Vielfalt urbaner Landwirtschaftsprojekte weltweit
Die International Urban Farming Conference, veranstaltet von der GRÜNEN LIGA Berlin am 11. und 12. September in Berlin, beleuchtet die Vielfalt internationaler Projekte im Bereich der urbanen Landwirtschaft. Ziel der Konferenz ist es, Akteure, Organisationen und Kommunen zu vernetzen und politische Rahmenbedingungen zu diskutieren. Anmeldungen sind bis zum 28. August online möglich.
Die mehr als 70 Referentinnen und Referenten werden mit der Präsentation ihrer Projekte zeigen, dass städtische Landwirtschaft kein vorübergehender hipper Trend ist, sondern schon jetzt die Existenz vieler Stadtgärtner und -bauern sichert und einen wichtigen Beitrag für eine gute Lebensqualität liefert.
Dies betont Karen Thormeyer, Geschäftsführerin der GRÜNEN LIGA Berlin.
Bis zum Jahr 2050 wird erwartet, dass etwa zehn Milliarden Menschen auf der Erde leben werden, davon zwei Drittel in Städten. Urbane und peri-urbane Landwirtschaft gewinnen daher als Baustein für die nachhaltige Sicherung der Welternährung an Bedeutung. Diese gehört zu den Herausforderungen des 21. Jahrhunderts. Gleichzeitig stellt sich die Frage nach der Lebensqualität in wachsenden Städten und der Gestaltung eines sozialen Miteinanders.
Zahlreiche Projekte aus Wissenschaft und Praxis zeigen Lösungsansätze für diese Herausforderungen auf. Die auf der Konferenz vorgestellten Beispiele stammen von fünf Kontinenten: Europa, Afrika, Asien, Nordamerika und Südamerika.
- Die Nichtregierungsorganisation AS-PTA in Brasilien, unterstützt von MISEREOR, engagiert sich in Rio de Janeiro für urbane Landwirtschaft. Rund 200 agrarökologische Projekte verbinden Stadtbewohner und Bauern, wodurch lokale Ernährungssysteme entstehen. Der Anbau erfolgt auf freien Flächen in Rio oder an den Stadträndern.
- Alessa Heuser, Ernährungsexpertin bei MISEREOR, erklärt die Unterstützung:
MISEREOR unterstützt AS-PTA, denn urbane Landwirtschaft spielt eine wichtige Rolle in der Armutsbekämpfung. Arme Familien in Rio können sich durch den Obst- und Gemüseanbau selbst versorgen und ein Zusatzeinkommen erwirtschaften. Durch den Verkauf an Schulen oder Kantinen profitiert dann die gesamte Gemeinschaft. Die Bauern haben feste Abnehmer für ihre Nahrungsmittel und die Schülerinnen und Schüler erhalten frische, gesunde, fair und umweltfreundlich erzeugte Nahrungsmittel.
- Die Gesundheitsbehörde Toronto startete bereits 2010 die Toronto Food Strategy, ein Programm, das auf die Zusammenarbeit von kommunaler Regierung und Zivilgesellschaft setzt, um urbane Landwirtschaft zu fördern.
- Ein Team der TU Berlin forscht in einem Deutsch-Marokkanischen Projekt in Casablanca über urbane Landwirtschaft als integrierenden Faktor für klimagerechtes städtisches Wachstum.
- Das ungarische Architektur- und Kulturzentrum KÉK betreibt fünf Gärten, um Praktiken zur Erforschung des urbanen Raumes zu erproben und zu einem nachhaltigen und lebenswerten städtischen Umfeld beizutragen.
- Das Aktivistennetzwerk 15th Garden setzt sich in Syrien und in Flüchtlingscamps im Libanon für die Ernährungssouveränität der Zivilbevölkerung ein. Sie bieten Beratung an, verteilen Setzlinge und gründeten eine Schulfarm für Jugendliche.
Die International Urban Farming Conference findet am 11. und 12. September 2017 in der Heinrich-Böll-Stiftung, Schumannstr. 8, Berlin, statt. Veranstalter ist die GRÜNE LIGA Berlin. Anmeldungen sind online noch bis zum 28. August möglich.
