Investitionen steigen in vielen europäischen Agrarbetrieben, Frankreich bildet die Ausnahme
Die Investitionsbereitschaft in der europäischen Landwirtschaft bleibt auf einem hohen Niveau. Während Landwirte in Deutschland, Großbritannien und Polen ihre Investitionspläne ausweiten oder auf einem hohen Niveau halten, geht die Investitionsneigung in Frankreich im Vergleich zum Herbst 2013 zurück. Das zeigen die Ergebnisse des DLG-Trendmonitors Europa aus dem Frühjahr 2014.
In Deutschland beurteilen die befragten Betriebsleiter ihre aktuelle Geschäftslage positiv und erwarten auch für die kommenden zwölf Monate eine günstige Entwicklung. Die Investitionsneigung stieg gegenüber dem Herbst 2013 um sechs Prozentpunkte auf 58 Prozent und erreichte damit wieder den Höchstwert der Frühjahrsbefragung aus dem Jahr 2007.
Deutschland profitiert von besseren Marktbedingungen
Nach Angaben der DLG wird die positive Entwicklung unter anderem durch ein verbessertes Preisniveau für Getreide und Ölsaaten getragen, das auf umfangreiche Getreideexporte zurückzuführen ist. Gleichzeitig entwickelten sich die Preise für Düngemittel moderat. Tierhaltende Betriebe profitieren zudem von hohen Milchpreisen und gesunkenen Kosten für Futtergetreide.
„Die Investitionsneigung der deutschen Zukunftslandwirte hat um sechs Prozentpunkte gegenüber dem Herbst 2013 auf jetzt 58 Prozentpunkte zugelegt und damit den Höchstwert der Frühjahrsbefragung 2007 wieder erreicht“, erklärte der Fachgebietsleiter Ökonomie bei der DLG, Dr. Achim Schaffner.
Zusätzlich fördern verbesserte Kreditmöglichkeiten mit günstigen Finanzierungsbedingungen die Investitionstätigkeit. Im Mittelpunkt stehen Maßnahmen zur Steigerung der Produktions- und Arbeitsproduktivität. Hohe Flächenkosten sowie der zunehmende Mangel an Arbeitskräften lenken die Investitionen vor allem auf eine effizientere Bewirtschaftung.
Positive Geschäftserwartungen in Deutschland, Großbritannien und Polen
Die befragten Betriebsleiter in Deutschland, Frankreich, Großbritannien und Polen bewerten ihre aktuelle Geschäftslage insgesamt positiv. Unterschiede zeigen sich jedoch bei den Erwartungen für die kommenden zwölf Monate. Während Landwirte in Deutschland, Großbritannien und Polen optimistisch bleiben, überwiegt in Frankreich eine pessimistische Einschätzung.
In Deutschland zeigen sich insbesondere Milchviehhalter zuversichtlich. Marktfruchtbetriebe und Schweinehalter beurteilen die Entwicklung etwas zurückhaltender als im Herbst 2013, bleiben insgesamt jedoch positiv gestimmt.
Polen bleibt auf Expansionskurs
Polnische Betriebe erzielten 2013 überdurchschnittliche Betriebsergebnisse. Rund jeder zweite befragte Landwirt plant Investitionen innerhalb der kommenden zwölf Monate. Die Investitionsbereitschaft bewegt sich damit seit fünf Jahren auf einem konstant hohen Niveau.
Sowohl Marktfruchtbetriebe als auch Milchvieh- und Schweinehalter verfolgen vor allem das Ziel, ihre bestehenden Betriebszweige auszubauen. Die Erweiterung der Produktionskapazitäten steht dabei im Mittelpunkt.
Großbritannien holt auf
Nach dem schwierigen Erntejahr 2012 hat sich die wirtschaftliche Situation britischer Betriebe im Jahr 2013 spürbar verbessert. Die Investitionsbereitschaft stieg gegenüber der Herbstbefragung deutlich von 31 auf 45 Prozent.
Geplant sind Investitionen in den Ackerbau sowie in die Milchvieh- und Schweinehaltung. Neben Ersatzinvestitionen sollen verschobene Vorhaben nachgeholt und bestehende Betriebszweige erweitert werden.
Frankreich wird von agrarpolitischen Diskussionen gebremst
Französische Landwirte bewerten ihre aktuelle wirtschaftliche Situation zwar als stabil, blicken jedoch deutlich skeptischer auf die weitere Entwicklung. Die Diskussionen um die Ausgestaltung der Agrarpolitik und die Umverteilung der Direktzahlungen überlagern die insgesamt günstige Lage auf den Agrarmärkten.
Hinzu kommen anhaltende Strukturprobleme in der Tierhaltung, die unter anderem zu einem weiteren Rückgang der Schweinebestände führen. Die Investitionsbereitschaft sank von 28 auf 24 Prozent. Besonders betroffen sind Ackerbau und Schweinehaltung, während sich bei der Milchviehhaltung eine leichte Erholung abzeichnet.
Bioenergie gewinnt wieder an Bedeutung
Bei den Investitionsschwerpunkten zeichnet sich eine Verschiebung ab. Neben Vorhaben im Ackerbau und in der Tierhaltung rückt die Bioenergie in Deutschland, Frankreich und Großbritannien wieder stärker in den Fokus. In Deutschland stieg der entsprechende Anteil von sieben auf zwölf Prozent.
Geplant sind Investitionen in Biogasanlagen, Photovoltaik und Heizsysteme auf Biomassebasis. Besonders Schweinehalter als Eigenverbraucher wollen aufgrund der damaligen Regelungen zur EEG-Umlage verstärkt in Photovoltaik investieren. Schweine- und Milchviehhalter planen darüber hinaus wieder häufiger Investitionen in Biogasanlagen zur Verwertung anfallender Gülle. In Großbritannien und Frankreich konzentrieren sich die Bioenergie-Investitionen vor allem auf Photovoltaikanlagen.
Trendmonitor liefert europaweiten Marktüberblick
Mit dem DLG-Trendmonitor Europa erhebt die DLG zweimal jährlich die Stimmung, Geschäftserwartungen und Investitionsbereitschaft führender landwirtschaftlicher Betriebe in Europa. Die durchschnittliche Betriebsgröße der befragten Landwirte beträgt in Deutschland 244 Hektar. Die Betriebe halten im Mittel 162 Kühe und 1.200 Mastschweine. In Großbritannien liegen die Durchschnittswerte bei 312 Hektar, 237 Kühen und 2.000 Mastschweinen, in Frankreich bei 155 Hektar, 62 Kühen und 1.125 Mastschweinen sowie in Polen bei 187 Hektar, 65 Milchkühen und 660 Mastschweinen.
