweitert. Zusätzlich werden häufige Zier- und Gartenpflanzen in die Datenbank aufgenommen. In Zusammenarbeit mit botanischen Fachgesellschaften wird zudem untersucht, welche bestimmungskritischen Taxa für eine KI-gestützte Bestimmung geeignet sind.
Für alle Arten werden Steckbriefe bereitgestellt, die Informationen zu Verbreitung und Schutzstatus aus den Internetportalen floraweb.de und wisia.de des BfN beziehen. Zukünftig sollen über das Projekt auch Daten zu spezifischen Themen wie dem Vorkommen gebietsfremder Arten, der Dokumentation phänologischer Jahreszeiten oder Pflanzenkrankheiten abgefragt werden können. Eine abgestimmte Erfassungsmethodik soll gemeinsam mit Behörden, Fachgesellschaften und der Wissenschaft erarbeitet werden, um die Zugänglichkeit der erhobenen Daten für diese Zielgruppen zu verbessern.
Das Bundesprogramm Biologische Vielfalt
Das Bundesprogramm Biologische Vielfalt unterstützt seit 2011 die Umsetzung der Nationalen Strategie zur biologischen Vielfalt (NBS). Es fördert Vorhaben, die im Rahmen der NBS eine gesamtstaatlich repräsentative Bedeutung haben oder die Strategie beispielhaft umsetzen. Die geförderten Maßnahmen tragen dazu bei, den Rückgang der biologischen Vielfalt in Deutschland zu stoppen und langfristig umzukehren. Sie dienen dem Schutz, der nachhaltigen Nutzung und der Entwicklung der biologischen Vielfalt und gehen über rechtlich geforderte Standards hinaus. Akzeptanzbildende Maßnahmen in Information und Kommunikation sollen das gesellschaftliche Bewusstsein für die biologische Vielfalt stärken.
