Kritik an gesetzlichen Regelungen und Risikobewertung
Umweltminister Otmar Bernhard äußerte sich dazu auf dem Internationalen Klärschlammsymposium in Fürstenfeldbruck. Er betonte, dass die aktuelle, 16 Jahre alte deutsche Verordnung das gesamte Risikopotenzial von Klärschlamm nicht mehr abdecke.
Was hilft's, wenn die Schwermetallgehalte ordentlich gemessen und die vorgeschriebenen Grenzwerte eingehalten werden, im Klärschlamm enthaltene organische Schadstoffe wie Weichmacher, Tenside und Desinfektionsmittel hingegen nach Gesetz gar nicht analysiert werden müssen?
Die vom Bund geplante Novelle der deutschen Klärschlammverordnung geht nach Ansicht Bernhards nicht weit genug, da sie die Ausbringung weiterhin erlaubt, auch wenn schärfere Grenzwerte vorgesehen sind.
Verbraucher wollen keine Lebensmittel von Klärschlamm gedüngten Äckern.
Bernhard hat EU-Umweltkommissar Dimas aufgefordert, die Klärschlammaufbringung europaweit zu verbieten oder den einzelnen EU-Staaten eine nationale Verbotsmöglichkeit einzuräumen.
Förderung alternativer Verwertungswege und Phosphorrückgewinnung
Bayern fördert den Ausbau der thermischen Klärschlammverwertung, um Kommunen Alternativen zur landwirtschaftlichen Nutzung aufzuzeigen. In Bayern wird Klärschlamm bereits in sechs Müllheizkraftwerken, einem Kohlekraftwerk und vier Monoverbrennungsanlagen energetisch verwertet. Dadurch konnte die landwirtschaftliche Verwertung von 55 Prozent im Jahr 1997 auf rund 20 Prozent reduziert werden.
Durch den Bau von Kleinverbrennungsanlagen bei bestehenden Kläranlagen könnte diese Quote weiter gesenkt werden. Dies würde zudem lange Transportwege vermeiden und die entstehende Wärme zur Trocknung des Schlamms nutzen. Klärschlamm stellt laut Bernhard auch eine wichtige Rohstoffquelle dar, da er mit jährlich rund 6000 Tonnen Phosphor die größte Sekundärressource Deutschlands ist.
Methoden, den wertvollen Phosphor aus dem Klärschlamm zurückzugewinnen, gibt es.
Der Bund sollte eine Strategie zur nachhaltigen Nutzung aller Sekundärphosphorressourcen in Deutschland entwickeln.