Landesgartenschau Wangen: Impulsgeber für Stadtentwicklung und nachhaltiges Bauen
Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann besuchte die Landesgartenschau Wangen. Im Fokus des Besuchs standen die Potenziale des Holzbaus angesichts des Klimawandels.
Auf dem Gelände der Landesgartenschau wurden in den Auwiesen 250 Wohnungen in Holz- und Holzhybridbauweise realisiert. Zwei Forschungsprojekte der Universität Stuttgart, der Holz-Naturfaser-Pavillon und der Aussichtsturm, zeigen Möglichkeiten für klima- und materialschonenderes Bauen auf. Zahlreiche weitere Ausstellungsbeiträge thematisieren Klima, Nachhaltigkeit und Biodiversität.
Stadtentwicklung durch die Landesgartenschau
Wangens Oberbürgermeister Michael Lang führte den Ministerpräsidenten über das Gelände und erläuterte die seit 2010 durch die Landesgartenschau angestoßenen Entwicklungen. Dazu gehören die Sanierung des Industrieareals ERBA, die Revitalisierung der Argen sowie neue Spielplätze und ein Kindergarten. Kretschmann besichtigte das sanierte ERBA-Areal, den Aussichtsturm und den Holz-Naturfaser-Pavillon.
Auf der Argenwiese sprach er mit Landfrauen und Besuchern und besuchte den Forstpavillon der Landesforstverwaltung. Winfried Kretschmann hob hervor, dass die Landesgartenschau Wangen ein Erfolg sei, was sich auch an den Besucherzahlen zeige. Die Stadt Wangen sei nicht nur belebt, sondern auch neu gestaltet worden, unter anderem mit einem Park entlang der Argen und rund 400 neuen Wohnungen, viele davon in Holzbauweise. Er betonte, dass der Holzbau Zukunft habe und im vergangenen Jahr bereits ein Drittel der neuen Gebäude im Land in Holzbauweise errichtet wurden.
Zukunftsweisende Architektur und Materialforschung
Professor Achim Menges vom Institut für Computerbasiertes Entwerfen und Baufertigung der Universität Stuttgart, der für die Projekte in Wangen verantwortlich ist, erläuterte die Besonderheiten des Holz-Naturfaser-Pavillons und des Aussichtsturms.
Das Bauen mit Flachs ermöglicht es, lokale Biomaterialien ins Bauen zu bringen, die einen wesentlichen Beitrag zur Abmilderung des Klimawandels leisten können.
Die Realisierung dieser Projekte in Wangen wurde durch die Holzbauoffensive Baden-Württemberg unterstützt. Der Aussichtsturm nutzt Prinzipien der Natur, insbesondere die Selbstkrümmung von Holz, um materialsparend, nachhaltig und kostengünstig zu bauen. Menges betonte, dass Holz als Baustoff im Gegensatz zu industriell gefertigten Materialien natürlich wächst. Flachs als Baustoff sei bereits nach 180 Tagen verfügbar.
Harald Wetzel, Leiter des Bereichs Cluster Forst und Holz beim Ministerium für Ernährung, Ländlichen Raum und Verbraucherschutz (MLR), hob hervor, dass der Wald als Kohlenstoffspeicher dienen könne. Keine Technologie könne so wirtschaftlich und risikofrei Kohlenstoff einlagern wie Holz.
Chancen im Holzbau
In seinem Impulsvortrag zum Thema „Chancen und Zukunftsfähigkeit Holzbau“ lobte Kretschmann den Aussichtsturm als „technisch und ästhetisch grandios“. Er betonte, dass diese Gebäude Ideen und Kompetenz widerspiegeln und das Ergebnis langjähriger Forschung und komplexer digitaler Berechnungen seien. Die Digitalisierung müsse in der gesamten Baubranche vorangetrieben werden. Die Landesgartenschau in Wangen biete somit einen Einblick in die Zukunft.
In der anschließenden Podiumsdiskussion führte Professor Achim Menges aus, dass die im Aussichtsturm angewandten Prinzipien auch in anderen Bereichen, wie bei Windkrafträdern oder Industriehallen, genutzt werden könnten. Professor Bastian Kaiser, Rektor der Hochschule Rottenburg, unterstrich die Bedeutung von Wald und Holz als CO2-Speicher im Kampf gegen den Klimawandel. Private Waldbesitzer hätten bereits begonnen, Wälder durch den Einsatz neuer Arten vielfältiger und resistenter zu gestalten, um auf klimatische Veränderungen zu reagieren. Kaisers Forschung konzentriert sich auf die ökonomischen Herausforderungen der sich wandelnden Holzwirtschaft.
Emanuel Maier von der Firma Gapp Holzbau, die an mehreren Projekten der Landesgartenschau beteiligt war, ergänzte, dass Fördermittel der Holzbauoffensive neue Entwicklungen im Holzbau ermöglichten. Dies führe nicht nur zum Bau größerer Holzgebäude, sondern auch zur Zunahme der Betriebsgrößen. Er hob hervor, dass Baden-Württemberg über die gesamte Wertschöpfungskette, einschließlich Säge- und Holzstoffindustrie, verfüge. Menges betonte die Notwendigkeit einer besseren Zusammenarbeit zwischen Forschung und Praxis, um den Wissenstransfer zu beschleunigen, was angesichts des Klimawandels geboten sei.
Künstliche Intelligenz könnte zukünftig dabei unterstützen. Die Teilnehmer der Podiumsdiskussion lobten zudem die Sanierung des ehemaligen Industrieareals. Durch die Sanierung anstelle eines Abrisses und Neubaus sei viel „graue Energie“ eingespart worden. Bauschutt mache einen erheblichen Anteil des gesamten Müllaufkommens aus. Unter grauer Energie versteht man die Energiemenge, die über die gesamte Lebensdauer eines Baustoffs aufgewendet werden muss. Die Teilnehmer waren sich einig, dass diese graue Energie bei ernsthaftem Klimaschutz und der Reduzierung von CO2-Emissionen stärker berücksichtigt werden müsse.
Eintrag ins Goldene Buch
Abschließend trug sich Ministerpräsident Kretschmann in das Goldene Buch der Großen Kreisstadt Wangen im Allgäu ein.
