Naturschutz

NABU fordert umfassendes Rettungspaket für Insekten

Angesichts eines Berichts zum Insektenrückgang fordert der NABU schnelle und wirksame Maßnahmen. Eine naturverträglichere Agrarpolitik ist essenziell, um eine drohende Nahrungsmittelkrise abzuwenden und die Artenvielfalt zu schützen.

Dringender Handlungsbedarf für den Insektenschutz

Angesichts eines noch unveröffentlichten Berichts des Bundesumweltministeriums zum Insektenrückgang fordert der Naturschutzbund Deutschland (NABU) schnelle und wirksame Maßnahmen. Der Bericht verdeutlicht den dringenden Handlungsbedarf, wobei der NABU eine naturverträglichere Agrarpolitik als essenziell erachtet.

Ohne ein umfassendes Rettungspaket steuern wir auf eine Nahrungsmittel-Krise zu. 90 Prozent der Pflanzen weltweit und damit ein Großteil unserer Lebensmittel sind auf Bestäubung angewiesen. Insekten sind systemrelevant. So engagiert wie die Bundesregierung die Rettung der Banken vorangetrieben hat, muss sie jetzt auch für die Rettung der Insekten sorgen.

Dies erklärte NABU-Bundesgeschäftsführer Leif Miller. Der NABU begrüßt, dass die Bundesregierung „akuten Handlungsbedarf“ sieht und fordert für das angekündigte Sofortprogramm mindestens drei Ziele.

Zunächst sollen alle insektenschädlichen Neonikotinoide und ähnliche Stoffe schnell und vollständig vom Markt genommen werden. Miller betont, dass angesichts des extremen Insektenschwunds der Einsatz derart gefährlicher Stoffe nicht länger vertretbar sei.

Des Weiteren muss der Einsatz sämtlicher Pestizide EU-weit drastisch reduziert werden. Die Bundesregierung soll sich in Brüssel nachdrücklich für eine naturverträglichere EU-Agrarpolitik einsetzen. Die zunehmende Intensivierung, Lebensraumzerstörung und der hohe Pestizideinsatz haben sich laut NABU zum entscheidenden Faktor des Artenschwunds entwickelt.

Derzeit wird in Brüssel über die Verteilung der Agrarmilliarden für den Zeitraum 2021 bis 2027 verhandelt. Miller bezeichnet dies als „entscheidenden Lackmus-Test“ für die Ernsthaftigkeit des Insektenschutzes durch die Bundesregierung. Er sieht insbesondere Bundeslandwirtschaftsministerin Klöckner in der Verantwortung.

Statt immer neue Datensammlungen anzukündigen und damit die Lösung der Insekten-Krise auf die lange Bank zu schieben, muss Frau Klöckner dorthin gehen, wo es der Agrarlobby weh tut. Sie muss sich dafür einsetzen, dass die Brüsseler Milliardenzahlungen endlich an konkrete Leistungen der Landwirte für den Erhalt von sauberem Wasser, Insekten und Lebensräumen geknüpft werden.

Diese Empfehlung, öffentliches Geld nur für öffentliche Leistungen zu vergeben, wurde auch vom wissenschaftlichen Beirat des Bundeslandwirtschaftsministeriums ausgesprochen. Obwohl sich die Große Koalition in ihrem Koalitionsvertrag zu einer naturverträglicheren EU-Agrarpolitik bekennt, deutet die aktuelle Situation in Brüssel nicht auf ein Umdenken hin. Die Pläne von Agrarkommissar Phil Hogan sehen vor, am Gießkannenprinzip der pauschalen Hektarzahlungen festzuhalten.

Zudem soll im Agrar-Etat weiterhin zu wenig Geld für den Naturschutz bereitgestellt werden. Miller warnt, dies wäre ein „Drama für die Artenvielfalt und der Sargnagel für unsere Insekten“. Er appelliert an alle Verantwortlichen, dass das Verschwinden jeder Art und jedes Tieres zu einer ernsthaften Krise führe und Handlungsbedarf bestehe.

Um mehr über den Zustand der Insektenwelt in Deutschland zu erfahren, hat der NABU in diesem Jahr erstmals den bundesweiten „Insektensommer“ ins Leben gerufen. Bürger können vom 1. bis 10. Juni sowie vom 3. bis 12. August Insekten beobachten und melden.

09.06.2018

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