Herausforderungen der Urbanisierung und Lösungsansätze
Die Urbanisierung schreitet europaweit voran, mit Prognosen, die bis 2050 einen Bevölkerungsanteil von über 70 Prozent in Ballungsräumen vorhersagen. Dieser Trend stellt Stadtplaner, Architekten und die Baubranche vor Herausforderungen. Es gilt, ausreichend Wohn- und Arbeitsraum zu schaffen, den Anforderungen des Klimawandels gerecht zu werden und die Lebensqualität der Bewohner zu sichern.
Die Aufgaben sind vielfältig: Sie umfassen die Reduzierung des Energieverbrauchs von Gebäuden, den Einsatz nachhaltiger Baustoffe, die Entwicklung neuer Mobilitätskonzepte sowie die Verringerung von Luftverschmutzung und Lärmbelästigung. Seit dem UN-Klimaschutzabkommen in Paris ist zudem die Rolle der Städte als Hauptverursacher von Treibhausgasen stärker in den Fokus gerückt.
Renaissance der Gebäudebegrünung
Im Wohnungsbau ist bundesweit eine Zunahme von Dach- und Fassadenbegrünungen zu beobachten. Dies wird durch neue Konzepte und Techniken sowie durch kommunale Förderprogramme unterstützt. Der Fokus liegt dabei nicht nur auf der Begrünung einzelner Gebäude, sondern auf der Schaffung einer grüneren Stadtlandschaft.
Die Sehnsucht, im Einklang mit der Natur zu leben, ist heute nicht mehr romantisch motiviert, sondern erklärter Wille breiter Bevölkerungsschichten und für die Bauwelt nurmehr eine technische Herausforderung.
Empirische Studien belegen die positiven Effekte von Fassadenbegrünungen auf das Innenraumklima, wie Kühlung im Sommer und Isolation im Winter. Weitere Vorteile sind die CO2-Speicherung, Wasserverdunstung und Lärmdämmung.
Wenn wir uns mit Pflanzen versöhnen, können sie uns bei unseren Energieproblemen sehr helfen. Man muss sie nur frühzeitig einplanen.
Ein Ansatz zur Nachverdichtung in wachsenden Städten ist die Aufstockung bestehender Gebäude. Hierbei kann durch Dachbegrünung auf den neu geschaffenen Wohnflächen zusätzliches Grün entstehen. Eine intelligente Bauwerksbegrünung kann so dazu beitragen, mehr Grünfläche zu schaffen, als durch die Bebauung verloren geht.
Integrierte Stadtentwicklung als Notwendigkeit
Das Thema „Architektur und Grün wachsen zusammen“ war Gegenstand einer Diskussionsveranstaltung des Bundesverbandes Garten- und Landschaftsbau e.V. (BGL) im Deutschen Architekturmuseum (DAM) in Frankfurt. Angesichts der wachsenden Städte und des Drucks auf innerstädtische Freiflächen ist eine Integration von Grün- und Stadtplanung unerlässlich.
Stadtentwicklung kann nur als integrierte Gesamtplanung funktionieren, die dann bis zum einzelnen Bauprojekt wirkt. Es geht nicht nur um Energieeffizienz der Gebäude, sondern auch um die Minimierung der versiegelten Fläche, das Wassermanagement und die Freiraumgestaltung.
Zukünftig sei es wichtig, mehr Vielfalt in den Städten zu kultivieren und unterschiedliche öffentliche Grünanlagen anzubieten, so Dr. Annette Becker, Kuratorin im DAM. Eiko Leitsch, Vizepräsident des BGL, plädiert für ein Umdenken in der Stadt- und Landschaftsplanung, bei dem die Grüne Infrastruktur zuerst gesichert wird, bevor die Bauplanung ansetzt.
Im Großraum Frankfurt besteht eine Planungskultur, um die uns viele Kommunen in Deutschland beneiden. Es gilt, die verschiedenen Disziplinen zu einer Gesamtbetrachtung zusammen zu bringen, um die Herausforderungen zukünftiger Stadtentwicklung zu bewältigen. Dabei hat das Grün an und um Gebäude wie auch im öffentlichen Raum der Städte eine bedeutende Rolle.
