Inflationsentwicklung und ihre Treiber
Die Inflationsrate in Deutschland, gemessen als Veränderung des Verbraucherpreisindex (VPI) gegenüber dem Vorjahresmonat, erreichte im Juni 2023 einen Wert von 6,4 Prozent. Im Vormonat Mai 2023 lag dieser Wert noch bei 6,1 Prozent.
Die Inflationsrate hat sich damit wieder etwas verstärkt, nachdem sie sich zuvor drei Monate in Folge abgeschwächt hatte. Die Nahrungsmittel sind nach wie vor der stärkste Preistreiber. Zudem ergibt sich durch die Entlastungsmaßnahmen der Bundesregierung aus dem Jahr 2022 – 9-Euro-Ticket und Tankrabatt – ein Basiseffekt, der die aktuelle Inflationsrate erhöht.
Gegenüber dem Vormonat Mai 2023 stiegen die Verbraucherpreise im Juni 2023 um 0,3 Prozent.
Entwicklung der Energiepreise
Die Preise für Energieprodukte lagen im Juni 2023 um 3,0 Prozent über dem Niveau des Vorjahresmonats, nach 2,6 Prozent im Mai 2023. Der unterdurchschnittliche Preisauftrieb bei Energie seit März 2023 ist maßgeblich auf einen Basiseffekt aus dem Vorjahr zurückzuführen. Damals kam es infolge des russischen Angriffs auf die Ukraine zu erheblichen Preisanstiegen.
Die aktuelle Preisentwicklung bei Energie wird zudem durch weitere Faktoren beeinflusst, darunter die rückläufige Preisentwicklung auf vorgelagerten Wirtschaftsstufen. Auch Maßnahmen des dritten Entlastungspakets der Bundesregierung, wie die Preisbremsen für Strom, Erdgas und Fernwärme, trugen zur Energiepreisentwicklung bei.
Von Juni 2022 bis Juni 2023 verteuerten sich feste Brennstoffe um 26,6 Prozent und Erdgas um 20,8 Prozent. Überdurchschnittliche Preisanstiege gab es auch bei Strom (+10,5 Prozent) und Fernwärme (+9,3 Prozent). Im Gegensatz dazu verbilligten sich Mineralölprodukte deutlich um 12,8 Prozent, insbesondere leichtes Heizöl (-36,5 Prozent). Auch Kraftstoffe waren trotz des Tankrabatts im Vorjahr um 10,4 Prozent günstiger als vor einem Jahr.
Nahrungsmittel als Preistreiber
Die Preise für Nahrungsmittel stiegen im Juni 2023 um 13,7 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat, nach 14,9 Prozent im Mai 2023. Damit bleiben Nahrungsmittel der stärkste Preistreiber unter den Güterbereichen. Fast alle Nahrungsmittelgruppen waren weiterhin teurer als im Vorjahr. Besonders betroffen waren Molkereiprodukte (+22,3 Prozent) sowie Zucker, Marmelade, Honig und andere Süßwaren (+19,4 Prozent).
Ebenfalls merklich teurer wurden Gemüse (+18,8 Prozent), Fisch, Fischwaren und Meeresfrüchte (+18,5 Prozent) sowie Brot und Getreideerzeugnisse (+18,3 Prozent). Eine Ausnahme bildeten Speisefette und Speiseöle, die um 12,1 Prozent günstiger waren als ein Jahr zuvor.
Inflationsrate ohne Energie und Nahrungsmittel
Die Inflationsrate ohne Berücksichtigung von Energie lag im Juni 2023 bei 6,7 Prozent. Ohne Energie und Nahrungsmittel betrug die Inflationsrate 5,8 Prozent. Dieser Wert verdeutlicht, wie stark die Nahrungsmittelpreise die Gesamtteuerung prägen. Gleichzeitig zeigt die sogenannte Kerninflation, dass auch in anderen Güterbereichen die Teuerung weiterhin hoch ist.
Im Mai 2023 lag der Verbraucherpreisindex ohne Nahrungsmittel und Energie bei 5,4 Prozent, was eine Verstärkung der Kerninflation im Juni 2023 bedeutet. Im April und März 2023 hatte dieser Wert ebenfalls 5,8 Prozent betragen.
Waren und Dienstleistungen
Die Preise für Waren insgesamt erhöhten sich im Juni 2023 gegenüber dem Vorjahresmonat um 7,3 Prozent. Verbrauchsgüter verteuerten sich mit 8,8 Prozent besonders stark, primär aufgrund des Preisanstiegs bei Nahrungsmitteln und alkoholfreien Getränken (+13,4 Prozent). Die Preise für Gebrauchsgüter lagen 5,2 Prozent höher als im Juni 2022.
Die Preise für Dienstleistungen insgesamt lagen im Juni 2023 um 5,3 Prozent über dem Niveau des Vorjahresmonats. Die Nettokaltmieten wirkten mit einem Anstieg von 2,0 Prozent preisdämpfend. Auch die Einführung des Deutschlandtickets seit Mai 2023 hatte einen leicht dämpfenden Effekt auf die Preisentwicklung.
Demgegenüber steht ab Juni 2023 ein erhöhender Basiseffekt infolge des von Juni bis August 2022 gültigen 9-Euro-Tickets. Dies führte dazu, dass Bahntickets im Nahverkehr im Juni 2023 trotz des Deutschlandtickets um 65,2 Prozent teurer waren (Mai 2023: +0,6 Prozent). Kombinierte Tickets für Bahn, Bus und Ähnliches verteuerten sich gegenüber Juni 2022 um mehr als das Doppelte (+112,8 Prozent; Mai 2023: -22,9 Prozent).
Zudem stiegen die Preise für weitere Dienstleistungen deutlich an, darunter die Instandhaltung und Reparatur von Wohnungen (+15,7 Prozent), Dienstleistungen sozialer Einrichtungen (+11,0 Prozent) sowie Dienstleistungen in Gaststätten (+8,4 Prozent).
Preisentwicklung im Monatsvergleich
Im Vergleich zum Mai 2023 stieg der Verbraucherpreisindex im Juni 2023 um 0,3 Prozent. Teurer wurden insbesondere Pauschalreisen (+6,1 Prozent) und Übernachtungen (+1,7 Prozent). Die Preise für Nahrungsmittel gaben im Vergleich zum Vormonat leicht nach (-0,2 Prozent), insbesondere bei frischem Gemüse (-3,7 Prozent) und Molkereiprodukten (-1,8 Prozent). Die Energiepreise sanken insgesamt um 0,2 Prozent, wobei Strom (-1,1 Prozent) und Erdgas (-1,0 Prozent) günstiger waren als im Vormonat.
