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37. Fachtagung des Fachverbands Hamburg: Grüne Zukunft für die Elbmetropole

Die jährliche Fachtagung des Fachverbands Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau Hamburg e. V. (FGL HH) versammelte rund 180 Fachleute, um über die Zukunft der grünen Infrastruktur in Hamburg zu diskutieren. Ludger Plaßmann, Vorsitzender des FGL HH, forderte mutige, lösungsorientierte Debatten und Strategien angesichts globaler Herausforderungen.

Appell für eine nachhaltige Stadtentwicklung

Die jährliche Fachtagung des Fachverbands Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau Hamburg e. V. (FGL HH) versammelte am 10. Februar rund 180 Fachleute in der Handwerkskammer Hamburg. Landschaftsgärtner, Landschaftsarchitekten, Stadtplaner, Bauleiter und Unternehmer trafen auf Vertreter der Wohnungswirtschaft, Bezirksämter, Behörden und Politik, um über die Zukunft der grünen Infrastruktur in Hamburg zu diskutieren.

Ludger Plaßmann, Vorsitzender des FGL HH, eröffnete die Tagung mit einem Appell: Er forderte mutige, lösungsorientierte Debatten und Strategien angesichts globaler Herausforderungen wie Krieg, Pandemie und Klimawandel. Plaßmann betonte die Notwendigkeit der Zusammenarbeit und der gegenseitigen Anerkennung von Kompetenzen, um gemeinsame Lösungen für aktuelle Probleme zu finden.

Das Jahr 2022 sei für den Hamburger Garten- und Landschaftsbau erfolgreich verlaufen, und die Kooperation mit den Hamburger Behörden funktioniere in vielen Bereichen gut. Als positives Beispiel nannte er die Umsetzung der Kampagne „Rettet den Vorgarten“ in der Hamburger Bauverordnung. Dennoch sah Plaßmann Verbesserungspotenziale und richtete konkrete Forderungen an die Politik: Er plädierte für die verpflichtende Einführung eines qualifizierten Freiflächenplans bei jeder Baugenehmigung und eine Novellierung der Hamburger Baumschutzsatzung zum Schutz der Bäume. Gleichzeitig forderte er die Abschaffung des Sommerschnittverbots, das in dieser Form nur in Hamburg existiere.

Plaßmann hob hervor, dass die Pandemie die Bedeutung von frischer Luft und einem gepflegten grünen Umfeld in Städten verdeutlicht habe. Er betonte: „Grün ist aktiver Klimaschutz.“ Er forderte gemeinsame Konzepte zur Entwicklung, Pflege und Erhaltung Hamburgs als grüne Stadt, um im Vergleich mit Metropolen wie London, Paris oder Zürich bestehen zu können.

Dachbegrünung als Verpflichtung für Hamburg

Wolfgang Michael Pollmann, Staatsrat der Hamburger Behörde für Umwelt, Klima, Energie und Agrarwirtschaft (BUKEA), eröffnete die Fachtagung mit einem Vortrag zur „grünen Zukunft der Stadt Hamburg“. Er stimmte Ludger Plaßmann in vielen Punkten zu, ging jedoch nicht auf die Forderung nach Aufhebung des Sommerschnittverbots ein. Pollmann unterstrich die soziale Verpflichtung zur Grünversorgung und betonte, dass städtisches Grün angesichts der Innenverdichtung nicht vernachlässigt werden dürfe. Er kündigte konkrete Projekte an, um die Wichtigkeit von Grün über bloße Worte hinaus zu unterstreichen.

Der Staatsrat verwies auf einen Senatsbeschluss aus dem Jahr 2019, der auf Verhandlungen der BUKEA mit einer Volksinitiative des NABU basierte. Dieser Beschluss habe zur besseren personellen und finanziellen Ausstattung der Bezirksämter geführt, um den Ausbau und Schutz von Grünanlagen und Wasserflächen in der Stadt voranzutreiben. Pollmann bezeichnete dies als einen „riesigen Meilenstein“.

Die Pandemie und der Klimawandel hätten die Bedeutung von Stadtgrün zusätzlich hervorgehoben. Angesichts steigender Temperaturen, zunehmender Starkregenereignisse und Stürme seien Freiflächen für eine grünblaue Infrastruktur essenziell, um eine Klimaanpassungsstrategie zu unterstützen und kritische Klimafolgen abzumildern. Dazu zähle auch die konsequente Förderung von Dach- und Fassadenbegrünung. Pollmann forderte, dass Gründächer bei Neubauten mit flachen Dächern zur Selbstverständlichkeit werden müssten. Er plädierte dafür, nicht nur zu fördern, sondern zu fordern. Die Kombination von Dachbegrünung und Photovoltaik müsse in naher Zukunft vom Senat für jedes neue Bauvorhaben verpflichtend beschlossen und in Schichthöhe sowie Vegetation klar definiert werden.

Leuchtturmprojekte für klimaresiliente Städte

Philipp Sattler von der Stiftung „Die grüne Stadt“ in Berlin sprach über Leuchtturmprojekte in deutschen Städten und bekräftigte die Notwendigkeit von mehr Grün an Dächern und Wänden im urbanen Raum. Er nannte Begriffe wie „grünblaue Infrastruktur“, „Schwammstadt“ und „Klimaresilienz“ als zentrale Herausforderungen, denen sich der Bereich Stadtgrün nach extremen Sommern und Unwettern gegenübersieht. Sattler forderte mehr Gebäudebegrünung, klimaresiliente Freiräume und eine wassersensible Stadtentwicklung.

Er betonte die Bedeutung konkreter Leuchtturmprojekte, um der Öffentlichkeit, Verwaltung und Politik die Notwendigkeit nachhaltiger Stadtentwicklung und die Kompetenz der grünen Branche zu verdeutlichen. Solche Projekte, die Gründächer und Fassadenbegrünung in den Fokus rücken, könnten diese zu einer Normalität werden lassen. Als Beispiele präsentierte Sattler die Callwer Passage in Stuttgart und den Bunker in Hamburg Sankt Pauli. Sein Fazit lautete: „Gebäude mit grüner Haut müssen bei Stadtumbau im Klimawandel Leitmotiv werden. Sie sind die nachhaltigste Klimaanlage!“

Grünes Stadtmanagement als Zukunftsmodell

Prof. Dr. habil. Hartmut Balder von der Berliner Hochschule für Technik widmete sich dem Thema „Grünes Stadtmanagement als Modell der Zukunft“. Er gab einen Überblick über die historische Entwicklung des urbanen Gartenbaus und skizzierte zentrale Zukunftsfragen der Stadtentwicklung. Dazu gehörten die Eindämmung des Flächenverbrauchs in Städten, die bedarfsgerechte Organisation von Stadtgrün für Menschen, Pflanzen und Tiere sowie die ganzheitliche Optimierung des urbanen Raums.

Balder hob hervor, dass es darum gehe, einheitliche Regelungen zu schaffen, Interessengruppen zusammenzuführen, Bedürfnisse und Ziele besser abzustimmen und innovative Betreibermodelle zu etablieren. Als Beispiel nannte er das Modell der Public Private Partnership (PPP), bei dem die Zusammenarbeit zwischen öffentlicher Hand und Privatwirtschaft vertraglich geregelt wird. Er präsentierte gelungene PPP-Beispiele für grüne Stadtentwicklung, wie am Kurfürstendamm in Berlin.

Mehr Biodiversität in öffentlichen Grünanlagen

Oliver Daxauer, Experte für biodiversitätsfördernde Lösungen in der Landschaftsgestaltung, schloss die Fachtagung ab. Er betonte, dass die naturnahe, ökologische Garten- und Landschaftsgestaltung zahlreiche praktische Ansätze biete, um Flächen ökologisch aufzuwerten und natürliche Lebensräume für diverse Tier- und Pflanzenarten zu schaffen. Daxauer erläuterte verschiedene Beispiele, darunter die Artenanreicherung vorhandener Grünflächen durch Wildstaudenpflanzungen und die Umwandlung von Rasenflächen in artenreiche Blumenwiesen durch Bodenbearbeitung.

Anhand der Gestaltung einer Unternehmensaußenanlage zeigte Daxauer, wie biologische und funktionale Vielfalt in Einklang gebracht werden können. Diese Anlage umfasste unter anderem einen Hummeltummelplatz in der Einfahrt, einen Parkplatz mit wasserdurchlässigem Substrat, Schatten und Nektartankstelle, eine „wilde Ecke“, einen Teich oder Bach für Niederschlagswasser mit Sitzgelegenheiten sowie eine Kulturlandschaft mit Hühnern, Schafen und Gemüseanbau.

Dr. Michael Marrett-Foßen, Geschäftsführer des FGL HH, zeigte sich zufrieden mit dem Verlauf der Veranstaltung. Er betonte die Bedeutung der GaLaBau-Fachtagung als feste Institution in Hamburg seit fast vier Jahrzehnten und äußerte sich erfreut über den erneuten Austausch der Experten nach zweijähriger Pause. Er zeigte sich überzeugt, dass die Teilnehmer wertvollen fachlichen Input mit nach Hause nehmen konnten.

14.02.2023

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