Auswirkungen der Mehrwertsteuersenkung auf die Preisentwicklung
Die Inflationsrate in Deutschland erreichte im September 2020 einen Wert von -0,2 Prozent, gemessen an der Veränderung des Verbraucherpreisindex (VPI) gegenüber dem Vorjahresmonat. Dies ist das zweite Mal in diesem Jahr, dass die Inflationsrate unter null liegt, nachdem sie im Juli 2020 bei -0,1 Prozent verzeichnet wurde. Eine niedrigere Rate wurde zuletzt im Januar 2015 mit -0,3 Prozent registriert. Im Vergleich zum Vormonat August 2020 sanken die Verbraucherpreise ebenfalls um 0,2 Prozent.
Warenpreise sinken, Energieprodukte verbilligen sich stark
Im Zeitraum von September 2019 bis September 2020 verbilligten sich Waren insgesamt um 1,7 Prozent. Dies ist hauptsächlich auf den Preisrückgang bei Energieprodukten zurückzuführen, der sich auf -7,1 Prozent verstärkte (August 2020: -6,3 Prozent). Insbesondere Heizöl (-39,6 Prozent) und Kraftstoffe (-11,4 Prozent) verzeichneten deutliche Preisrückgänge.
Demgegenüber stiegen die Preise für Nahrungsmittel binnen Jahresfrist um 0,6 Prozent. Hier waren vor allem Obst (+4,3 Prozent) sowie Fleisch und Fleischwaren (+4,1 Prozent) teurer, während Gemüse (-5,2 Prozent) billiger wurde. Auch Tabakwaren verteuerten sich merklich um 5,7 Prozent. Günstiger wurden hingegen einige Gebrauchsgüter wie Telefone (-6,1 Prozent), Geräte der Unterhaltungselektronik (-4,4 Prozent) und der Informationsverarbeitung (-3,7 Prozent) sowie Bekleidungsartikel (-2,8 Prozent).
Inflationsrate ohne Energieprodukte über der Gesamtteuerung
Die starken Preisrückgänge bei Energieprodukten hatten einen dämpfenden Effekt auf die Gesamtinflationsrate. Ohne Berücksichtigung der Energiepreise hätte die Inflationsrate im September 2020 bei +0,6 Prozent gelegen.
Dienstleistungen verteuern sich um 1,0 Prozent
Die Preise für Dienstleistungen erhöhten sich im September 2020 gegenüber dem Vorjahresmonat um 1,0 Prozent. Ein maßgeblicher Faktor hierfür war die Erhöhung der Nettokaltmieten um 1,4 Prozent. Trotz der Mehrwertsteuersenkung stiegen die Preise für Leistungen beim Friseur und für die Körperpflege (+4,8 Prozent) sowie für Besuche in Restaurants, Cafés und im Straßenverkauf (+2,1 Prozent).
Noch stärkere Preisanstiege gab es bei Finanzdienstleistungen (+5,2 Prozent) und Dienstleistungen sozialer Einrichtungen (+5,6 Prozent), insbesondere bei Dienstleistungen der häuslichen Pflege (+6,8 Prozent). Im Gegensatz dazu wurden Fahrkarten im Fernverkehr erheblich günstiger (-17,6 Prozent). Dies ist primär auf die bereits seit Jahresbeginn abgesenkte Mehrwertsteuer für Bahnfernfahrten von 19 Prozent auf 7 Prozent zurückzuführen und nur zu einem geringen Teil auf die temporäre Senkung des ermäßigten Steuersatzes von 7 Prozent auf 5 Prozent.
Vormonatsvergleich: Sinkende Heizölpreise, steigende Bekleidungspreise
Im Vergleich zum August 2020 sank der Verbraucherpreisindex im September 2020 insgesamt um 0,2 Prozent. Saisonale Effekte, wie das Ende der Sommerferien, führten unter anderem zu Preisrückgängen bei Übernachtungen (-1,6 Prozent). Die Preise für Energieprodukte gingen um 0,7 Prozent zurück, wobei Verbraucher insbesondere für Heizöl (-6,9 Prozent) weniger bezahlen mussten. Auch die Preise für Nahrungsmittel gaben im Vergleich zum Vormonat leicht nach (-0,3 Prozent).
Hingegen stiegen die Preise für Bekleidungsartikel (+5,6 Prozent) und Schuhe (+3,6 Prozent deutlich an, was vor allem auf die Umstellung auf die Herbst-/Winterkollektion zurückzuführen ist.
Inflationsrate im Euroraum voraussichtlich bei -0,3 Prozent
Der Harmonisierte Verbraucherpreisindex für Deutschland (HVPI), der für internationale Vergleiche herangezogen wird, lag im September 2020 um 0,4 Prozent unter dem Stand von September 2019. Laut der Schnellschätzung von Eurostat vom 2. Oktober 2020 betrug die Inflationsrate im Euroraum voraussichtlich -0,3 Prozent.
