Herausforderungen und Chancen für den Mandevilla-Anbau in Bayern
Die Mandevilla, auch als Dipladenia bekannt, ist mit ihren trichter- oder stieltellerförmigen Blüten und einer Farbpalette von Rot über Rosa und Weiß bis Apricot eine beliebte Zierpflanze. Jährlich werden in Deutschland bis zu 20 Millionen dieser Pflanzen verkauft. Der Anbau, der traditionell in Südeuropa stattfindet, ist jedoch durch Schädlinge wie die Weiße Fliege und das Feuerbakterium (Xylella fastidiosa) bedroht, für das bisher kein Gegenmittel existiert. Dies erschwert den Import und führt zu Angebotsengpässen.
An der Bayerischen Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau (LWG) wird daher eine Versuchsreihe zur heimischen Kultur von Mandevilla unter Einsatz von LED-Belichtung durchgeführt. Ziel ist es, den Anbau in Bayern zu ermöglichen und die Abhängigkeit von Importen zu reduzieren.
Besondere Anforderungen der Mandevilla-Kultur
Die Mandevilla zeichnet sich durch eine starke Blütenpracht sowie eine hohe Widerstandsfähigkeit gegenüber Hitze, direkter Sonneneinstrahlung und kurzzeitigen Trockenphasen aus. Laut Versuchsingenieur Hannes Seidel vom LWG-Institut für Erwerbs- und Freizeitgartenbau in Veitshöchheim ist die Pflanze ein „Sonnenanbeter“ und kommt gut mit hohen Temperaturen zurecht. Diese Eigenschaften spiegeln sich auch in ihrem hohen Wärme- und Lichtbedarf während der Kultivierung wider.
Der Anbau für den deutschen Markt erfolgt typischerweise in den Wintermonaten in Spanien und Italien. Die Kultivierungsdauer vom Topfen bis zum Verkauf beträgt etwa 35 Wochen. Die hohe Nachfrage führt dazu, dass das Angebot aus den traditionellen Anbaugebieten oft nicht ausreicht.
LED-Belichtung im Fokus der Forschung
Hannes Seidel untersucht in seinem Forschungsprojekt, inwieweit der Anbau von Mandevilla unter Glas in Bayern realisierbar ist. Dabei spielt die künstliche Belichtung eine zentrale Rolle.
Licht ist nicht gleich Licht. Neben Helligkeit der Lichtquelle ist vor allem die Lichtqualität, also die spektrale Zusammensetzung entscheidend
Im Versuch wurden bewurzelte Stecklinge 16 Stunden täglich mit Natriumhochdruckdampflampen und LED-Lampen belichtet. Dabei kamen rotes, blaues sowie eine Mischung aus rotem und blauem Licht zum Einsatz. Nach elf Wochen zeigten sich deutliche Unterschiede in der Pflanzenentwicklung. Unter blauer Belichtung bildeten die Pflanzen keine Ranken, während unter rotem Licht eine verstärkte Rankenbildung auftrat.
Diese Rankentriebe sind im Produktionsgartenbau unerwünscht, da sie zu Verhakungen der Pflanzen führen und den Kultivierungs- und Vermarktungsaufwand erhöhen. Sie müssen daher regelmäßig entfernt werden. Obwohl die blaue Belichtung die Rankenbildung unterdrückt, ist sie der roten Belichtung in Bezug auf die Blütenbildung unterlegen. Eine einfache Mischung aus Rot und Blau löste das Problem der Rankenbildung nicht.
Der Versuch wird fortgesetzt, um auch die Kombination aus natürlichem Lichtangebot und Kunstbelichtung zu untersuchen. Hannes Seidel, Biologe und seit 2017 am LWG-Institut für Erwerbs- und Freizeitgartenbau tätig, betreut das LED-Forschungsprojekt. Neben der Mandevilla erforscht er auch das Zusammenspiel von LED und Innenraumbegrünung sowie Indoor-Farming-Lösungen.

