Die Grüne Stadt

Städte im Fokus: Grüne Infrastruktur für den Klimaschutz

Das Pariser Klimaabkommen fordert eine Begrenzung der globalen Erwärmung. Städte spielen eine zentrale Rolle bei der Umsetzung von Klimaschutzmaßnahmen. Grüne Infrastruktur bietet hierfür wirksame Instrumente zur Klimaregulierung und Anpassung an veränderte Bedingungen.

Hintergrund und globale Ziele des Klimaschutzes

Das am 12. Dezember 2015 von der UN-Versammlung beschlossene Klimaabkommen sieht eine Begrenzung der globalen Erwärmung auf deutlich unter zwei Grad Celsius, möglichst 1,5 Grad Celsius, vor. Dieses internationale Abkommen wurde als wichtiger Schritt zum Klimaschutz bewertet. Die 195 Teilnehmerstaaten sind aufgerufen, das Dokument zu ratifizieren und Maßnahmen zur Begrenzung der Erderwärmung einzuleiten.

Nach Prognosen des Zwischenstaatlichen Ausschusses über Klimaveränderung (IPCC) der Vereinten Nationen müssten die CO2-Emissionen bis 2050 um 40–70 Prozent unter das Niveau von 2010 gesenkt werden, um das Zwei-Grad-Ziel zu erreichen. Bis Ende des 21. Jahrhunderts wäre demnach eine Reduktion der CO2-Emissionen auf nahezu Null erforderlich.

Konkrete Maßnahmen und Herausforderungen

Das Pariser Klimaabkommen skizziert einen Weg zur Zielerreichung. Ab 2020 sollen die Staaten alle fünf Jahre neue, ambitionierte Klimaschutzpläne vorlegen. Das IPCC nennt als mögliche Strategien die vollständige Dekarbonisierung der Energieversorgung, eine Reduktion des Endenergieverbrauchs, den Wechsel zu kohlenstoffarmen Kraftstoffen, die Drosselung von Entwaldung, nachhaltige Landnutzung und veränderte Ernährungsgewohnheiten.

Sollte das Zwei-Grad-Ziel aufgrund verzögerter Klimaschutzmaßnahmen gefährdet sein, müsste der Atmosphäre Kohlenstoffdioxid entzogen werden. Dies könnte durch großräumige Aufforstung oder die Kombination von Bioenergie mit CO2-Abscheidung und -Speicherung geschehen. Letzteres ist jedoch mit unbekannten Risiken und Nebenwirkungen verbunden. Der Internationale Währungsfonds (IWF) empfahl im Januar 2016 unter anderem eine Steuer auf Treibhausgas-Emissionen und eine Reform des EU-Emissionshandels.

Die Rolle der Städte im Klimaschutz

Städten wird eine zentrale Rolle bei der Bewältigung der Klimaschutzaufgaben zugeschrieben. Obwohl Städte nur zwei Prozent der globalen Landfläche einnehmen, leben bereits über 50 Prozent der Weltbevölkerung in urbanen Gebieten. Prognosen gehen davon aus, dass bis 2050 zwei Drittel der Weltbevölkerung in Städten leben werden. Diese Konzentration von Menschen und Wohlstand in urbanen Zentren ist nicht nur wirtschaftlich bedeutsam, sondern birgt auch eine hohe Verantwortung.

Städte sind Orte des konzentrierten Verbrauchs von Energie, Gütern und Dienstleistungen, aber auch starker Luftbelastung durch Abgase und Aufheizung durch hohen Versiegelungsgrad. Sie werden zu entscheidenden Orten für die Klimaanpassung.

Wir Menschen sind für den Großteil des Klimawandels verantwortlich, wir müssen das Problem nun auch anpacken und lösen. Klimaschutz geht daher in zwei Richtungen: Erstens sind die Anstrengungen zur Begrenzung des Klimawandels weiter voranzutreiben und zweitens müssen wir uns mit unserer bebauten Umwelt auf sich ändernde Rahmenbedingungen einstellen. Schon jetzt nehmen zum Beispiel Starkregenereignisse nachweislich zu und stellen neue Herausforderungen an unsere Entwässerungssysteme. Zu erwarten sind auch Zunahmen der Extreme bei Wind und sommerlichen Hitzeperioden, denen unsere Gebäude standhalten müssen.

Dies betont Professor Dr. Martina Klärle, geschäftsführende Direktorin des Frankfurter Forschungsinstituts für Architektur, Bauingenieurwesen, Geomatik (FFin) an der Universität Frankfurt.

Grüne Infrastruktur als Klimaregulator

Freiräume, insbesondere Wasser- und Grünflächen, erfüllen in Städten eine wichtige Funktion zur Klimaregulierung. Sie gelten als wirksame Instrumente in der Stadtklimatologie. Bäume filtern Schadstoffe, befeuchten und kühlen die Stadtluft, liefern Sauerstoff und binden CO2. Grünflächen nehmen zudem Oberflächenwasser auf und entlasten die Kanalisation, die besonders bei Starkregen überfordert ist.

Die Leistungen des Grüns in den Städten gilt es in Zukunft stärker in kommunale Maßnahmen zum Klimaschutz und zur Klimaanpassung einzubringen. Wenn wir die Pariser Beschlüsse der UN-Klimakonferenz umsetzen wollen, brauchen wir starke Grünflächenämter und einen Ausbau der grünen Infrastruktur in den Städten und Gemeinden.

Dies erklärt Hanns-Jürgen Redeker, Vorsitzender des Kuratoriums der Stiftung DIE GRÜNE STADT.

25.01.2016

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