Konjunkturelle Entwicklung und Inflationsaussichten
Der konjunkturelle Rückschlag im Winterhalbjahr 2022/2023 dürfte glimpflicher ausgefallen sein als im Herbst befürchtet. Maßgeblich ist ein geringerer Kaufkraftentzug infolge deutlich rückläufiger Energiepreise.
Trotz dieser Entwicklung wird die Inflationsrate voraussichtlich nur langsam sinken. Von 6,9 Prozent im vergangenen Jahr wird sie in diesem Jahr bei 6,0 Prozent erwartet. Staatliche Entlastungsmaßnahmen und prognostizierte Lohnsteigerungen stützen die Binnennachfrage und halten den inländischen Preisauftrieb hoch. Erst im kommenden Jahr wird ein Nachlassen des Inflationsdrucks erwartet, wodurch die Inflationsrate spürbar auf 2,4 Prozent zurückgehen könnte. Das Bruttoinlandsprodukt könnte dann wieder kräftiger um 1,5 Prozent zulegen.
Arbeitsmarkt und Staatsfinanzen im Detail
Der Arbeitsmarkt zeigt positive Tendenzen: Die Zahl der Erwerbstätigen wird voraussichtlich von 45,6 Millionen im Jahr 2022 auf 45,9 Millionen im Jahr 2023 und 46,0 Millionen im Jahr 2024 steigen. Die Arbeitslosenzahl wird in diesem Jahr vorübergehend von 2,42 auf 2,48 Millionen ansteigen, was auf die Integration ukrainischer Flüchtlinge zurückgeführt wird. Im kommenden Jahr wird jedoch ein Rückgang der Arbeitslosigkeit auf 2,41 Millionen Personen erwartet.
Das Finanzierungsdefizit des Staates wird im laufenden Jahr nur geringfügig auf 2,2 Prozent des nominalen Bruttoinlandsprodukts reduziert, da die Finanzpolitik zunächst expansiv ausgerichtet bleibt. Eine deutliche Straffung des Kurses und ein Rückgang des Defizits auf 0,9 Prozent werden erst im kommenden Jahr erwartet. Ein Großteil der Terms-of-Trade-Verluste aus dem Vorjahr, die den gesamtwirtschaftlichen Kaufkraftverlust durch verteuerte Energieimporte widerspiegeln, soll bis Ende 2024 wieder aufgeholt werden. Infolgedessen steigt der Leistungsbilanzsaldo wieder auf 6,0 Prozent der Wirtschaftsleistung, nachdem er im vergangenen Jahr vorübergehend auf 3,8 Prozent gesunken war.
