Grün als Schlüssel für lebendige und lebenswerte Städte
Die Urbanisierung schreitet weiter voran. Städte gelten als attraktiv, weil sie kurze Wege zu Arbeit, Freizeit, Bildung und medizinischer Versorgung bieten. Gleichzeitig wächst das Bewusstsein für ökologische Zusammenhänge: Das Leben in verdichteten Räumen gilt als ressourcenschonender, Carsharing ersetzt zunehmend das eigene Auto, und eine bessere CO2-Bilanz wird zum Standortfaktor.
Mit der steigenden Nachfrage nach urbanem Wohnraum nimmt jedoch der Druck auf Freiräume zu. Besonders in wachsenden Metropolregionen werden Konzepte zur Nachverdichtung umgesetzt, Gebäude aufgestockt und Baulücken geschlossen. Dennoch steigen die Wohnpreise weiter, während Stadtraum insgesamt knapper wird.
Nachverdichtung und wachsendes Grünbedürfnis
Vor diesem Hintergrund gewinnt die Integration von Grünstrukturen in die Architektur zunehmend an Bedeutung. Unter dem Titel „Architektur und Grün wachsen zusammen“ diskutierten Architekten, Landschafts- und Städteplaner, Gebäudebegrüner sowie Praktiker im Frankfurter Architekturmuseum über Strategien für eine zukunftsfähige Stadtentwicklung.
Im Mittelpunkt stand die Frage, wie Kommunen den Spagat zwischen baulicher Verdichtung und dem steigenden Bedürfnis nach wohnungsnahem Grün meistern können. Die Bauwerksbegrünung erfährt dabei eine wachsende Bedeutung. Neue Techniken und Verfahren zur Dach- und Fassadenbegrünung ermöglichen es, Vegetation direkt in Gebäudehüllen zu integrieren und so zusätzliche Grünflächen zu schaffen.
Offene Bauweisen tragen zudem dazu bei, Grün im Wohnumfeld sichtbar und erlebbar zu machen. Die Verbindung von Innen- und Außenraum wird damit zu einem planerischen Leitmotiv.
„Die Aufgaben des Garten- und Landschaftsbaus liegen immer öfter in Projekten zur Wohnumfeldverbesserung und Revitalisierung von Siedlungen oder in der Modernisierung von Spiel- und Freizeitanlagen.“
Öffentlicher Raum gewinnt an Bedeutung
Die Dynamik im Wohnungsbau unterstreicht den Handlungsbedarf. In den ersten neun Monaten des Jahres 2016 wurden 276.300 Wohnungen genehmigt – nahezu ein Viertel mehr als im Vorjahreszeitraum und der höchste Stand seit 16 Jahren. Besonders stark wuchs die Zahl der Neubauwohnungen in Mehrfamilienhäusern mit einem Plus von 27,5 Prozent auf knapp 124.000 Einheiten.
Mit steigenden Wohnpreisen nimmt die Nachfrage nach kleineren Wohnungen zu. Damit schrumpft der private Rückzugsraum, während die Erwartungen an qualitätsvolle öffentliche Freiräume steigen. Plätze, Parks und Gemeinschaftsgärten werden stärker genutzt und übernehmen Funktionen, die früher dem privaten Garten vorbehalten waren.
Für den Garten- & Landschaftsbau ergeben sich daraus neue Aufgabenfelder. Wohnumfeldverbesserung, Revitalisierung bestehender Quartiere sowie die Modernisierung von Spiel- und Freizeitanlagen rücken stärker in den Fokus. Gleichzeitig sind Kommunen gefordert, Grünflächen nicht als Restflächen zu betrachten, sondern als integralen Bestandteil der Stadtentwicklung.
Lebendiges Grün steigert nicht nur die Aufenthaltsqualität, sondern wirkt sich positiv auf Klima, Biodiversität und soziale Interaktion aus. Damit wird deutlich: Die Zukunft wachsender Städte entscheidet sich maßgeblich daran, wie konsequent Architektur und Freiraumplanung zusammengedacht werden.

