Allgemeines, Naturschutz

Die Fließgewässer des südlichen Alpenvorlandes: Ein Gewässertyp des Jahres

Die Fließgewässer des südlichen Alpenvorlandes zeigen eine vergleichsweise positive Umweltsituation. Viele erreichen bereits den guten ökologischen Zustand gemäß Wasserrahmenrichtlinie, was im Kontrast zum bundesweiten Durchschnitt steht. Maßnahmen zur Aufwertung der Lebensräume sind dennoch erforderlich.

Positive Umweltsituation im Alpenvorland

Die Fließgewässer des südlichen Alpenvorlandes, die in den Ablagerungen der letzten Eiszeit nahe der großen Voralpenseen verlaufen, zeigen eine vergleichsweise positive Umweltsituation. Beispiele hierfür sind die Zuflüsse zum Ammersee, die Attel, der Unterlauf der Loisach sowie die Bodenseezuflüsse Argen und Schussen.

Ein Großteil dieser Bäche und Flüsse, konkret 57 Prozent, erreicht bereits den guten ökologischen Zustand gemäß den Zielen der Wasserrahmenrichtlinie. Dies steht im Kontrast zum bundesweiten Durchschnitt, wo lediglich etwa jedes zehnte Fließgewässer diese Vorgabe erfüllt. Alle Gewässer dieses Typs weisen zudem einen chemisch guten Zustand auf.

Weitere 35 Prozent der Gewässerstrecken dieses Typs befinden sich in einem mäßigen ökologischen Zustand und sind damit nahe am Erreichen der Zielvorgaben. Lediglich 8 Prozent weisen einen unbefriedigenden ökologischen Zustand auf. Die Bewertungen „sehr gut“ und „schlecht“ treten in diesem Gewässertyp nicht auf. Das positive Gesamtbild wird durch eine geringe Nährstoffbelastung im Vergleich zu anderen Gewässern ergänzt.

Trotz der guten Ausgangslage unterliegen auch diese Gewässer Belastungen. In den vergangenen Jahrhunderten wurden sie für Energieerzeugung, Besiedlung, Land- und Forstwirtschaft genutzt und mit Hochwasserschutzanlagen versehen. Die Ausleitung von Wasser zur Wasserkraftnutzung ist eine dieser Nutzungen.

Das Erreichen eines guten ökologischen Zustands wird oft durch einen Mangel an vielfältigen Lebensräumen und die eingeschränkte biologische Durchgängigkeit der Fließgewässer behindert. Um die Gewässerqualität zu verbessern und sie erlebbarer zu machen, sind Maßnahmen zur Aufwertung der Lebensräume im und am Gewässer erforderlich. Dazu gehören der Rückbau von Uferbefestigungen, die Förderung von Kieslaichplätzen und die Wiederherstellung der Durchgängigkeit an Stau- und Wasserkraftanlagen.

Rund 2.400 Kilometer der insgesamt 127.000 Kilometer Fließgewässerstrecke in Deutschland gehören zu den Bächen und Flüssen des südlichen Alpenvorlandes, was etwa 1,9 Prozent entspricht. Diese Gewässer sind charakteristisch für das eiszeitlich geprägte Alpenvorland mit Seen wie dem Bodensee, Starnberger See, Ammersee oder Chiemsee.

Typisch sind sowohl Strecken in Kerbtälern mit Mittelgebirgscharakter, wo das Wasser schnell über Steine und Kiesel strömt, als auch stark gewundene Abschnitte in Niederungen mit langsamer Strömung und sandiger Sohle. Diese Fließgewässer bieten Lebensraum für verschiedene Tierarten, darunter der Flussuferläufer, der Strömer und die Zweigestreifte Quelljungfer.

22.03.2013

Zurück