Bevölkerung, Bauen und Wirtschaft
Januar: In Deutschland leben mehr Menschen als je zuvor
Zum Jahresanfang 2023 leben in Deutschland mehr Menschen als jemals zuvor. Ausschlaggebend für das Bevölkerungswachstum auf die Rekordzahl von rund 84,4 Millionen war die Nettozuwanderung von rund 960 000 Menschen aus der Ukraine infolge des russischen Angriffskriegs. Insgesamt kamen im Jahr 2022 etwa 1,46 Millionen Personen mehr nach Deutschland, als ins Ausland fortgezogen sind – die höchste Nettozuwanderung seit Beginn der Zeitreihe 1950. Bis Ende September 2023 steigt die Bevölkerungszahl weiter auf rund 84,6 Millionen.
Februar: Steigende Baupreise und stockender Wohnungsbau
Das Bevölkerungswachstum erhöht den Druck auf den Wohnungsmarkt. 2022 wurden nur 295 300 Wohnungen fertiggestellt – weit unter dem Regierungsziel von 400 000. Auch 2023 zeichnet sich keine Trendwende ab: Die Preise für den Bau neuer Wohngebäude steigen im Februar um über 15 %. Von Januar bis Oktober 2023 werden nur 179 800 Neubauwohnungen genehmigt – fast 30 % weniger als im Vorjahreszeitraum.
März: Die deutsche Wirtschaft tritt auf der Stelle
Im 1. Quartal 2023 stagniert die Wirtschaftsleistung, das Bruttoinlandsprodukt (BIP) bleibt unverändert. Nach einem Mini-Wachstum von 0,1 % im 2. Quartal geht das BIP im 3. Quartal wieder leicht zurück. Die Sorge vor einer technischen Rezession wächst. Am 15. Januar 2024 will das Statistische Bundesamt erste vorläufige Jahresergebnisse vorlegen.
Energie, Verkehr und Gesellschaft
April: Die letzten deutschen Atomkraftwerke gehen vom Netz
Am 15. April endet der Streckbetrieb der letzten drei deutschen Kernkraftwerke. Damit wird in Deutschland kein Atomstrom mehr erzeugt. 2022 hatten sie noch rund 6 % zur Stromerzeugung beigetragen. Derweil sinkt die Kohlestrom-Erzeugung im 1. Halbjahr 2023 um knapp ein Viertel, während Solar- und Windkraft kaum zulegen. Die Photovoltaik-Kapazitäten wachsen jedoch weiter – um gut ein Fünftel im Vergleich zum März 2022.
Mai: Alkoholunfälle am Wochenende häufen sich
In den Sommermonaten nehmen Verkehrsunfälle mit Alkoholeinfluss zu – besonders an Christi Himmelfahrt, dem sogenannten Vatertag. 2023 erwartet das Statistische Bundesamt erstmals seit 2019 wieder mehr als 2,5 Millionen Unfälle (+4 % gegenüber 2022), bei sinkender Zahl der Verkehrstoten (rund 2 750). Die Pkw-Dichte erreicht mit 583 Autos je 1 000 Einwohner einen neuen Rekordwert.
Juni: „Demokratie braucht Daten – Daten brauchen Demokratie“
Zum 75-jährigen Bestehen blickt das Statistische Bundesamt auf seine Geschichte zurück. Das 1948 gegründete Amt ist älter als die Bundesrepublik selbst. Präsidentin Ruth Brand betont zum Jubiläum: „Unsere Daten sind die bestmögliche Annäherung an die Realität – und damit eine wichtige Grundlage für einen wissensbasierten Diskurs und ein wirksames Mittel gegen Desinformation.“
Reisen, Bildung und Wirtschaftslage
Juli: So viele Fluggäste wie seit der Pandemie nicht mehr
Im Juli 2023 verzeichnen die deutschen Flughäfen mit 19,4 Millionen Passagieren den stärksten Monat seit Beginn der Corona-Pandemie. Das sind 14 % mehr als im Juli 2022, aber noch 15 % weniger als 2019. Beliebteste Reiseziele sind Spanien, die Türkei und Griechenland.
August: Zahl der Einschulungen erreicht Höchststand seit 20 Jahren
Zum Schuljahr 2023/2024 werden 830 600 Kinder eingeschult – 2,1 % mehr als im Vorjahr. Höhere Geburtenzahlen und Zuwanderung tragen zum Anstieg bei. Dagegen sinkt die Zahl der Studierenden zum zweiten Mal in Folge auf 2,9 Millionen (−1,7 %), während die Zahl der Erstsemester leicht um 1,2 % steigt.
September: Rekordbeschäftigung und leichtes Reallohn-Plus
Mit über 46 Millionen Erwerbstätigen erreicht der Arbeitsmarkt im 3. Quartal 2023 einen historischen Höchststand. Die Reallöhne steigen im zweiten Quartal in Folge leicht um 0,6 %, begünstigt durch sinkende Inflation, Inflationsausgleichsprämien und den höheren Mindestlohn von 12 Euro.
Preise, Konsum und Jahresausklang
Oktober: Haushaltsenergie bleibt teuer
Trotz Preisbremsen zahlen Verbraucherinnen und Verbraucher weiterhin deutlich mehr für Energie. Im September 2023 liegt der Preis für Haushaltsenergie über 50 % höher als im Jahresdurchschnitt 2020. Bereits 2022 konnten rund 5,5 Millionen Menschen ihr Zuhause aus finanziellen Gründen nicht angemessen heizen – doppelt so viele wie 2021.
November: Inflationsrate sinkt auf niedrigsten Stand seit Juni 2021
Die Inflation schwächt sich auf 3,2 % ab, bleibt aber spürbar. Besonders Nahrungsmittel verteuern sich weiter um 5,5 % gegenüber November 2022. Die monatlichen Konsumausgaben der privaten Haushalte lagen 2022 bei durchschnittlich 2 846 Euro – 8,5 % mehr als im Vorjahr.
Dezember: Boom im Online-Handel und mehr Feuerwerkimporte
Die Weihnachtszeit bleibt Hochsaison für den Online-Handel: Von 2012 bis 2022 stieg der reale Umsatz im Versand- und Internethandel um 172 %. Auch die Importe von Feuerwerkskörpern nehmen stark zu – von Januar bis September 2023 wurden rund 24 400 Tonnen eingeführt, fast viermal so viele wie im Vorjahr, jedoch noch unter dem Vor-Corona-Niveau.
