Branchenverbände

Baumpflege in Deutschland: Gemeinsam für die Zukunft

Die deutsche Baumpflege hat sich in den letzten Jahrzehnten rasant entwickelt und ist heute ein lebendiges Berufsfeld. Verbände bündeln nun ihre Kräfte, um gemeinsam die Zukunft der Baumpflege zu gestalten und ihre Anliegen effizienter zu vertreten.

Verbände bündeln Kräfte für mehr Einfluss und Qualität in der Baumpflege

Die deutsche Baumpflege hat in den letzten Jahrzehnten eine bemerkenswerte Entwicklung durchlaufen. Was einst mit Pionierarbeit begann, ist heute ein lebendiges und sich ständig weiterentwickelndes Berufsfeld. Diese positive Entwicklung ist maßgeblich dem Engagement zahlreicher Unternehmen, Behörden und Verbände zu verdanken, die sich für einen fachgerechten Umgang mit Bäumen einsetzen.

Frank Bechstein, Geschäftsführer der Frank Bechstein Baumpflege GmbH und Mitglied der Qualitätsgemeinschaft Baumpflege und Baumsanierung (QBB), erinnert sich an die Anfänge: „Als ich 1980 mit der Baumpflege begann, gab es außer der QBB, dem Bundesverband Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau (BGL) und der amerikanischen International Society of Arboriculture (ISA) kaum Institutionen, die den Berufszweig Baumpflege regelten oder vertraten. Wir haben hier Grundlagen geschaffen.“ Er betont, dass das Ziel, Bäume zu erhalten und zu schützen, der entscheidende Ansporn war. Während früher die Amerikaner auf diesem Gebiet führend waren, sieht er heute Deutschland an der Spitze.

Hans Rhiem, Vorsitzender der QBB, bestätigt diese Einschätzung: „Die deutsche Baumpflege hat sich in den vergangenen drei Jahrzehnten rasant positiv entwickelt.“ Er hebt zudem die Bedeutung der wissenschaftlichen Auseinandersetzung hervor, die in den 1980er Jahren mit Alex Shigo begann und zur Entstehung eines dynamischen Berufsbildes beitrug.

Einigkeit im "Verbandsdschungel" der Baumpflege

Neben der QBB spielen heute zahlreiche weitere Verbände, wissenschaftliche Einrichtungen und Lehranstalten eine wichtige Rolle in der Baumpflege. Dazu gehören der Arbeitskreis Baumpflege im BGL, die ISA Germany, die Arbeitsgemeinschaft Neue Baumpflege, der Fachverband geprüfter Baumpfleger sowie die Lehranstalten in Großbeeren und Heidelberg. Die meisten dieser berufsständischen Verbände sind Mitglieder der Interessengemeinschaft Deutsche Baumpflege (IDB), einem freiwilligen Zusammenschluss zur Vertretung der deutschen Baumpflege in Europa.

In der Vergangenheit gab es innerhalb dieser vielfältigen Landschaft durchaus Meinungsverschiedenheiten über Arbeitsweisen, Qualitätsmerkmale oder Philosophien. Frank Bechstein räumt ein, dass dies auch mit „gewissen Eitelkeiten“ zu tun hatte. Hans Rhiem ergänzt: „Es wurde gestritten, diskutiert und sich – leider zumeist öffentlich – die Meinung gesagt.“

Diese Phase der Auseinandersetzung wird jedoch als notwendig und wichtig betrachtet. „Die Beteiligten mussten den gemeinsamen Nenner ihrer Positionen finden“, so Hans Rhiem. Der gemeinsame Nenner war und ist das Engagement zum Wohl des Baumes. Inzwischen haben sich die Positionen angenähert, und traditionelle Berührungsängste sind weitgehend abgebaut.

Diese Entwicklung mündete in einem einstimmigen Beschluss der QBB-Mitglieder im Juni, die Zusammenarbeit mit anderen Verbänden und Institutionen zu intensivieren. Am 12. Juli folgte die IDB diesem Beispiel und beschloss, künftig geschlossen aufzutreten und Synergien verstärkt zu nutzen.

„Nur gemeinsam sind wir stark!“Hans Rhiem, Vorsitzender der Qualitätsgemeinschaft Baumpflege und Baumsanierung (QBB)

Frank Bechstein sieht die Zeit reif für diesen Schulterschluss: „Auch die ‚jungen Wilden‘ sehen, dass wir Fachfirmen nur gemeinsam die Probleme lösen können, die uns allen unter den Nägeln brennen.“

Ziele und Handlungsfelder der gemeinsamen Baumpflege

Von diesem Schulterschluss versprechen sich die Akteure eine stärkere und effizientere Vertretung ihrer Anliegen. Hans Rhiem betont, dass Unternehmen, Verbände, Schulen und wissenschaftliche Institutionen unter Wahrung ihrer Identität gemeinsame Ziele und Botschaften entwickeln müssen, um die Baumpflege zukunftsfähig zu halten. Dies umfasst auch die Reaktion auf die Forderung der Wohnungswirtschaft nach überregionaler Präsenz.

Frank Bechstein sieht im Bereich der Aus- und Weiterbildung weiterhin großes Potenzial: „Wenn wir mit einer Stimme sprechen, können wir hier sicher noch viel verstärkter Synergien nutzen und die Branche auf diese Weise nachhaltig stärken!“

Der Handlungsbedarf erstreckt sich über nahezu alle Ebenen. Zentrale Ziele sind die Stärkung des Berufsbildes und die Bewältigung aktueller und zukünftiger Herausforderungen. Dazu gehören:

  • Klimaveränderung: Strenge Winter, trockene Frühjahre und starke Stürme setzen Bäumen zu. Neue Baumkrankheiten und Schädlingsbefall sind die Folge. Hier ist eine engere Zusammenarbeit mit der Wissenschaft unerlässlich.
  • Fachkräftesicherung: Trotz guter Ausbildungsmodelle ist der Fachkräftemangel ein Problem. Es geht nicht nur um Kletterfähigkeiten, sondern um umfassendes Wissen über den komplexen Organismus Baum. Hochwertig ausgebildete Fachkräfte sind entscheidend.
  • Einbindung in Planungsphasen: Baumpfleger sollen als Fachleute frühzeitig in die Planung von Projekten einbezogen werden. Oft werden sie erst gerufen, wenn Planungs- und Ausführungsfehler bereits zu hohen Folgekosten und Problemen geführt haben.
  • Verbesserung der Standortbedingungen: Bei Neupflanzungen ist die Berücksichtigung der Baumbedürfnisse für eine nachhaltige Entwicklung unerlässlich. Eine stärkere Einbringung der Sachkunde durch Beratung von Planern und Entscheidern im Vorfeld ist hierfür wichtig.

Die IDB und ihre Mitgliedsverbände sehen sich nicht nur als Pfleger der Bäume, sondern auch als Akteure in der Lobbyarbeit für den Berufsstand. Hans Rhiem sieht den hohen Stellenwert des Baumes in der Öffentlichkeit als Chance, die Anliegen der Baumpfleger zu kommunizieren. Regelmäßige und umfassende Informationen für alle am Thema Baum Interessierten sowie Veranstaltungen wie die Deutschen Baumtage, Nordischen Baumtage und Baumforen tragen dazu bei, ein breites Fachpublikum zu erreichen und die öffentliche Wahrnehmung zu stärken.

01.08.2011

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