Bedeutung von Grünstrukturen für urbane Räume
Investitionen in die grüne Infrastruktur, insbesondere in Grünstrukturen und Freiflächen in urbanen Räumen, dienen der biologischen Vielfalt und der menschlichen Gesundheit. Dies betont Prof. Beate Jessel, Präsidentin des Bundesamtes für Naturschutz (BfN), anlässlich der europäischen Fachkonferenz „Biodiversity and Health in the Face of Climate Change“ in Bonn.
Die Konferenz wird vom BfN gemeinsam mit dem Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ) und dem Deutschen Zentrum für integrative Biodiversitätsforschung (iDiv) veranstaltet. Das Europäische Regionalbüro der Weltgesundheitsorganisation (WHO) unterstützt die Veranstaltung.
Klimawandel und urbane Hitze
Der Klimawandel stellt eine Bedrohung für die biologische Vielfalt und die menschliche Gesundheit dar. Besonders in Städten führt eine steigende Hitzebelastung im Sommer zu vermehrten Lungen- und Herz-Kreislauf-Erkrankungen sowie erhöhten Sterberaten. Chronisch Kranke und ältere Menschen sind davon besonders betroffen.
Stadtgrün kann einer Überhitzung der Städte effektiv entgegenwirken. Stadtbäume, Fassaden- und Dachbegrünungen tragen zur Abkühlung bei. Denn sie spenden Schatten, isolieren und fördern die Verdunstung. Urbanes Grün macht unsere Städte widerstandsfähiger gegen den Klimawandel und fördert gleichzeitig Wohlbefinden und Gesundheit.
Größere Grünanlagen können je nach Struktur und Umfang, insbesondere nachts, zu einer Abkühlung von fünf bis zehn Grad Celsius führen. Gut verteilte Freiräume ermöglichen zudem mehr Stadtbewohnern, von diesen positiven Effekten zu profitieren und Hitzestress zu vermeiden.
Positive Effekte auf die Gesundheit
Eine vielfältige Natur hat positive Effekte auf die körperlichen, seelischen und sozialen Komponenten von Gesundheit: Attraktive Grünräume animieren zu Sport und Bewegung, laden aber auch zu Erholung und Entspannung ein. Sie fördern das Konzentrationsvermögen sowie die körperliche und geistige Entwicklung von Kindern. Und sie tragen zur sozialen Integration bei, indem sie allen sozialen Schichten den Zugang ermöglichen.
Prof. Jessel hebt hervor, dass weitreichende Synergien zwischen Naturschutz, Klimaanpassung und Gesundheitsförderung bestehen, die besser genutzt werden sollten. Grüne Infrastruktur sei eine wichtige Präventionsmaßnahme, die verstärkt gefördert werden sollte. Angesichts steigender Kosten im Gesundheitssystem seien Investitionen in eine vielfältige und ansprechende grüne Infrastruktur effizient eingesetzte Mittel.
Städtische Initiativen und räumliche Planung
Einige Städte wie Frankfurt, Leipzig und Saarbrücken haben die Bedeutung innerstädtischer Grünflächen erkannt. Sie haben Landschaftspläne oder Freiraumstrategien zur integrierten Planung, Sicherung, Entwicklung und zum Management der urbanen grünen Infrastruktur erarbeitet.
Neben dem Naturerleben im direkten Lebensumfeld in der Stadt spielen auch Naherholungsgebiete am Stadtrand und weiter entfernte Naturlandschaften eine wichtige Rolle für die Gesundheit.
Naturschutz und Gesundheitsförderung müssen daher gemeinsam und über verschiedene räumliche Skalen hinweg betrachtet werden. Dies ist eine wichtige Aufgabe für die Stadt- und Landschaftsplanung, insbesondere angesichts der fortschreitenden Klimaveränderungen.
Konferenz und Handlungsempfehlungen
An der dreitägigen Fachveranstaltung nehmen rund 220 Experten aus Forschung, Politik und Praxis teil, darunter Vertreter der EU-Kommission, der Europäischen Umweltagentur und renommierte Wissenschaftler. Die Konferenz bringt Akteure aus den Bereichen Naturschutz, Gesundheitsförderung und Klimaanpassung zusammen.
Im Mittelpunkt steht die Frage, wie eine vielfältige Natur zu Gesundheit und Wohlbefinden angesichts steigender Temperaturen und anderer Auswirkungen des Klimawandels beitragen kann. Anhand von Forschungsergebnissen und Praxisbeispielen werden Möglichkeiten naturbasierter Lösungsansätze erörtert, um daraus politische Handlungsempfehlungen abzuleiten.
Im Rahmen der Veranstaltung wird vom Europäischen Regionalbüro der WHO ein "action brief", eine Handlungsanleitung für Kommunen zum Thema "Grünräume in der Stadt", vorgestellt.
