Die Grüne Stadt

Pilotprojekt „Gemüsefassade“ testet Anbau an der Wand

Die LWG in Veitshöchheim untersucht den Anbau von Gemüse an Fassaden. Das Pilotprojekt „Gemüsefassade“ testet die Praxistauglichkeit bestehender Systemlösungen für den Gemüseanbau über zwei Jahre.

Aufbau und Durchführung des Fassaden-Anbauversuchs

An einer über 20 Meter langen Wand auf dem LWG-Campus wurden vier unterschiedliche Systemlösungen für die Fassadenbegrünung installiert, die jeweils in vier Einzeltestflächen unterteilt sind. Diese Anlagen werden bereits erfolgreich für die Begrünung mit Stauden und Zierpflanzen eingesetzt. Ziel ist es, die Systeme auch für den Gemüseanbau zu erproben, wie Florian Demling, Bachelor of Science für Gartenbau und Leiter des Versuchs, erklärt. Der Versuch ist Teil des Forschungsprojektes zur „Nahrungsmittelproduktion auf überbauten Flächen im Siedlungsbereich“.

Das bayernweite Forschungsprojekt untersucht die Möglichkeiten der Dach- und Fassadenbegrünung im Rahmen des Urban Gardenings, also des Anbaus von Obst und Gemüse in Städten. Die vier technisch unterschiedlich konzipierten Anlagen wurden bereits im Herbst des Vorjahres mittels einer Stahlkonstruktion an der Wand montiert. Für den Versuchsverlauf wurde eine Wand mit Süd-West-Ausrichtung gewählt, um eine ideale Sonneneinstrahlung zu gewährleisten und Windschutz durch umliegende Gebäude zu nutzen.

Die kontinuierliche Versorgung der Pflanzen wird durch einen rezirkulierenden Wasser- und Nährstoffkreislauf sichergestellt. Bei Trockenheit kommt ein halb geschlossener Kreislauf zum Einsatz. Neben der natürlichen Bewässerung durch Regen kann jede Versuchseinheit bei Bedarf künstlich bewässert werden. Das Wasser fließt durch Schwerkraft abwärts und versorgt so auch die Pflanzen in den unteren Reihen. Überschüssiges Wasser wird über Rinnen dem Kreislauf wieder zugeführt und für die nächste Bewässerung genutzt. In der Anwachsphase erfolgt die künstliche Bewässerung zwei- bis dreimal täglich.

Die für die Pflanzen wichtigen Nährstoffe wie Stickstoff, Kalium, Phosphor, Magnesium und Spurennährstoffe sind im Wasser gelöst. Die Bewässerung wird vollautomatisch gesteuert und die Nährstoffkonzentration des Wassers gemessen. Dies ermöglicht die korrekte Erfassung des Wasserverbrauchs und eine gleichmäßige Düngung aller Pflanzen.

Pflanzung und Datenerfassung im Detail

Am 31. Mai 2017 wurden 392 Salatpflanzen (grüner und roter Romana-Salat), 196 Erdbeerpflanzen und 196 Buschbohnen gesät. Die Auswahl der Pflanzen erfolgte bewusst, da Salat, Bohnen und Erdbeeren ähnliche Ansprüche an Düngung und Bewässerung haben. Die Anordnung der Pflanzen folgt einem festgelegten Pflanzplan, um gleiche Rahmenbedingungen für den Versuchsablauf zu schaffen und eine Bevorzugung oder Benachteiligung einzelner Kulturen durch die Anordnung zu vermeiden.

Im Mittelpunkt des Versuchs steht die individuelle Pflanzenentwicklung. Neben der regelmäßigen Überprüfung der Vitalität der Pflanzen fließt der Ernteertrag in die Gesamtbewertung ein. Durch regelmäßige Bonituren wird der Zustand der Pflanzen überprüft. Dabei werden bei optischen, qualitativen Betrachtungen Noten von eins (verkümmert) bis neun (üppiges Wachstum) vergeben. Dies gibt Aufschluss darüber, welches System von den Pflanzen am besten angenommen wurde. Neben Pflanzenentwicklung und Ertrag werden auch der Installations-, Wartungs- und Praxistauglichkeitsaufwand der Systeme in die Gesamtbewertung einbezogen.

Die Salaternte Ende Juli und der Ertrag der Buschbohnen Ende August werden Aufschluss über den Versuchsverlauf geben. Auch die Überwinterung der Erdbeerpflanzen ist von Interesse. Nach der Ernte im Oktober ist eine Neubepflanzung der Gemüsefassade für den Start in das zweite Versuchsjahr geplant.

06.06.2017

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