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Konjunkturentwicklung Mitte 2021: Produktion stabil, Erholung in Handel und Dienstleistungen

Mitte 2021 zeigen sich erste Anzeichen einer Erholung in Einzelhandel, Gastgewerbe und Tourismus. Die Produktion stabilisiert sich, wird jedoch durch Lieferengpässe gebremst. Eine erwartete Insolvenzwelle blieb bislang aus.

Umsatzentwicklung und Auftragseingänge im Detail

Die Lockerungen der Corona-Maßnahmen führten im Mai zu einem deutlichen Umsatzanstieg im Einzelhandel und Tourismus. Dennoch liegen die Zahlen weiterhin unter dem Niveau vor der Krise. Eine erwartete Insolvenzwelle blieb bislang aus.

Die Auftragseingänge im Verarbeitenden Gewerbe stiegen bis April 2021 kontinuierlich an. Im Mai sanken sie real, kalender- und saisonbereinigt um 3,7 % gegenüber dem Vormonat. Das Niveau bleibt jedoch hoch und liegt seit Oktober 2020 über dem Vorkrisenniveau, im Mai noch um 6,2 %.

Die Produktion ist seit dem starken Jahresende 2020 leicht gesunken und liegt nun 5,0 % unter dem Niveau von Februar 2020. Dies ist teilweise auf eine Stagnation nach den Vorzieheffekten der Mehrwertsteuersenkung und auf Lieferengpässe bei Vorprodukten in verschiedenen Branchen zurückzuführen.

Besonders betroffen ist die Automobilindustrie, die durch Materialknappheit bei Halbleitern ausgebremst wird. Ihre Produktion sank im Mai 2021 um 7,2 % gegenüber dem Vormonat und lag 27,9 % unter dem Vorkrisenniveau, nachdem sie sich bis Ende 2020 im Aufwärtstrend befunden hatte.

Indikatoren für die Industrieproduktion

Der Lkw-Maut-Fahrleistungsindex, ein Frühindikator für die Industrieproduktion, erreichte im Dezember 2020 den höchsten Wert seit Einführung der Lkw-Maut im Jahr 2005. Nach einem Abwärtstrend seit Anfang 2021 ist er im Juni wieder leicht angestiegen.

Entwicklung im Einzelhandel

Der stationäre Einzelhandel mit Nicht-Lebensmitteln, der stark von den Einschränkungen betroffen war, konnte sich im Mai 2021 real, kalender- und saisonbereinigt um 6,7 % gegenüber dem Vormonat steigern. Der Handel mit Textilien, Bekleidung, Schuhen und Lederwaren verzeichnete ein Plus von 72,1 %, der Handel mit Waren verschiedener Art (Waren- und Kaufhäuser) von 15,3 %.

Beide Bereiche lagen jedoch noch 37,6 % beziehungsweise 19,6 % unter dem Vorkrisenniveau. Der Internet- und Versandhandel zeigte sich unbeeinflusst vom Wachstum des stationären Handels und erzielte im März 2021 einen Umsatzrekord, von dem er auch im Mai nicht weit entfernt lag.

Erholung in Tourismus und Gastgewerbe

Die Lockerungen für Beherbergungen führten im Mai 2021 zu einem deutlichen Anstieg der Übernachtungszahlen. Die Beherbergungsbetriebe in Deutschland zählten 14,3 Millionen Übernachtungen in- und ausländischer Gäste. Dies waren 29,4 % mehr als im Mai 2020, aber nur etwa ein Drittel der Übernachtungen vom Mai 2019 (-67,8 %). Bei anhaltenden oder ausgeweiteten Öffnungen wird eine Fortsetzung dieser Belebung erwartet.

Auch Restaurants und Gaststätten verzeichneten ab Mitte Mai mehr Gäste. Eine Auswertung von Daten einer Onlineplattform für Tischreservierungen zeigt einen steilen Anstieg ab diesem Zeitpunkt. Im Juni 2021 lagen die Online-Reservierungen durchschnittlich 6 % über dem Niveau des Juni 2019. Ob damit auch das Umsatzniveau der Vorkrisenzeit erreicht wird, bleibt abzuwarten, da die Nutzung von Online-Reservierungen aufgrund von Reservierungspflichten und begrenzten Plätzen zugenommen haben könnte.

Insolvenzgeschehen

Die erwartete Insolvenzwelle durch die Corona-Krise ist bislang ausgeblieben. Staatliche Unterstützungen und das Aussetzen der Insolvenzantragspflicht trugen dazu bei, dass sich der langjährige Trend sinkender Insolvenzzahlen verstärkt fortsetzte. Im April 2021 lag die Zahl der angemeldeten Unternehmensinsolvenzen 9 % unter dem Vorjahreswert und 21 % unter dem Wert für April 2019.

Die Zahl der Regelinsolvenzen nahm im Juni 2021 im Vergleich zum Juni 2020 um 1 % ab und sank im Vergleich zum Mai 2021 um gut 2 %. Die Insolvenzantragspflicht gilt seit Anfang Mai 2021 wieder vollumfänglich; die Effekte werden sich aufgrund der Bearbeitungszeiten der Gerichte voraussichtlich erst in späteren Berichtsmonaten zeigen.

14.07.2021

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