Integriertes Pflanzenschutzkonzept für den Unterglas-Gartenbau
Moderne Produktionssysteme im Unterglas-Gartenbau sind zunehmend größer und spezialisierter. Dies erschwert die tägliche Kontrolle der Pflanzenkulturen. Die zentrale Frage des Projekts war, wie eine präzise und qualitativ hochwertige Pflanzenproduktion unter diesen Bedingungen gewährleistet werden kann. Niederländische und deutsche Experten haben sich dieser Herausforderung im Rahmen des Interreg-Projektes „Gezonde Kas“ angenommen. Die Forschung konzentrierte sich auf die Beispielkulturen Tomaten und Cyclamen. Das Ergebnis ist ein neues, in sich geschlossenes System.
Die unterschiedlichen Komponenten greifen nahtlos ineinander - und ermöglichen so innovativen Pflanzenschutz auf dem neuesten Stand der Technik.
Dies erklärte Projektleiterin Dr. Carolien Zijlstra vom niederländischen Wageningen University & Research Centre (WUR).
Struktur des Gezonde-Kas-Systems
Das Gezonde-Kas-System besteht aus über 25 technischen Bausteinen, die in mehreren Schritten ein gesundes Gewächshaus fördern.
- Erster Schritt: Eingangsscreening
Beim Eintreffen im Gewächshaus werden Pflanzen und Umgebung (Wasser, Luft, Substrat) gescannt und auf mögliche Schaderreger untersucht. Hierfür werden stichprobenartig Gewebeproben entnommen, deren DNA isoliert und auf Erreger getestet wird. Dies soll einen gesunden Start gewährleisten. - Zweiter Schritt: Monitoring
Das Monitoring erfolgt zunächst auf der Makroebene, also über den gesamten Pflanzenbestand. Bei Bedarf wird es auf die Mikroebene der einzelnen Pflanze ausgeweitet, um Schaderreger zu entdecken und zu diagnostizieren. Dabei kommen beispielsweise Chlorophyll Fluorescence (CF)-Kameras zum Einsatz, die geschwächtes Pflanzengewebe erkennen. Bei positivem Befund wird die Untersuchung auf Mikroebene fortgesetzt. Ohne Auffälligkeiten arbeitet das System auf Makroebene weiter. - Dritter Schritt: Interpretation und Empfehlung
Das System interpretiert die Monitoring-Ergebnisse und leitet daraus Entscheidungshilfen sowie Empfehlungen für den Kultivateur ab. - Vierter Schritt: Maßnahmenumsetzung
Im letzten Schritt kann der Kultivateur gezielte Maßnahmen zur Bekämpfung diagnostizierter und lokalisierter Krankheiten ergreifen. Bei Bedarf werden sensorgesteuerte Düsen eingesetzt, die über 50 Prozent der Wirkstoffe einsparen können.
Nach der Umsetzung der Maßnahmen beginnt das System erneut mit dem Monitoring.
Projektbeteiligung und Finanzierung
Eine Live-Demonstration des Systems fand im Versuchszentrum Gartenbau in Straelen statt. Experten erläuterten die Systemkomponenten mittels Videos, Postern und Softwareprogrammen. Am Projekt „Gezonde Kas“ waren zehn Forschungseinrichtungen und 22 Unternehmen aus dem deutsch-niederländischen Grenzgebiet beteiligt. Das Projekt wurde mit rund zehn Millionen Euro von der Europäischen Union sowie nationalen und regionalen Financiers gefördert.
