Die Mistel: Ein faszinierender Halbparasit im Garten
Misteln (Viscum) sind Halbparasiten, die auf Bäumen wachsen. Sie entziehen ihrem Wirtsbaum Wasser und Nährsalze, sind aber in der Lage, eigene Blüten und Blätter zu bilden. Da sie keine herkömmlichen Wurzeln besitzen, nutzen sie sogenannte Haustorien, um die Leitungsbahnen des Baumes anzuzapfen. Diese Bahnen transportieren Wasser und Nährsalze zu den Blättern. Die für das Wachstum notwendigen Kohlenhydrate produzieren Misteln selbst durch Photosynthese.
Die Schäden am Wirtsbaum sind in der Regel gering. Allerdings können befallene Äste brüchig werden, die Wüchsigkeit des Baumes kann nachlassen und bei Obstbäumen der Ertrag sinken. Für manche Gartenbesitzer überwiegt jedoch der Wunsch nach Misteln im eigenen Garten.
Natürliche Verbreitung und gezielte Vermehrung
Die natürliche Verbreitung von Misteln erfolgt hauptsächlich durch Vögel. Die im Dezember reifenden, perlenartigen Früchte sind bei Vögeln beliebt. Die darin enthaltenen Samen werden unverdaut ausgeschieden und bleiben dank eines klebrigen Schleims (Viscin) an Ästen haften, wo sie keimen können. Ein Umweg durch den Verdauungstrakt der Vögel ist für die Keimung jedoch nicht zwingend notwendig.
Für eine erfolgreiche Ansiedlung im Garten ist die Herkunft der Mistelsamen entscheidend. In Mitteleuropa werden drei Unterarten unterschieden, die jeweils auf spezifische Wirtsbäume spezialisiert sind: die Tannenmistel, die Föhrenmistel und die Laubholzmistel. Während Nadelgehölz-Misteln gelblich-grüne Früchte tragen, entwickeln Laubholzmisteln rein weiße Beeren. Die meisten im Handel erhältlichen Misteln stammen von Laubbäumen und eignen sich daher für die Vermehrung auf diesen. Die Bayerische Gartenakademie empfiehlt Apfelbäume, Linden, Pappeln, Hainbuchen und Erlen als geeignete Wirtsbäume.
Schritt für Schritt zur eigenen Mistel
Im Winter können reife Mistelsamen mit ihrer klebrigen Hülle einfach in eine Astgabel gedrückt werden. Besonders vorteilhaft ist es, wenn die Äste mit Flechten besiedelt sind, da diese den Samen Halt und eine gleichmäßige Feuchtigkeit bieten. Nach dem Anbringen der Samen ist keine weitere Pflege erforderlich.
Die Samen bilden zunächst Haftscheiben. Erst nach einigen Monaten dringen die ersten Senkwurzeln der Mistel in das Holz des Wirtsbaumes ein. Im ersten Jahr entwickelt sich die Mistel unbemerkt im Holz des Baumes. Eine Wölbung der Rinde kann ein Hinweis auf die Entwicklung der Mistel sein. Nach ein bis zwei Jahren durchbricht die Mistel mit Trieben und Blättern die Rinde.
Die weitere Entwicklung der Mistel ist langsam. Pro Jahr bildet eine Triebspitze lediglich ein Stängelpaar mit zwei Blättern. Es dauert daher viele Jahre, bis ein üppiges Mistelnest entsteht.
Vorsicht, wenn Sie Kinder haben! Die Früchte sind giftig!
