Prognose für den privaten Konsum in Deutschland
Die privaten Haushalte in Deutschland werden ihre Ausgaben im Jahr 2013 real um 1,0 Prozent steigern. Diese Prognose gab GfK-Vorstandsvorsitzender Matthias Hartmann bekannt. Der private Konsum leistet damit einen stabilen Beitrag zur Binnenkonjunktur.
Niedrige Zinsen und Unsicherheiten bezüglich der Zukunft des Euro führen dazu, dass Verbraucher werthaltige Anschaffungen bevorzugen. Für den Handel werden moderate Zuwächse erwartet. Die Verbraucherstimmung zu Beginn des Jahres 2013 ist positiv, alle Indikatoren des GfK-Konsumklimas zeigen nach oben. Trotz einer gebremsten wirtschaftlichen Entwicklung im Winter 2012 scheint ein Wendepunkt erreicht, und die Konjunkturerwartung nimmt zu.
Diese Einschätzung wird durch den ifo-Geschäftsklimaindex gestützt, der im Januar zum dritten Mal in Folge stieg. Die positive Lage am Arbeitsmarkt führt dazu, dass die Deutschen von steigenden Einkommen ausgehen. Die wahrgenommene Jobsicherheit ermöglicht zudem Planungssicherheit für größere Anschaffungen. Gleichzeitig sind Spar- und Darlehenszinsen historisch niedrig, was insbesondere dem Immobilienbereich zugutekommt, der als sicherer Hafen für Ersparnisse gilt.
Das ifo-Institut schätzt, dass die Zahl der Wohnungsbaufertigstellungen im vergangenen Jahr um rund 17 Prozent anstieg. GfK-Zahlen belegen ein Plus von rund 7 Prozent bei den Ausgaben für Renovierungen. Die Befürchtungen um die Zukunft des Euro verstärken diesen Trend. Deutsche Verbraucher, die früher als „Angstsparer“ galten, entwickeln sich teilweise zu „Angstkonsumenten“.
Moderate Entwicklung im Handel
Während der Immobilienmarkt boomt, zeigt sich die Entwicklung im deutschen Handel durchwachsen. Laut GfK-Berechnungen stieg der Umsatz im Lebensmittelhandel und in Drogeriemärkten im Jahr 2012 nominal um 2,2 Prozent auf rund 160 Milliarden Euro. Lebensmittelvollsortimenter verzeichneten eine Umsatzsteigerung von 4,7 Prozent, während Discounter mit einem Plus von 2,4 Prozent eine stabile Entwicklung aufwiesen. Das Gesamtwachstum resultierte aus höheren Preisen, die verkaufte Menge im Lebensmittelhandel ging hingegen zurück.
Für 2013 prognostiziert GfK im Lebensmittelhandel und in Drogeriemärkten eine nominale Umsatzsteigerung von 1,5 Prozent, begleitet von einem weiterhin rückläufigen Mengenkonsum. Im Nonfood-Handel, der Segmente wie Textilien, Elektroartikel, Möbel und Heimwerkerbedarf umfasst, stieg der Umsatz 2012 um 1 Prozent auf rund 150 Milliarden Euro. Elektroartikel verzeichneten ein Plus von 2,8 Prozent, während der Textilsektor einen Umsatzrückgang von 1,6 Prozent erlitt. Der Online-Handel war mit einer Steigerung von 14 Prozent auf knapp 24 Milliarden Euro Umsatz im Nonfood-Bereich ein deutlicher Gewinner.
Für das Jahr 2013 erwartet GfK im gesamten Nonfood-Handel eine leichte Abschwächung der Wachstumsrate auf 0,7 Prozent. Für den Lebensmittel- und Nonfood-Handel zusammen prognostiziert GfK einen nominalen Umsatzanstieg von 1,1 Prozent.
Starker Arbeitsmarkt als Konsumtreiber
Der Arbeitsmarkt spielt eine zentrale Rolle für das positive Konsumklima. Im Jahresdurchschnitt 2012 waren laut Bundesagentur für Arbeit rund 2,9 Millionen Menschen arbeitslos gemeldet, der niedrigste Stand seit 1991. Im Vergleich zum Vorkrisenniveau von 2007 sank die Arbeitslosenzahl nur in Deutschland. Während hierzulande ein Drittel weniger Arbeitslose zu verzeichnen sind, stieg deren Zahl im europäischen Durchschnitt um fast 50 Prozent.
In Spanien und Irland erhöhte sich die Arbeitslosenzahl um mehr als 200 Prozent, und Griechenland verzeichnete einen Anstieg von knapp 170 Prozent.
Konsum als Konjunkturstütze für Deutschland
Die Aussichten für die Weltwirtschaft bleiben auch in diesem Jahr gedämpft. Für die Europäische Union erwartet das Statistische Bundesamt eine Steigerung des Bruttoinlandsprodukts von 0,4 Prozent, nach einem Rückgang von 0,3 Prozent im Jahr 2012. Die Gefahr einer anhaltenden Rezession scheint gebannt, und die deutschen Exporte innerhalb Europas dürften sich voraussichtlich nicht weiter abschwächen. Das deutsche Bruttoinlandsprodukt soll 2013 um 0,8 Prozent zulegen, nach 0,7 Prozent Wachstum im Vorjahr. Angesichts der verhaltenen Weltwirtschaft gewinnt die Binnennachfrage zunehmend an Bedeutung.
Die realen, preisbereinigten Ausgaben der Privathaushalte zeigten bis zur Jahrtausendwende meist deutliche Steigerungsraten. Das letzte Jahrzehnt war hingegen von Stagnation geprägt; zwischen 2000 und 2010 erhöhten sich die Ausgaben der Verbraucher im Schnitt real nur um 0,3 Prozent. Diese Entwicklung scheint seit 2011 gestoppt, als der private Konsum real um 1,5 Prozent stieg. Für 2012 zeigen die vorläufigen Daten des Statistischen Bundesamtes eine Steigerung von 0,8 Prozent, was die GfK-Prognose von 1,0 Prozent weitgehend bestätigt. Die Rahmenbedingungen für eine Fortsetzung dieses Trends sind günstig.
Der deutsche Arbeitsmarkt wird voraussichtlich robust bleiben und eine positive Konsumstimmung fördern. Auch die Lohnentwicklung steht unter positiven Vorzeichen, bei einer weiterhin moderaten Inflationsrate.
Die Euro- und Staatsschuldenkrise ist zwar nicht gelöst, aber die Finanzmärkte konnten beruhigt werden. Hier ist weiter entschiedenes Handeln gefragt, damit sich die Unsicherheiten nicht wieder verstärken. Der Trend zu werthaltigen Anschaffungen ist ungebrochen. Einerseits begünstigt durch niedrige Spar- und Darlehenszinsen, andererseits aber auch gefördert durch die Sorgen der Verbraucher um die Zukunft des Euros. Für das Jahr 2013 prognostiziert GfK auf dieser Basis eine Steigerung des privaten Konsums um real 1,0 Prozent. Damit liefern die Verbraucher in Deutschland erneut einen stabilen Beitrag zur Binnenkonjunktur.
