Fachtagung beleuchtet urbanes Grün in Hamburg
In Hamburg diskutierten rund 250 Fachleute über die Zukunft des urbanen Grüns. Die Stadt befindet sich städtebaulich im Wandel. Projekte wie die Internationale Bauausstellung (IBA) und die Internationale Gartenschau 2013 (igs) in Wilhelmsburg sollen den „Sprung über die Elbe“ ermöglichen.
Der geplante Bau von 6.000 neuen Wohnungen pro Jahr führt zu einer starken Verdichtung im Stadtgebiet. Dies erfordert eine bewusste Gestaltung der verbleibenden Freiflächen. Die 2012 eingeführte „Regensteuer“ stellt zudem neue Anforderungen an den Umgang mit Regenwasser und die Reduzierung versiegelter Flächen. Experten aus Stadtplanung, der Grünen Branche und Politik trafen sich, um Chancen und Potenziale einer zielgerichteten Begrünung urbaner Räume zu erörtern.
Anlass war die 30. GaLaBau-Fachtagung des Fachverbands Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau Hamburg (FGL HH).
Für die hier Anwesenden bietet unsere Fachtagung seit drei Jahrzehnten die Möglichkeit, Erfahrungswerte auszutauschen und sich über wichtige Neuheiten in ausgewählten Fachbereichen zu informieren.
Dies erklärte Thomas Schmale, Vorsitzender des FGL HH, zu Beginn der Veranstaltung. Schmale sprach von einem wachsenden Spagat zwischen Grünflächen und der stahl-, beton- und glasgeprägten Architektur in vielen Hamburger Quartieren. Er appellierte an die Verantwortlichen:
Lassen Sie uns gemeinsam den Mut entwickeln, mehr Grün in die Stadt zu bringen, vor allem aber auch den Mut und die Kraft, die bestehenden Grünflächen in Hamburg zu unterhalten und zu pflegen!
Die igs als Leistungsschau für die Grüne Branche
Der FGL HH konnte für die Fachtagung hochkarätige Referenten gewinnen, darunter die Hamburger Senatorin Jutta Blankau, den Staudenexperten Prof. Cassian Schmidt und Dr. Ing. Mathias Kaiser, Fachmann für Regenwassermanagement. Senatorin Blankau betonte die Bedeutung der vergangenen Internationalen Gartenausstellungen für das Hamburger Stadtbild.
Mit der IBA und der igs 2013 auf der Elbinsel Wilhelmsburg werden wir auf diesem Gebiet aber noch einmal neue Dimensionen erreichen. Ein ganzer Stadtteil wird zu einer neuen grünem Mitte umgestaltet, der zum Sprung über die Elbe einlädt.
Der neu entstandene Freizeitpark und die geplante Verlegung der Reichsstraße sollen das bisher von Verkehrswegen zerschnittene Wilhelmsburg zusammenführen und die Lebensqualität der Bewohner verbessern. Blankau hob hervor, dass diese Vision ohne die Erfahrung und Unterstützung von Landschaftsgärtnern und Landschaftsarchitekten nicht realisierbar gewesen wäre. Die igs sei daher eine Leistungsschau, bei der die Grüne Branche ihre Innovationen und qualitativ hochwertigen Leistungen präsentieren könne.
Regenwassermanagement als Chance für den GaLaBau
Dr. Mathias Kaiser vom Büro Kaiseringenieure thematisierte in seinem Vortrag „Regenwasserbewirtschaftung im GaLaBau“ ein zunehmend wichtiges Thema für Hamburg. Seit 2012 erhebt die Hansestadt getrennte Gebühren für die Entsorgung von Schmutz- und Regenwasser, um der Flächenversiegelung entgegenzuwirken.
Wir stehen heute vor der Situation, dass die Kanalisation in vielen Regionen chronisch überlastet ist, da kaum noch Wasser auf natürliche Art und Weise im Boden versickern kann. Wer Flächen entsiegelt bzw. andere Lösungen schafft, die das Kanalnetz entlasten, spart bei der gesplitteten Abwassergebühr bares Geld.
Für Landschaftsgärtner biete die Ausführung entsprechender Anlagen einen neuen Markt. Kaiser erläuterte anhand von Projekten in Dortmund, wie eine integrierte Regenwasserbewirtschaftung Stadtteile attraktiver machen kann. Im Dortmunder Quartier Scharnhorst wurden beispielsweise große Bereiche vom überlasteten Kanalnetz abgekoppelt und Regenwasser stattdessen oberirdisch in offenen, ökologisch gestalteten Wasserflächen gesammelt. Dies führte zu einer Aufwertung des Quartiers.
Die Gelder, die ansonsten in die Sanierung und den Ausbau der Kanalisation geflossen wären, gingen nun an Landschaftsgärtner und Landschaftsplaner.
Ein weiteres Potenzial sieht Kaiser im Überflutungsschutz, der aufgrund der steigenden Häufigkeit von Starkregen in Städten an Bedeutung gewinnt und seit 2008 durch die DIN Norm 1986-100 bei Neubauten verpflichtend ist. Auch hier seien gestalterische Veränderungen in Freiflächen notwendig, die von qualifizierten Landschaftsgärtnern vorgenommen werden könnten.
Stauden als Imageträger im urbanen Raum
Mit zunehmender Verdichtung von Großstädten wie Hamburg steigt der Anspruch an die Gestaltung der verbleibenden Freiflächen. Prof. Cassian Schmidt zeigte in seinem Vortrag, wie Staudenpflanzungen farbenfrohe Akzente in Städten setzen können. Im Sichtungsgarten Hermannshof in Weinheim entwickeln Schmidt und seine Kollegen Staudenmischungen, die sich an Vorbildern aus nordamerikanischen Prärien und ostasiatischen Steppenlandschaften orientieren.
In Zeiten des Klimawandels schauen wir auch bei den Stauden verstärkt in andere Länder und Regionen, deren klimatischen Bedingungen wir uns zunehmend annähern.
Arten, die in Prärien und Steppen gedeihen, seien stresstolerant, vermehrten sich gut, funktionierten über viele Jahre und böten ganzjährig ein attraktives Bild. Der Staudenfachmann gab den Tagungsbesuchern Einblicke in den Umgang und die Gestaltung mit Stauden im öffentlichen Raum, inklusive Tipps zur Pflege und einer Übersicht über Anschaffungs- und Instandhaltungskosten.