Ingwer auf dem Vormarsch: Vielseitige Anwendung und wachsende Beliebtheit
Ingwer erfreut sich wachsender Beliebtheit, sei es als Tee oder als Geschmacksrichtung in Speiseeis. Auch in der traditionellen asiatischen Medizin wird die Ingwerwurzel seit Jahrhunderten zur Behandlung von Rheuma, Muskelbeschwerden und Erkältungen eingesetzt. Birgit Rascher, Versuchsingenieurin in Bamberg, bestätigt die vielfältigen Anwendungsmöglichkeiten.
Die NHV Theophrastus, ein Verein zur Förderung naturgemäßer Heilweisen, wählte Ingwer aufgrund seiner Bedeutung zur Heilpflanze des Jahres 2018.
Anbau unter tropischen Bedingungen in Bayern
Ingwer gedeiht optimal in tropischen und subtropischen Klimazonen, wie sie in Indien, Indonesien, China, Südamerika und auf den Fidschi-Inseln zu finden sind. Indien ist mit rund 1,1 Millionen Tonnen der weltweit größte Produzent.
Für den Anbauversuch in Bamberg wurden importierte Knollen aus Peru und Taiwan verwendet. Diese wurden in etwa 20 Gramm schwere Stücke geschnitten und in einem Substrat aus Torf und Kompost im Gewächshaus gepflanzt. Ein Folientunnel sorgte für eine Bodentemperatur von 26 °C und hohe Luftfeuchtigkeit, wodurch nach etwa drei Wochen die ersten Triebe sichtbar wurden. Nach weiteren vier Wochen waren die Jungpflanzen bereit für die Auspflanzung. Im Gewächshaus in Bamberg wurden sie bei konstanten 20 °C Tag und Nacht sowie einer Luftfeuchtigkeit von 70 % durch eine Hochdrucknebelanlage kultiviert.
Vorteile für Boden und Gaumen: Ingwer als Bereicherung
Der im Ingwer enthaltene Scharfstoff Gingerol trägt nicht nur zu seiner heilenden Wirkung bei, sondern verleiht Speisen auch eine besondere Schärfe und fruchtige Note. Darüber hinaus bietet Ingwer als einkeimblättrige Pflanze eine wichtige Abwechslung für die Böden im Gewächshaus. Im Gegensatz zu den häufig angebauten Nachtschattengewächsen wie Tomaten, Paprika oder Auberginen, ermöglicht Ingwer einen notwendigen Fruchtwechsel, der die Bodengesundheit fördert. Rascher vergleicht den Ingwer in diesem Kontext mit Getreide im Ackerbau, das ebenfalls zur Erneuerung der Bodenfruchtbarkeit beiträgt.
Nach einem anfänglich langsamen Wachstum entwickelt Ingwer ein dichtes, bis zu einem Meter hohes Laub. Solange ausreichend Wärme vorhanden ist, bleibt das Laub grün. Dieser „Grüne Ingwer“ ist auch im Handel erhältlich und wird frisch in der Küche verwendet. Nach etwa acht Monaten Kulturzeit kann das Rhizom als Gewürzingwer geerntet werden. Frisch mit grünem Stilansatz ist es etwa eine Woche haltbar. Für eine längere Lagerung wird es bei Raumtemperatur aufbewahrt.
Zubereitung und Wirkung der Ingwerknolle
Die Ingwerknolle, das Rhizom, entfaltet ihre Wirkung am besten bei richtiger Zubereitung. Zum Schälen einer noch nicht zu trockenen Knolle empfiehlt sich ein Kaffeelöffel, mit dem die äußere Haut sparsam abgeschabt werden kann. Durch Reiben mit einer Gabel entfalten sich Geschmack und Schärfe besonders gut.
„Die traditionelle asiatische Medizin schwört schon seit Jahrhundert auf die heilende Wirkung der Ingwerwurzel und setzt diese beispielsweise für die Behandlung von Rheuma, Muskelbeschwerden und vor allem bei Erkältungen ein“, erläutert Birgit Rascher, Versuchsingenieurin in Bamberg.
Ingwer „Made in Franken“ erleben: Tag der offenen Tür
Am Sonntag, den 1. Juli 2018, lud der Gemüsebauversuchsbetrieb der LWG in Bamberg zu einem Tag der offenen Tür ein. Besucher konnten sich dort über den Ingwer-Anbauversuch informieren und die „asiatische Wunderknolle“ in Form von Smoothies verkosten. Das Programm umfasste zudem Einblicke in die Arbeit der LWG, ein Rahmenprogramm und Mitmachaktionen. Auch die erste Solidarische Landwirtschaft Bamberg auf dem LWG-Gelände und die Schleuse Bamberg boten Erkundungstouren an.

