Expertenmeinungen zur aktuellen Wirtschaftslage
Trotz drohendem Brexit, anhaltender EU-Krise und einer weiter nur schwer einzuschätzenden US-Administration läuft der deutsche Konjunktur-Motor rund. Die Industrie ist weiter intakt. Das beweisen die aktuellen EMI-Daten. Besonders erfreulich sind die beschleunigten Zuwächse bei Produktion, Auftragseingang, Exportneugeschäft und Einkaufsmenge.
Dies betonte Dr. Silvius Grobosch, Mitglied des geschäftsführenden Bundesvorstandes des Bundesverbandes Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik e.V. (BME).
Laut EMI läuft es richtig rund in der deutschen Industrie, von säkularer Stagnation kann keine Rede sein. Es stellt sich vielmehr die Frage, ob die stark gestiegenen Einkaufspreise nur auf einen Basiseffekt zurückzuführen oder vielmehr der Indikator für eine dauerhaft anziehende Inflation sind.
So äußerte sich Dr. Gertrud R. Traud, Chefvolkswirtin der Helaba Landesbank Hessen-Thüringen. Sie ergänzte, dass von deflationären Tendenzen nicht mehr die Rede sein könne. Die Europäische Zentralbank (EZB) sollte daher den Ausstieg aus der expansiven Geldpolitik vorbereiten.
kristallisiert sich langsam heraus, dass die politischen Bedrohungen der deutschen Konjunktur durch die neue US-Administration beherrschbar sind. Wenn sich uns jetzt nicht in Europa ein politischer Eisberg entgegenstellt, dann läuft die Konjunktur in diesem Jahr sehr solide und stetig weiter.
Dies erklärte Dr. Ulrich Kater, Chefvolkswirt der DekaBank.
Das Jahr startet wirtschaftlich höchst erfreulich. Die aktuellen politischen Risiken schlagen sich bisher nicht in den Geschäften der deutschen Industrie nieder.
Kommentierte DIHK-Konjunkturexperte Dr. Dirk Schlotböller die EMI-Daten. Die Nachfrage im Inland bleibe hoch und das Exportgeschäft ziehe an. Dies deute auf eine Erholung des Welthandels hin, trotz Unsicherheiten bezüglich der US-Wirtschaftspolitik und des Brexits. Steigende Energie- und Rohstoffpreise seien zwar eine Folge der stärkeren Weltkonjunktur, höhere Materialkosten ließen sich in einem besseren konjunkturellen Umfeld jedoch leichter weitergeben. Schlotböller rechnet für das laufende Jahr mit einem Wachstum von 1,6 Prozent.
Jahresausblick und Index-Hintergrund
Die Geschäftsaussichten für die nächsten zwölf Monate fielen zwar nicht mehr so optimistisch aus wie im Januar, dem Drei-Jahreshoch, der Index notiert jedoch weiterhin auf dem zweithöchsten Wert seit Anfang 2014. Zur positiven Entwicklung trugen die Einführung neuer Produkte, die Erschließung neuer Märkte und der allgemeine Konjunkturaufschwung bei.
Der Markit/BME Einkaufsmanager Index (EMI) bietet einen Überblick über die konjunkturelle Lage der deutschen Industrie. Er wird seit 1996 unter der Schirmherrschaft des Bundesverbandes Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik e.V. (BME) veröffentlicht. Erstellt wird der Index von IHS Markit und basiert auf einer Befragung von 500 Einkaufsleitern und Geschäftsführern der verarbeitenden Industrie in Deutschland, die repräsentativ nach Branche, Größe und Region ausgewählt werden. Der EMI orientiert sich am Vorbild des US-Purchasing Manager´s Index (Markit U.S.-PMI).
