Ergebnisse der FBB-Umfrage zur Förderung der Bauwerksbegrünung
Dr. Gunter Mann, Präsident der FBB, eröffnete das Symposium mit der Vorstellung der Ergebnisse einer FBB-Umfrage zur Förderung der Bauwerksbegrünung. Diese Umfrage wurde gemeinsam mit dem Naturschutzbund Deutschland e.V. (NABU) bei allen deutschen Städten ab 10.000 Einwohnern durchgeführt. Ziel war es, Informationen über direkte und indirekte Förderungen von Dach- und Fassadenbegrünungen sowie einen Überblick über die Entwicklung des Förderwesens in Deutschland zu erhalten. Mit 510 Antworten wurde eine Rücklaufquote von etwa 34 % erzielt. Die Auswertung zur Fassadenbegrünung zeigte folgende Tendenzen:
- Die direkte Bezuschussung von Fassadenbegrünungen blieb konstant: 25 Städte (5 %) im Jahr 2014, 30 Städte (5 %) im Jahr 2012 und 32 Städte (6 %) im Jahr 2010.
- Ähnlich stabil waren die Zahlen für die Festsetzung von Fassadenbegrünungen in Bebauungsplänen: 172 Städte (34 %) im Jahr 2014, gegenüber 33 % im Jahr 2012 und 32 % im Jahr 2010.
Psychologische Aspekte und Förderprogramme
Dipl.-Psych. Nicola Moczek von PSY:PLAN, Berlin, beleuchtete im Themenblock „Pro Fassadenbegrünung“ die psychologischen Effekte von Fassadenbegrünungen in ihrem Vortrag „Treppe, Fenster, Wand: Grün für Leib und Seele. Erfahrungen aus der Architektur- und Umweltpsychologie“. Ihre zentralen Aussagen waren:
- Bevorzugte Landschaften zeichnen sich durch Nachvollziehbarkeit, Überschaubarkeit, Vielfalt und Geheimnisvolles aus.
- Begrünte Häuser werden als „schöner“ wahrgenommen.
- Natur hat positive Auswirkungen auf die körperliche und seelische Gesundheit.
- Es besteht ein Mangel an aktuellen, empirischen Studien im deutschsprachigen Raum, insbesondere solchen, die die Perspektiven von Hausbesitzern und Verwaltern berücksichtigen und Hemmnisse sowie Gegenargumente analysieren, um daraus Gestaltungs- und Kommunikationsstrategien abzuleiten.
Dipl. Biol. Gerd Wach vom BUND stellte Erfahrungen mit der Förderung von Fassadenbegrünungen am Beispiel Hannovers vor. Im Rahmen eines von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) und ABInBev geförderten Projekts sollte ein Förderprogramm für Dach- und Fassadenbegrünungen in dicht besiedelten Stadtteilen Hannovers etabliert werden. Das entwickelte Programm sah eine Bezuschussung von einem Drittel der Kosten vor, mit einer maximalen Fördersumme von 350 € für Fassadenbegrünungen und 3.500 € für mehrschichtige Wandkonstruktionen (z. B. WDVS).
Bis Ende Mai 2014 wurden Fördermittel für sieben Objekte in Höhe von etwa 2.250 € ausgezahlt, was hinter den Erwartungen zurückblieb. Es wurde festgestellt, dass der zeitliche Aufwand für Beratungs- und Aufklärungsarbeit in keinem angemessenen Verhältnis zu den realisierten Maßnahmen stand.
Machbarkeitsstudien und technische Entwicklungen
Prof. Dr.-Ing. Stephan Roth-Kleyer und B.Eng. Susanne Gunkel von der Geisenheim University präsentierten die Ergebnisse der Machbarkeitsstudie „Vertikale Gärten Palmengarten Frankfurt a. M.“. Die Studie untersuchte die Möglichkeit, die Nord-Westgrenze des Palmengartens mit einem etwa 500 Meter langen und 3 Meter hohen Vertikalen Garten zu versehen. Vier FBB-Mitgliedsunternehmen (Humko Ltd., Optigrün international AG, Schadenberg Combi Groen B.V., Vertiko GmbH) nahmen an der Studie teil. Von Juni 2013 bis Mai 2014 wurden monatlich Kriterien wie Vegetation, Pflege und Wartung, Kosten, System und Wasserverbrauch dokumentiert. Jedes der vier Systeme zeigte spezifische Vor- und Nachteile, deren Gesamtbewertung erst nach Auswertung aller Daten möglich war. Das System der Firma Vertiko erzielte im Beobachtungszeitraum mit mildem Winter und unter Berücksichtigung der örtlichen Bedingungen das beste Ergebnis.
Dr.-Ing. Henning Günther von der Technischen Universität Berlin stellte das Kooperationsprojekt „Hängende Gärten“ vor, das durch das Zentrale Innovationsprogramm Mittelstand (ZIM) des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie (BMWi) gefördert wird. Das Projekt untersucht die Entwicklung eines vertikalen Begrünungssystems aus textilem Vegetationsträger mit angepasster Vegetation auf einem modularen Unterbau. Die Auswahl der Vegetation für vertikale, textile Begrünungssysteme muss sowohl die besonderen Standortbedingungen wie die Feuchtigkeit auf dem Träger als auch die Expositionen der Wände in Städten berücksichtigen. Drei Pflanzengruppen mit 10 verschiedenen Arten wurden auf dem textilen Träger untersucht. Erste Beobachtungen liegen vor, mit endgültigen Ergebnissen ist Ende 2015 zu rechnen.
Energieeffizienz durch Fassadenbegrünung
Gast-Prof. Dipl.-Ing. Architektin, MLA Nicole Pfoser von der Hochschule für Wirtschaft und Umwelt Nürtingen, sprach über „Energieeffizientes Bauen mit begrünten Fassaden“ und stellte den im letzten Jahr erschienenen „Leitfaden“ „Gebäude, Begrünung und Energie. Potenziale und Wechselwirkungen“ (FLL, Bonn) vor. Sie betonte, dass energieeffizientes Bauen zunächst die bauliche und betriebstechnische Optimierung des Gesamtenergiebedarfs eines Gebäudes erfordert, um den späteren Bedarf zu minimieren und zugleich eine komfortable Nutzung sowie Behaglichkeit im Gebäude zu gewährleisten. Energieverbräuche und Verluste sollen minimiert (passive Strategien) und erneuerbare Energien erschlossen werden (aktive Systeme mit regenerativen Energiequellen). Ihr Fazit war, dass Gebäudebegrünung ein kostengünstiges und vielseitiges Mittel zur Dämpfung von Temperaturextremen und zur synergetischen Unterstützung gebäudetechnischer Maßnahmen darstellt.
Dipl.-Ing. Marco Schmidt von der Technischen Universität Berlin ging auf dasselbe Thema ein und berichtete über „Fassadenbegrünung zur Primärenergieeinsparung durch innovative Gebäudeverschattung und –kühlung“. Durch Verdunstung wird eine durchschnittliche Kühlleistung von 280 Kilowattstunden pro Tag pro Fassade erzeugt. Am Institut für Physik wurden zwanzig unterschiedliche Kletterpflanzenarten in 150 Fassadenkübeln an neun verschiedenen Fassaden gepflanzt. Die Fassadenbegrünung steht im Zusammenhang mit der energetischen Gebäudeoptimierung. Im Sommer soll die Fassade begrünt sein, während im Winter, wenn die Pflanzen unbelaubt sind, das Sonnenlicht die Glasfassade ungehindert passieren kann. Ein weiterer Effekt ist die Erzeugung von Verdunstungskälte zur Verbesserung des Mikroklimas innerhalb des Gebäudes und im unmittelbaren Gebäudeumfelds.
Im Vergleich zum konventionellen Sonnenschutz sind die Ergebnisse zur Fassadenbegrünung als Einsparmaßnahme von Primärenergie positiv. Gegenüber dem konventionellen Sonnenschutz werden im Jahresmittel 26% an Primärenergie für Büroräume an der südorientierten Fassade eingespart. Gegenüber Büroräumen ohne außen liegenden Sonnenschutz beträgt die Energieeinsparung im Jahresmittel sogar 49%.
Grundlagen der Bauphysik und Systemvergleiche
Jörg Brandhorst von Bauphysik–Planung–Ökologisches Bauen aus Bonn referierte über die Grundlagen der Bauphysik begrünter und unbegrünter Wände und verglich drei verschiedene Fassadentypen. Dipl.-Ing. Dirk Pfeifer von Pfeifer Ingenieure GmbH aus Konstanz sprach über „Beachtenswertes zu Statik, Wind- und Schneelasten bei Rankhilfen“ und erläuterte Berechnungsgrundlagen sowie relevante Normen und Erfahrungswerte.
Prof. Dr. Manfred Köhler von der Hochschule Neubrandenburg verglich in seinem Vortrag „Boden- vs wandgebundene Fassadenbegrünungen“ die beiden Begrünungssysteme hinsichtlich Aufbau und Kosten. Wandgebundene Begrünungen sind vergleichsweise einfach zu installieren. Herausforderungen liegen im Sockelbereich der Gebäude, wo ausreichend Bodenvolumen für die Wurzelsysteme sichergestellt und die Wurzeln vom Gebäude weggeleitet werden müssen. Eine Bewässerung ist in der Regel nur in der Anfangsphase erforderlich. Anspruchsvoller ist die Verankerung der erforderlichen Wandanker. Bei wandgebundenen Begrünungen gibt es vier Grundprinzipien: Gabionen, kleine Kübel, Vertikalmodule und Geovliese. Diese Systeme sind vom natürlichen Boden losgelöst und müssen künstlich mit Wasser und Nährstoffen versorgt werden.
Bodengebundene Begrünungen sind in Anschaffung und jährlicher Wartung preisgünstiger als wandgebundene Begrünungen. Bei wandgebundenen Systemen ist ein Vergleich zu technischen Jalousiesystemen sinnvoll. In die Kosten ist die fest installierte Aufstiegshilfe einzurechnen. Eine automatisierte Bewässerung ist bei diesen Systemen notwendig.
Pflege und Wartung wandgebundener Fassadenbegrünungen
Stefan Brandhorst von Vertiko GmbH aus Kirchzarten, Systemanbieter, Ausführungs- und Pflegebetrieb, berichtete aus seiner Praxis zur Pflege und Wartung wandgebundener Fassadenbegrünungen. Bereits bei der Planung einer wandgebundenen Begrünung muss der dauerhafte Erhalt der Anlage durch fachgerechte Pflege und Wartung berücksichtigt werden. Dazu gehört auch die Zugänglichkeit durch Einrichtungen wie Anschlagpunkte für die Seilklettertechnik oder geeignete Aufstellflächen für Hubsteiger oder Gerüste.
Der Pflegeaufwand richtet sich nach der Pflanzenauswahl und den Kundenanforderungen. Die meisten Hersteller empfehlen mindestens zwei Pflegegänge pro Jahr, was ausreichend ist, sofern die Pflanzen im Konkurrenzverhalten verträglich sind. Pflanzen, die andere bedrängen, erfordern einen höheren Aufwand. Die wichtigsten Pflegetermine sind im Herbst und im Frühjahr. Abgestorbene, verblühte, störende oder zu lang gewordene Pflanzenteile sowie Fremdaufwuchs werden geschnitten und entfernt. Bei wandgebundenen Begrünungen sind die Pflanzen von einer technischen Versorgung mit Wasser und Düngung abhängig. Die Wartung der technischen Einrichtungen spielt daher eine wichtige Rolle und bestimmt die Überprüfungsintervalle (wöchentlich, monatlich) stärker als die turnusmäßige Pflege.
Zum Abschluss des Symposiums präsentierten sechs Referenten aus den Reihen der FBB-Mitglieder weitere Fassadenbegrünungen in Kurzvorträgen. Die Referenten waren Stephan Becsei (BAER, DE), Gregor Zorn (Optigrün international AG, DE), Susanne Herfort (IASP, DE), Thoms Navatzki (Noventiss, FR), Thorwald Brandwein (Biotekt, DE) und Nils van Steenis (Schadenberg Groen Combi, NL).
