Einzigartiges Projekt auf dem Bodensee
Die Landesgartenschau Überlingen 2020 präsentiert ein technisch anspruchsvolles Projekt: Schwimmende Gärten. Diese wurden vom Überlinger Osthafen, wo die Bepflanzung durch Landschaftsgärtner erfolgte, über den Bodensee zu den Villengärten transportiert. Ein Schiff der BSB zog die bereits bepflanzten Inseln, begleitet von einem Boot der Freiwilligen Feuerwehr Überlingen, zur Steganlage in den Villengärten, wo sie festgemacht wurden.
Die Umsetzung dieses Projekts erfolgt in Zusammenarbeit der Landesgartenschau Überlingen 2020 GmbH mit dem Verband Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau (VGL) Baden-Württemberg. Der VGL beauftragte den Landschaftsarchitekten Herbert Dreiseitl mit der Konzeption der Schwimmenden Gärten. Die Anlage ist über einen Steg zugänglich, der von den Villengärten in den See führt.
Sechs Gärten sind direkt an den Steg angedockt, weitere sechs schwimmen frei auf der Wasseroberfläche. Die Betriebe Paul Saum und Van den Elzen Garden Design gestalteten jeweils eine Doppelinsel. Gartengestaltung Gropper und Firma Grimm garten gestalten realisierten je eine einzelne große Insel. Für die technische Umsetzung wurde die Firma Technus aus Teterow, unterstützt von Quadrex aus Ammerbuch, beauftragt.
Fünf Lastwagen lieferten die in Teterow vorgefertigten Elemente sowie das Holz für die Steganlage. Sibirische Lärche wurde vom Holzfachhandel August Nothhelfer gesponsert. Das Holz mit rutschfestem Laufbelag wurde ebenfalls bei Technus in Form gebracht. Bettina Dreiseitl betreute die Baustelle vor Ort. Bereits Ende Januar wurden die Elemente für die Schwimmenden Inseln per Lastwagen in den Osthafen gebracht. Die schwimmende Steganlage wurde seit Montag errichtet.
„Wir sind sehr zufrieden mit dem Ablauf, es hat alles auf den Millimeter genau geklappt, und das ist bei diesem herausfordernden Projekt ja nicht selbstverständlich. So einen Auftrag bekommt man schließlich nicht alle Tage. Und wir hatten großes Glück mit dem Wetter und dem ruhigen Wasser“, so Technus-Chef Jan Wodzicka, der normalerweise Schwimmstege, Watercamper und Hausbootkonstruktionen baut.
Die gesamte Steganlage besteht aus 540 einzelnen Schwimmkörpern aus PE, verteilt auf 50 zusammengebaute Stegelemente sowie sechs angedockte und sechs freischwimmende Inseln. Diese werden wie der Steg von Pontons getragen. Die kleinen, freischwimmenden Gärten werden von der Stadt Überlingen, der Partnerstadt Bad Schandau sowie den kommenden Landesgartenschaustädten Neuenburg am Rhein (2022) und Wangen im Allgäu (2024) sowie der Zeppelinstadt Friedrichshafen bestückt.
Die Hauptkonstruktion besteht aus Stahlträgern, die Pontons und Elemente verbinden. An Land ist die Anlage an zwei Betonfundamente geflanscht. Zwei Dalben im Seegrund bieten an den Zugängen zusätzlichen Halt. Die Doppelinseln wiegen bis zu 20 Tonnen. Die Steganlage hat eine Tragkraft von 250 Kilogramm pro Quadratmeter, die Schwimmenden Inseln bis zu 500 Kilogramm pro Quadratmeter. Vier schwere Ankersteine sichern die Anlage zusätzlich. Nach Fertigstellung der Steganlage am Mittwoch, mit Ausnahme des Bodenbelags, wurden die Schwimmenden Inseln am Donnerstag hinzugefügt.
Die Schwimmenden Gärten im Einzelnen
Paul Saum
Der Schwimmende Garten der Firma Paul Saum aus Hohenfels-Liggersdorf interpretiert das Symbol der liegenden Acht als Zeichen für Unendlichkeit, Energiefluss, Balance und Harmonie. Dieses Konzept verbindet die Rhythmen der Natur mit einem modernen Gartenkonzept. Auf dem Holzdeck der Insel verschmelzen zwei Gartenbereiche aus fließenden Formen zu einer Einheit. Die Pflanzenauswahl umfasst bizarre Solitärgehölze und eine Unterpflanzung aus Gräsern, Farnen und Moosen, ergänzt durch ein Wasserspiel.
Van den Elzen Garden Design
Die Firma Van den Elzen Garden Design setzt in ihrem schwimmenden Schaugarten die Elemente Wasser, Wind, Sonne und Bewegung gestalterisch um. Der Entwurf thematisiert die Herausforderung begrenzter grüner Lebensräume im urbanen Umfeld. Ein Wassertisch aus heimischer Grauwacke dient als Tafel und Wasserspiel. Die Rohblöcke zeigen die Struktur versteinerter Wellen. Weidenblättrige Gehölze, Stauden, Gräser und Farne verbinden sich mit hellem Muschel-Mulch und dem Sitzplatz.
Gartengestaltung Gropper
Der schwimmende Schaugarten der Gartengestaltung Gropper aus Waldburg symbolisiert den Wasserkreislauf als wertvolles Element. Eine große Stahlkuppel stellt das Universum dar, in dessen Mitte die Erde, umspült vom Wasser, schwebt. Ein zwischen den Inselteilen gespanntes Seil versinnbildlicht Verbindungen wie Familie, Freunde, Glaube und Umwelt. Der Entwurf thematisiert den Verlust dieser Bindungen und den Sprung ins Ungewisse, um neue Perspektiven zu finden und ein rettendes Boot auf der zweiten Insel zu erreichen.
Grimm garten gestalten
Die Staudenpflanzung wirkt weich und filigran und wogt sanft im Wind. Die Pflanzenwahl ist auf farbliche Veränderungen über die Jahreszeiten abgestimmt. Ein skulpturales Sitzelement aus Holz in Form eines Loopings lenkt den Blick der Besucher auf den See und den Horizont. Die runde Form kontrastiert mit der Leichtigkeit der Bepflanzung und unterstreicht die Gestaltung der schwimmenden Insel, die von einer sanften hügeligen Geländemodellierung geprägt ist.
