Branchenverbände

Vertrauen in die moderne Landwirtschaft: Transparenz und Dialog als Schlüssel

Die moderne Landwirtschaft muss Vertrauen schaffen und einen offenen Dialog mit der Gesellschaft führen. Transparenz und Glaubwürdigkeit sind entscheidend, um die Akzeptanz und Zukunftsfähigkeit des Sektors zu sichern und die Potenziale moderner Verfahren zu vermitteln.

Nachhaltige Produktion als Ziel

Ein nachhaltiges Wirtschaften ist unerlässlich. Politische Konzepte, die Nachhaltigkeit in der Landwirtschaft primär über Regulierungen erreichen wollen, bergen jedoch Risiken. Das Ignorieren von Marktsignalen oder politisch motivierte Alleingänge können die Wirtschaftlichkeit des Sektors gefährden und die Innovationskraft der Einzelunternehmen hemmen. Bei Fragen des Klimas, der Biodiversität und anderer natürlicher Ressourcen muss die globale Dimension berücksichtigt werden.

Konzepte, die auf kleinräumigen Betrachtungen basieren, sind hierfür ungeeignet. Es besteht eine Bringschuld des Sektors, ein Nachhaltigkeitssystem zu etablieren, das den qualitativen Begriff "nachhaltig" messbar macht.

Was messbar ist, lässt sich verbessern.

Daher kommt Indikatoren zur Beurteilung von Ressourceneffizienz, Klimawirksamkeit und Nachhaltigkeit eine große Bedeutung zu. Indikatoren wie Energieintensität, CO2-Bilanz, Stickstoff- und Phosphorsalden bilden die Grundlage für die Analyse des Ressourceneinsatzes und der Nachhaltigkeit landwirtschaftlicher Produktion.

Die Ergebnisse solcher Analysen ermöglichen die Verbesserung von Produktionssystemen durch die zügigere Nutzung von technischem, biologischem und organisatorischem Fortschritt. Ein Zertifizierungssystem mit einer einheitlichen Methode zur Bewertung von Nachhaltigkeit in der Landwirtschaft steht bereits zur Verfügung. Dieses Zertifikat ist für die Erzeugung von Nahrungs- und Energiepflanzen sowie für konventionell und ökologisch wirtschaftende Betriebe nutzbar.

Optimierungspotenziale werden für jeden Einzelindikator, zwischen den Indikatoren und für die Gesamtproduktion sichtbar. Ergänzend werden derzeit Indikatoren für die Tierhaltung entwickelt. Diese Ergebnisse dienen als Basis für die Nachhaltigkeitskommunikation der Landwirtschaft im gesellschaftlichen Dialog und unterstützen Landwirte dabei, ihre verantwortungsvolle Ressourcennutzung aufzuzeigen.

Gesellschaftliche Akzeptanz in den Produktionsprozess integrieren

Bislang haben Landwirte das Thema der gesellschaftlichen Akzeptanz zu stark Verbänden, Organisationen oder Unternehmen überlassen. Der einzelne Landwirt muss sich hier stärker einbringen.

Der Landwirt selbst ist der stärkste und glaubwürdigste Botschafter für eine moderne, zukunftsfähige Landwirtschaft.

Organisationen sollten eine unterstützende Funktion einnehmen und den Landwirten Hilfestellung im Dialog anbieten. Besonders in der Tierhaltung, wo der verantwortungsbewusste Umgang mit Lebewesen für das Vertrauen der Verbraucher entscheidend ist, liegt der Schlüssel beim einzelnen Tierhalter.

Die Landwirte selbst müssen den Dialog suchen und die Darstellung ihres eigenen Betriebes sowie der modernen Produktionsmethoden als zentralen Bestandteil ihrer Betriebsstrategie ansehen. Landwirte selbst sind die glaubwürdigen Meinungsbildner, die positiv auf ihr Umfeld einwirken. Diese Darstellung des Betriebskonzeptes und der Betriebsstrategie können auf den unterschiedlichsten Plattformen kommuniziert werden. Dies sind die Grundbausteine, auf denen nach und nach breiter angelegte Initiativen aufbauen können.

Kommunikation als Chefsache

Das Kompetenzprofil des landwirtschaftlichen Unternehmers muss erweitert werden. Neben klassischen Unternehmerkompetenzen sind in einer zunehmend komplexen und vernetzten Welt kommunikative Fähigkeiten erforderlich. Diese sind notwendig, um gesellschaftliche Bedürfnisse frühzeitig in den Produktionsprozess zu integrieren und umzusetzen. Unternehmer sollten bei ihren Planungen stärker berücksichtigen, wie Investitionen in der unmittelbaren Umgebung wahrgenommen werden und welche Befürchtungen damit verbunden sein könnten.

Die Erkenntnis und das Wissen können dazu beitragen, Ängste abzubauen und Akzeptanz für die Umsetzung moderner Betriebsstrategien zu schaffen.

Kommunikation muss integraler Bestandteil eines erfolgreichen Unternehmenskonzepts sein.

Kommunikation ist Chefsache!

Dies gilt insbesondere für kritische Themen in der Tierhaltung, beim Pflanzenschutz und bei modernen Züchtungstechnologien. Frühzeitiges Aufgreifen und Bearbeiten dieser Themen kann konstruktive Diskurse mit dem gesellschaftlichen Umfeld auslösen und betriebliche Entwicklungen ermöglichen.

Verstärkte Zuwendung zu Multiplikatoren

Positive Bilder der Landwirtschaft müssen insbesondere bei jungen Menschen verankert werden. Eine Umfrage aus dem März 2012 zeigte, dass 14- bis 19-Jährige die Landwirtschaft vor allem im Fernsehen wahrnehmen. Auch Radio und Tageszeitungen sind wichtige Kanäle. Die Landwirtschaft sollte sich verstärkt diesen "Multiplikatoren" zuwenden. Der DLG-Trendmonitor zeigt, dass bereits ein Drittel der befragten Landwirte den Dialog mit Medien sowie Vertretern aus Parteien, Umwelt- und Tierschutzorganisationen führt. Diese Kommunikationswege müssen weiter ausgebaut werden.

Ständig auf Sendung sein

Angesichts einer zunehmend urbanen Gesellschaft und veränderter Kommunikationsgewohnheiten muss sich das Instrumentarium der Landwirte anpassen. Das Internet und soziale Medien sind hierfür wichtige Kanäle.

Wir müssen uns auch auf dem Wege des Internets und der Social Media auf die Gesellschaft zubewegen.

Drei von vier Deutschen nutzen heute das Internet. Bilder und Informationen über den Betrieb, aktuelle Feldarbeiten sowie die Sorgen und Freuden der Landwirtsfamilie können Verständnis und Vertrauen wecken.

Wenn nur jeder dritte Landwirt in Deutschland so ein Medium nutzt, haben wir 100.000 Sprecher und Multiplikatoren, die für Akzeptanz von moderner nachhaltiger Landwirtschaft als Ausdruck gesellschaftlicher Verantwortung werben.

Es ist an der Zeit, das Selbstbild als Unternehmer neben der Beherrschung von Produktionstechnik und ökonomischer Finesse um diesen Faktor zu erweitern.

Die Rolle von Organisationen und Verbänden

Die Schaffung von Verbraucherakzeptanz ist eine Branchenaufgabe, die nicht allein Organisationen überlassen werden kann. Organisationen sollten Landwirte bei ihren Kommunikationsbestrebungen unterstützen. Eine wesentliche Aufgabe ist die Mitgestaltung positiver Rahmenbedingungen, insbesondere bei übergreifenden Themen, sowie der Aufbau von Netzwerken. In diesen Netzwerken können Strategien, Instrumente und Erfahrungen im Bereich "Gesellschaftliche Akzeptanz" ausgetauscht werden.

Ein aktives Agenda Setting und das Initiieren von Prozessen, auch für kritische Themen, gehören ebenso in den Aufgabenbereich der Organisationen wie die Kontakte zu Meinungsbildnern und anderen Gesellschaftsgruppen.

Kopplung des Innovationsprozesses an gesellschaftliche Akzeptanz

Die Landwirtschaft hat nur dann eine Zukunftsperspektive, wenn ihre Produktionsverfahren gesellschaftlich akzeptiert sind. Dies erfordert von Landwirten, die Organisation des Produktionsprozesses zunehmend an den Kriterien der Nachhaltigkeit auszurichten. Diese umfassen neben ökonomischen und ökologischen Zusammenhängen auch die gesellschaftliche Kompatibilität. Innovationsprozesse zur Weiterentwicklung der Produktionsverfahren müssen gesellschaftliche Erwartungen und die wirtschaftlichen Notwendigkeiten der Landwirte in globalisierten Märkten berücksichtigen und ausbalancieren.

Der sachorientierte Dialog und Konsens zwischen Gesellschaft und Landwirtschaft sind der Schlüssel zur Umsetzung dieser Innovationsprozesse.

Moderne Landwirtschaft weiterentwickeln

Eine Landwirtschaft, die Innovationen und technische Fortschritte nutzt, ist der Schlüssel dafür, mehr zu ernten und die Belastungen natürlicher Ressourcen zu minimieren sowie Tiere im Stall optimal zu betreuen.

Landwirte greifen mit modernen und an den Standort bzw. den Stall angepassten Produktionsverfahren eine zentrale Zukunftsaufgabe in der globalisierten Agrarwirtschaft auf: den effizienten und schonenden Einsatz der Produktionsfaktoren. Der Produktivitätsbegriff muss vor dem Hintergrund der sich global verschärfenden Ressourcenknappheit erweitert werden.

Wurde in der Vergangenheit hauptsächlich die Steigerung der Leistungen als Ziel verfolgt, ist der heute benötigte Produktivitätsfortschritt verstärkt um die Ressourceneffizienz bzw. um die Tiergerechtheit zu erweitern.

Instrumente hierfür sind beispielsweise verbesserte Sorten, die höhere Hektarerträge erzielen oder Stickstoff besser verwerten, sowie Techniken der Präzisionslandwirtschaft. Diese ermöglichen die zielgerichtete Ausbringung von Dünger und Pflanzenschutz, reduzieren den Ressourceneinsatz oder unterstützen die Tierbeobachtung im Stall.

20.01.2013

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