Mehrere Ursachen schwächen Bienenvölker
Das Bienensterben rückt zunehmend in den Fokus von Forschung und Praxis im Gartenbau. Wissenschaftler der Universität Hohenheim sehen die Ursachen nicht in einem einzelnen Faktor, sondern in einem komplexen Zusammenspiel aus Insektiziden, Monokulturen und veränderten Imkereistrukturen.
Ein Beispiel für problematische Entwicklungen ist der großflächige Einsatz von Bienenvölkern in intensiven Agrarsystemen. Wanderimkerei über weite Strecken sowie einseitige Nahrungsquellen führen zu Stress und Mangelernährung. Gleichzeitig wirken Pflanzenschutzmittel zusätzlich belastend auf die Tiere und ihre Widerstandsfähigkeit.
„Hier werden nicht nur die eingesetzten Bienen regelrecht verheizt, sondern auch wilde Bienenarten, die normalerweise die Blüten bestäuben würden, verdrängt“
Auch in Europa steigende Verluste
Trotz vergleichsweise stabiler Strukturen ist auch in Europa keine Entwarnung möglich. Selbst gut geführte Imkereien verzeichnen zunehmend Verluste. In manchen Jahren überstehen bis zu 30 Prozent der Bienenvölker den Winter nicht, was auf eine generelle Schwächung des „Superorganismus“ Biene hindeutet.
Die enge Zusammenarbeit zwischen Imkern und Betrieben im Gartenbau bleibt daher entscheidend, um Bestäubungsleistungen langfristig zu sichern und die Biodiversität zu erhalten.
Forschungsprojekt FIT-BEE bündelt Maßnahmen
Im bundesweiten Verbundprojekt FIT-BEE arbeiten 14 Forschungseinrichtungen und Unternehmen gemeinsam an Lösungen. Ziel ist es, die Wechselwirkungen zwischen Umweltfaktoren, Krankheiten und dem Verhalten der Bienen besser zu verstehen und praxisnahe Maßnahmen zu entwickeln.
Ein Schwerpunkt liegt auf der Reduktion von Risiken durch Pflanzenschutzmaßnahmen. Gleichzeitig werden neue Ansätze zur Bekämpfung von Krankheiten und Parasiten untersucht.
Neue Technik im Pflanzenschutz
Ein Ansatzpunkt ist die Weiterentwicklung der Applikationstechnik. Neue Verfahren ermöglichen es, Insektizide gezielt unterhalb der Blüten auszubringen. Dadurch wird der Kontakt mit den für Bienen wichtigen Blütenbereichen deutlich reduziert.
Diese Technik verbessert den Schutz der Pflanzen und reduziert gleichzeitig die Belastung für Bestäuber. Langfristig profitieren sowohl landwirtschaftliche Betriebe als auch Imker von dieser Entwicklung.
Bekämpfung der Varroa-Milbe im Fokus
Als größte Herausforderung im Bereich der Bienenkrankheiten gilt weiterhin die Varroa-Milbe. Sie schwächt die Tiere erheblich und überträgt Viruserkrankungen. Herkömmliche Bekämpfungsmethoden stoßen zunehmend an ihre Grenzen.
„Das Hauptproblem bei den Bienenkrankheiten ist nach wie vor die Varroa-Milbe: Sie befällt die Bienen, überträgt gefährliche Viruserkrankungen und und ist mit den herkömmlichen Präparaten sehr schwer zu bekämpfen“
Im Rahmen von FIT-BEE wird daher an biologischen Bekämpfungsstrategien gearbeitet. Erste Fortschritte wurden bereits erzielt, etwa durch die Entwicklung von Verfahren auf Basis von Sexualduftstoffen der Milbe. Bis zur breiten Anwendung sind jedoch weitere Forschungsschritte erforderlich.
Großprojekt mit bundesweiter Bedeutung
Das Projekt wird vom Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz mit 2,3 Millionen Euro gefördert. Die Koordination liegt bei der Universität Hohenheim. Ziel ist es, die Bienengesundheit nachhaltig zu stabilisieren und Szenarien wie in Teilen Chinas zu vermeiden, wo Bestäubung bereits manuell erfolgen muss.
Für den Gartenbau und die gesamte Agrarwirtschaft bleibt die Sicherung gesunder Bestäuberpopulationen eine zentrale Voraussetzung für stabile Erträge und funktionierende Ökosysteme.
