Empfehlungen zur Stärkung der Forstpflanzenzüchtung
Die Forstpflanzenzüchtung spielt eine entscheidende Rolle bei der Anpassung der Wälder an den Klimawandel. Angesichts des steigenden Bedarfs an hochwertigem und angepasstem Forstvermehrungsgut hat die Arbeitsgruppe „Ressource Wald und Holz“ der Charta für Holz 2.0 des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) Empfehlungen zur Stärkung dieses Bereichs vorgelegt.
Strukturen und Finanzierung
Die Kernempfehlung der Charta-Arbeitsgruppe lautet, dass die Bundesregierung langfristige Strukturen und dauerhafte Finanzierungsmöglichkeiten für die Forstpflanzenzüchtung schaffen sollte. Die Züchtungsarbeit erfordere aufgrund der langen Wachstumszeiträume von Wäldern Langfristigkeit, Ausgewogenheit und Kontinuität. Nur so könnten verlässliche Verwendungs- und Herkunftsempfehlungen für die Forstpraxis abgeleitet und geeignete Quellen für Vermehrungsgut etabliert werden.
Neben der drittmittelfinanzierten Projektförderung, beispielsweise durch das Förderprogramm Nachwachsende Rohstoffe und den Waldklimafonds, sei eine dauerhafte finanzielle Unterstützung der Forstpflanzenzüchtung auf Bundes- und Länderebene wichtig. Drittmittelfinanzierungen dienen dazu, Impulse für Forschungsprojekte zu geben und Entwicklungen anzustoßen, die anschließend von geeigneten Institutionen langfristig aufgegriffen und weiterverfolgt werden sollten.
Hintergrund und Entwicklung
Nicht alle heimischen Baumarten können sich schnell genug an die klimatischen Veränderungen anpassen. Hier ist die Forstpflanzenzüchtung gefragt, um mit hochwertigem Saat- und Pflanzgut zu artenreichen Mischwäldern beizutragen, die eine hohe Anpassungsfähigkeit, Wuchsleistung und Qualität aufweisen.
In den letzten Jahrzehnten wurde die Zahl der Landes- und Bundeseinrichtungen für Forstgenetik und Forstpflanzenzüchtung erheblich reduziert. Im letzten Jahrhundert gab es in nahezu allen Bundesländern Forschungseinrichtungen zur Forstpflanzenzüchtung, insgesamt 18. Vor etwa 25 Jahren erfolgte ein starker Einschnitt, als die Forstpflanzenzüchtung bei den Landesversuchsanstalten und beim Bund drastisch zurückgefahren wurde. Heute muss die Bedeutung der Forstpflanzenzüchtung als Teil der Anpassungsstrategie der Forstwirtschaft an den Klimawandel neu bewertet werden.
Die Charta für Holz 2.0 ist ein vom BMEL initiierter Dialogprozess zur Stärkung der Verwendung von Holz aus nachhaltiger Forstwirtschaft. Ziel ist es, Klimaschutz, Ressourcenschonung und Wertschöpfung im ländlichen Raum zu fördern. Die FNR ist seit 1993 als Projektträger des BMEL für das Förderprogramm Nachwachsende Rohstoffe aktiv und unterstützt zudem Forschungsthemen in den Bereichen nachhaltige Forstwirtschaft und innovative Holzverwendung.