Erträge und Anbau von Emmer im Vergleich zu Dinkel
Dr. Friedrich Longin hat in einem Feldversuch Vorurteile gegenüber Emmer widerlegt. Dazu wurden über 40 Emmersorten an sieben Standorten angebaut, davon vier nach Biolandbau-Richtlinien und drei nach konventionellen, extensiven Methoden.
- Vergleichbarer Ertrag: Zwei Emmersorten, RAMSES und HEUHOLZER KOLBEN, lieferten Erträge, die mit dem Klassiker unter den Dinkelsorten, Oberkulmer Rotkorn, vergleichbar waren. Der Durchschnittsertrag aller getesteten Emmersorten lag bei 42 dt pro Hektar, wobei Spitzensorten über 55 dt pro Hektar erreichten.
- Vergleichbarer Anbau: Die Anbauanforderungen von Emmer ähneln denen der Dinkelsorte Oberkulmer Rotkorn. Beide Getreidearten zeichnen sich durch einen hohen Wuchs von etwa 140 cm aus.
Oberste Priorität im Emmeranbau ist die Erhaltung der Standfestigkeit, etwa durch geringe Düngung, späteren Fruchtfolgeplatz, Nutzen von Halmverkürzern und andere Maßnahmen.
- Vergleichbare Krankheitsanfälligkeit: Die Anfälligkeit von Emmer für Krankheiten ist ähnlich wie die von Dinkel. Im Versuch traten Blattflecken auf, und aus längerer Erfahrung sind Anfälligkeiten gegenüber Mehltau und Braunrost bekannt.
Dr. Longin resümiert, dass der Anbau von Emmer erfolgreich sein kann, wenn er analog zur Dinkelsorte Oberkulmer Rotkorn erfolgt.
Zuchtpotenzial und Herausforderungen des Emmers
Das Zuchtpotenzial von Emmer ist noch nicht ausgeschöpft. Die im Versuch getesteten Sorten basieren auf historischen Körnern und zeigen entweder kurze, ertragsschwache oder lange, ertragsstarke Eigenschaften. Eine ideale Kombination aus kurzen Halmen und hohem Ertrag ist noch nicht erreicht. Die Versuche deuten auf ein hohes Potenzial für neue Kreuzungen hin. Auch die kurzen Sorten erreichen eine Halmlänge von 120 cm, weshalb weiterhin nach noch kürzeren Emmerherkünften gesucht wird.
Trotz des wachsenden Interesses der Verbraucher bestehen bei Landwirten, Müllern und Lebensmittelproduzenten noch Vorurteile gegenüber Emmer. Ein Grund dafür ist die Schwierigkeit, qualitativ hochwertiges Saatgut zu beziehen. Oft handelt es sich um Mischungen verschiedener Sorten, die nicht von Saatgutprofis ausgewählt und produziert wurden. Dies kann zu einer zweifelhaften Verarbeitungsqualität führen und die Akzeptanz von Emmer beeinträchtigen.
Emmer als Alternative für Brot und Nudeln
Neben den Feldversuchen werden derzeit Untersuchungen zur Backqualität und zum Backverhalten von Emmer durchgeführt. Erste Empfehlungen für die Verarbeitung liegen jedoch bereits vor. Dinkel benötigt eine geringere Teigtemperatur, und der Teig sollte nicht geknetet, sondern nur gemischt werden. Der Einsatz von Ascorbinsäure oder Acerolakirschsaftpulver kann ebenfalls hilfreich sein. Mischbrote mit Roggen oder Dinkel sind in der Regel gut umsetzbar. Aufgrund seiner Verwandtschaft zu Hartweizen sind Emmerkörner oft härter und glasiger, was sie zu einer attraktiven Alternative für die Nudelindustrie macht.
Dr. Longin ist überzeugt, dass Emmer das Potenzial hat, von einem Liebhaberobjekt zu einer echten Marktalternative zu werden. Eine enge Zusammenarbeit zwischen Fachleuten aus Landwirtschaft, Müllerei und Verarbeitung, insbesondere im Bereich Dinkel, könnte den Einstieg erleichtern.
Informationsangebote zu Emmer
Für Interessierte bieten Dr. Longin und sein Team verschiedene Informations- und Beteiligungsmöglichkeiten:
- Eine Internetplattform im sozialen Netzwerk Xing ermöglicht den kostenfreien Austausch über Emmer, Einkorn und Dinkel.
- Eine Kurzzusammenfassung des Feldversuchs ist auf der Homepage der Landessaatzuchtanstalt verfügbar.
- Ein Informationstag am 8. Juli in Stuttgart-Hohenheim bietet praktische Informationen durch Vorträge, Feldführungen und Produktvorstellungen.
