Pflanzen und Pflanzenteile

Bepflanzte Sickermulden: Mehr als nur Regenwasserversickerung

Bepflanzte Sickermulden entlasten die Kanalisation und fördern die Grundwasserneubildung. Sie können zudem ökologisch wertvolle Flächen schaffen, die die Artenvielfalt unterstützen und das Mikroklima verbessern. Eine gezielte Pflanzenauswahl ist dabei entscheidend.

Funktion und Ästhetik von Sickermulden

Sickermulden dienen der Aufnahme von Niederschlägen und deren zeitverzögerter Versickerung im Erdreich. Sie entlasten die Kanalisation bei Starkregenereignissen und tragen zur Grundwasserneubildung bei. Eine fachgerechte Bepflanzung kann diese funktionalen Elemente zusätzlich zu ökologisch wertvollen Flächen aufwerten.

Ein Beispiel hierfür ist eine Pflanzung, die den Kaukasus-Storchschnabel (Geranium renardii) und die weiß blühende Steppen-Iris (Iris spuria) mit dem frischen Grün der Steppen-Wolfsmilch (Euphorbia seguieriana ssp. niciciana) und Gräsern wie dem Tautropfengras (Sporobolus heterolepis) kombiniert. Dieses Staudenbeet bleibt auch im Herbst attraktiv, wenn Astern und Hohe Fetthennen zur Blüte kommen.

Diese Art der Bepflanzung erfüllt nicht nur ästhetische Zwecke, sondern auch eine wichtige funktionale Aufgabe. Auf der Fläche zwischen Parkplatz und Gebäuden eines Instituts für Stadtgrün und Landschaftsbau versickert Regenwasser von den Dachflächen und dem Gelände. Die artenreiche Gestaltung ist bemerkenswert, da Sickermulden üblicherweise mit Rasen begrünt werden.

Sickermulden als Forschungsflächen

Die beschriebene Sickermulde dient nicht nur der Regenwasserbewirtschaftung, sondern wird auch wissenschaftlich untersucht. Die Vielfalt an Stauden und Gräsern ist dabei ein integraler Bestandteil der Forschung. Ziel ist es, geeignete Pflanzenarten für die Bepflanzung von Sickermulden zu identifizieren, die sich langfristig etablieren können.

Angelika Eppel-Hotz, stellvertretende Leiterin des Arbeitsbereichs Urbanes Grün am Institut, begleitet solche Flächen seit vielen Jahren.

Wir haben mittlerweile schon über zwanzig Jahre Erfahrung mit dem Bepflanzen von Sickermulden. Unsere Versuchsflächen liegen nicht nur am Institut, sondern an unterschiedlichen Standorten, darunter auch Neubaugebiete.

Besonders in Neubaugebieten, wo Grün- und Pflanzflächen oft knapp sind, plädiert Eppel-Hotz dafür, Sickermulden nach Möglichkeit zu bepflanzen.

Vorteile bepflanzter Sickermulden

Ein wesentlicher Vorteil bepflanzter Sickermulden liegt in der Förderung der Artenvielfalt.

Eine vielfältig bepflanzte Sickermulde fördert die Artenvielfalt und bietet Futter für Insekten.

Blühende Arten wie Katzenminze oder Thymian dienen als Bienenweiden und tragen zur gestalterischen Qualität bei. Zudem lassen sich mehrere Funktionen kombinieren.

An Parkplätzen oder in Siedlungen herrscht häufig ein Mangel an Grünflächen. Wenn dort die Wasserversickerung als Pflanzbeet gestaltet wird, sparen wir Platz, verschönern das Umfeld und verbessern durch die Verdunstung der Pflanzen das Mikroklima.

Die Bepflanzung verbessert auch die technische Leistungsfähigkeit. Untersuchungen des Instituts zeigen, dass mit Stauden und Gräsern bepflanzte Mulden rund ein Drittel mehr Wasser aufnehmen können als reine Rasenmulden.

Technische Anforderungen und Standortbedingungen

Eine Sickermulde ist keine gewöhnliche Pflanzfläche. Sie muss exakte technische Vorgaben und DIN-Normen erfüllen und wird von Fachleuten gebaut. Eine zentrale Anforderung ist, dass das eingeleitete Wasser innerhalb von 24 Stunden vollständig abgelaufen sein muss.

Die Pflanzen müssen daher kurzfristig Staunässe tolerieren, aber auch längere Trockenphasen zwischen Regenereignissen überstehen können. Sickermulden sind somit oft eher trockene Standorte.

Innerhalb der Mulde gibt es zudem unterschiedliche Feuchtigkeitsbedingungen. In der Sohle ist es feuchter, was beispielsweise Taglilien zugutekommt. An Böschungen und auf der Krone sind hingegen trockenheitsverträgliche Arten wie die Steppen-Wolfsmilch besser geeignet.

Artenvielfalt als Anpassungsstrategie

Die langfristige Entwicklung einer Pflanzung hängt stark von Niederschlägen und Standortbedingungen ab. Die Artenvielfalt spielt hier eine wichtige Rolle.

Deshalb ist mir die Artenvielfalt so wichtig. Fällt eine Art aus, kann eine andere ihre Funktion übernehmen.

In tendenziell trockenen Sickermulden haben sich bisher unter anderem Katzenminze (Nepeta ‘Walkers Low’), Steppen-Iris (Iris spuria) und Echter Gamander (Teucrium chamaedrys) als besonders beständig erwiesen.

Diese Erkenntnisse sind auch für private Gärten relevant: Stauden, die sich in Sickermulden bewähren, haben auch an trockenen Standorten im Garten gute Chancen auf eine dauerhaft blühende Entwicklung.

17.06.2024

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