Förderung und Bedeutung von Dach- und Fassadenbegrünung
Die Weltwetterorganisation (WMO) hat die Jahre 2016, 2019 und 2020 als die drei heißesten seit Beginn der Temperaturaufzeichnungen identifiziert. Diese Entwicklung unterstreicht die Notwendigkeit, aktiv auf den Klimawandel zu reagieren. In den EU-Ländern wurden seit dem Pariser Klimaabkommen Maßnahmen zum Klimaschutz und zur Klimaanpassung initiiert, darunter auch Programme zur Stärkung der Grünen Infrastruktur in Städten und Gemeinden.
Das Land Nordrhein-Westfalen hat im November 2020 ein Sonderprogramm „Klimaresilienz in Kommunen“ aufgelegt. Ziel dieses Förderprogramms ist die Verbesserung des Stadtklimas durch die Begrünung von Fassaden und Dächern. Eigentümer von Wohn- oder Gewerbegebäuden können eine Förderung für die nachträgliche Anlage von Dach- und Fassadenbegrünungen erhalten. Dabei können bis zu 50 Prozent der förderfähigen Ausgaben erstattet werden.
NRW ist das bevölkerungsreichste und am stärksten verdichtete Bundesland. Deshalb zeigen sich die Veränderungen durch den Klimawandel hier früher und stärker als in anderen Regionen Deutschlands. Deswegen sehen wir das Engagement der Landespolitik als sehr wichtige Maßnahme, um bestehende Vorbehalte gegen die Dach- und Fassadenbegrünung aufzulösen. Obwohl die zahlreichen Vorteile und Potenziale längst erwiesen sind, gibt es bei Bauherren und Investoren immer noch Zurückhaltung und Bedenken.
Dies betont Frank Benning, Präsidiumsmitglied im Verband Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau Nordrhein-Westfalen e.V. (VGL) und GaLaBau-Unternehmer aus Münster.
Zusammenarbeit und Praxisbeispiele
Bereits im Sommer 2020 veranstaltete der VGL gemeinsam mit Experten sowie der NRW-Bauministerin Ina Scharrenbach und der NRW-Umweltministerin Ursula Heinen-Esser eine Online-Konferenz zum Thema Dachbegrünung.
In der Diskussion wurde deutlich, wie wichtig die enge Zusammenarbeit zwischen Kommune, Bauherren und ausführenden Betrieben ist – vor allem eine frühzeitige Berücksichtigung von Begrünungsmaßnahmen schon in der Planung ist essenziell.
Dies resümiert VGL-Präsident H. Christian Leonhards.
Praxisbeispiele bestätigen diese Einschätzung. Die „Wohn + Stadtbau GmbH“ der Stadt Münster setzt sich seit vielen Jahren für das Bauen mit Grün ein. Geschäftsführer Dr. Christian Jaeger erklärt: „Wir statten bei Neubauten alle geeigneten Dächer mit einer Kombination von Dachbegrünung und Photovoltaik aus.“ Auch bei Fassadenbegrünungen engagiert sich das Unternehmen verstärkt. „In diesem Jahr bringen wir bei mehreren Bestandsgebäuden nachträglich eine Fassadenbegrünung an – nicht allein, um zu mehr lebendigem Grün in der Stadt beizutragen, sondern auch, um dem Wärmeinseleffekt etwas entgegenzusetzen. Dach- und Fassadenbegrünungen sind wirksame Maßnahmen zur Klimaverbesserung im Gebäudebereich.“
Vorteile von Dach- und Fassadenbegrünung
Neben ökologischen Aspekten überzeugen Dach- und Fassadenbegrünungen durch bautechnische Schutzeffekte und eine gesteigerte Aufenthaltsqualität. Die Hitzesommer der letzten Jahre haben das Interesse an Fassadenbegrünungen deutlich erhöht.
Frank Benning weist auf wirtschaftliche Argumente hin: „Einsparpotenziale liegen in der Gebäudekühlung durch Verschattung und Verdunstung, dem Dämmeffekt durch Schutz vor Feuchtigkeit und Auskühlung und nicht zuletzt dem Wandschutz gegen UV-Strahlung und Temperaturextreme.“
Dr. Gunter Mann, Präsident des Bundesverband GebäudeGrün e.V. (BuGG), empfiehlt professionelle Partner für die Fassadenbegrünung. Die Techniken seien ausgereift und bewährt. Es gibt grundsätzlich zwei Bauweisen: die bodengebundenen und die wandgebundenen Begrünungstechniken sowie Mischformen. Die Wahl der Technik hängt von den Standortbedingungen und den gestalterischen Zielen des Bauherrn ab. Er rät dazu, Fachbetriebe für Planung und Ausführung zu beauftragen, um Fehler zu vermeiden. Die Fachbetriebe des Garten- und Landschaftsbaus sind für Projekte im privaten, gewerblichen und öffentlichen Grün qualifiziert.