TÜV NORD-Studie enthüllt hohe Emissionen bei Motorsägen und Freischneidern
Eine Untersuchung von Motorkettensägen und Freischneidern, durchgeführt vom TÜV NORD im Auftrag der Deutschen Umwelthilfe (DUH) im Dezember 2014, zeigt, dass mobile, handgeführte Maschinen weiterhin die europäischen Grenzwerte für Schadstoffemissionen überschreiten.
Von elf getesteten Geräten, die in Baumärkten, Fachgeschäften und online erworben wurden, wiesen sechs erhebliche Überschreitungen der Emissionsgrenzwerte für Kohlenmonoxid, Kohlenwasserstoffe und Stickoxide auf.
Dass Motorsensen und -sägen, die nicht den gesetzlichen Bestimmungen entsprechen und durch ihre viel zu hohen Schadstoffemissionen die Gesundheit der Nutzer schädigen, weiter verkauft werden, ist ein Skandal.
Dies erklärte Jürgen Resch, Bundesgeschäftsführer der DUH. Die Organisation forderte die betroffenen Hersteller und Händler auf, die Grenzwerte einzuhalten und die beanstandeten Geräte vom Markt zu nehmen.
Die Messungen umfassten sieben Motorsensen und Freischneider der Marken Timbertech (JAGO), IKRA, Einhell, Stihl, Al-Ko, Husqvarna und Dolmar sowie vier Motorkettensägen der Marken Lux-Tools und CMI (beide Euromate), Güde und Fuxtec.
Besonders auffällig war das Gerät der Marke Timbertech (Hersteller JAGO AG), bei dem eine Überschreitung des Grenzwerts für Kohlenwasserstoff und Stickoxid um 400 Prozent gemessen wurde. Geräte des Herstellers Euromate zeigten Überschreitungen von 120 Prozent (Lux-Tools) und 70 Prozent (CMI).
Weitere hohe Überschreitungen wurden beim Freischneider der Marke IKRA (50 Prozent) und bei der Motorkettensäge der Marke Güde (85 Prozent) festgestellt. Die Geräte von Stihl, Al-Ko, Husqvarna, Dolmar und Fuxtec hielten die Emissionsgrenzwerte ein; drei davon unterschritten die Grenzwerte sogar um mehr als 25 Prozent.
Hersteller wie IKRA, Güde, Einhell und Euromate waren bereits 2013 in einem ähnlichen Test negativ aufgefallen. Während die Baumarktkette toom Produkte mit zu hohen Emissionen aus dem Sortiment nahm, bewarb OBI eine betroffene Motorsäge als Aktionsprodukt. Nach Druck der DUH und Landesbehörden zog OBI schließlich zwei Motorsägen seiner Tochter Euromate vom Markt, die erneut durch hohe Schadstoffemissionen auffielen.
Die Versandhandelskette Amazon führt trotz der Problematik weiterhin Maschinen im Sortiment und lehnt Verantwortung ab, obwohl Händler die Einhaltung gesetzlicher Bestimmungen garantieren müssen.
Die DUH informierte das Kraftfahrtbundesamt und die zuständigen Landesministerien. Eine Umfrage der DUH ergab, dass lediglich Nordrhein-Westfalen und Hessen seit 2014 Ordnungswidrigkeitsverfahren gegen Inverkehrbringer mobiler Maschinen eingeleitet oder geprüft haben. Baden-Württemberg führte eigene Messungen durch, stellte ebenfalls Überschreitungen fest und kündigte Sanktionsmaßnahmen an.
Die DUH plant, die Verbraucherschutzvorschriften auf dem Rechtsweg gegen alle Hersteller durchzusetzen, bei denen Grenzwertüberschreitungen festgestellt wurden.
Verbraucher können nicht erkennen, ob ein Produkt die gesetzlichen Vorgaben erfüllt. Vielmehr vertrauen sie darauf, dass in Deutschland vertriebene Produkte dies tun. Unternehmen, die gegen die Emissionsvorschriften verstoßen, täuschen Verbraucher. In ihrem Interesse setzen wir die Vorschriften notfalls auf dem Rechtsweg durch.
Dies betonte Agnes Sauter, Leiterin Verbraucherschutz der DUH. Sie forderte eine deutliche Verbesserung der Marktüberwachung, um den Verkauf von Geräten mit Grenzwertüberschreitungen an Verbraucher zu verhindern. Die DUH appelliert an alle Beteiligten im Gesetzgebungsprozess, verbindliche Vorgaben für die Marktüberwachung festzuschreiben und die Grenzwerte an den Stand der Technik und den notwendigen Gesundheitsschutz anzupassen.
Das Ziel der Gesetzgebung ist es, die menschliche Gesundheit und die Umwelt durch eine Begrenzung des Ausstoßes besonders gefährlicher Stoffe im Abgas zu schützen. Dies erreichen die Werte – selbst wenn sie in der Realität eingehalten werden – vor allem bei Kohlenmonoxid durch einen viel zu hohen Grenzwert heute schon nicht mehr.
Axel Friedrich, technischer Berater der DUH, der den Test betreute, wies darauf hin, dass strengere Grenzwerte erforderlich sind, um einen geeigneten Gesundheitsschutz zu gewährleisten. Kohlenmonoxidvergiftungen durch Verbrennungsmotoren führten in den letzten Jahren vermehrt zu Unfällen, teilweise mit tödlichem Ausgang.
