Misteln als Halbschmarotzer und ihre Verbreitung
Misteln, insbesondere die Laubholz-Mistel (Viscum album), stellen eine zunehmende Bedrohung für Obstbäume dar, besonders auf Streuobstwiesen. Obwohl sie in der Weihnachtszeit als Dekoration beliebt sind, haben diese Pflanzen weitreichende negative Auswirkungen auf ihre Wirtsbäume.
Misteln leben als Halbschmarotzer und entziehen dem Wirt über ihre Saugwurzeln Wasser und Nährstoffe. Dies wird besonders kritisch für Bäume, die nicht regelmäßig gepflegt werden. In einigen Regionen Süd- und Mitteldeutschlands hat sich der Mistelbefall zu einem erheblichen Problem entwickelt. Am häufigsten sind Apfelbäume betroffen, doch seit einigen Jahren wird auch ein zunehmender Befall an Birnbäumen beobachtet, was eine neue Dimension der Gefährdung darstellt.
Bekämpfung und Ausbreitung
Zur Eindämmung der Mistelausbreitung wird empfohlen, befallene Obstbäume im Spätwinter und zeitigen Frühjahr konsequent zu beschneiden. Äste mit Mistelbefall sollten dabei mindestens 30 bis 50 Zentimeter ins gesunde Holz zurückgesägt werden. Diese Methode kann die Ausbreitung stoppen, sofern der Baum noch nicht zu stark geschädigt ist. Andere Bekämpfungsversuche, wie das bloße Abschneiden der Misteln oder das Abdecken mit schwarzer Folie, haben sich als ineffektiv erwiesen.
Die Verbreitung der Misteln erfolgt auf natürliche Weise über ihre klebrigen, weißen Früchte. Vögel fressen die Beeren, wobei Samen an ihren Schnäbeln haften bleiben. Wenn die Vögel ihre Schnäbel an Zweigen wetzen oder Kot absetzen, können die Mistelsamen an der Rinde neuer Wirtsbäume haften bleiben und so über weite Strecken verbreitet werden. Untersuchungen in Berlin und Brandenburg haben gezeigt, dass neben der Misteldrossel mindestens 26 weitere Vogelarten, darunter Sing- und Wacholderdrosseln, Mistelbeeren fressen.
Ursachen und Missverständnisse
Misteln können bis zu 70 Jahre alt werden und wachsen eher langsam. Erst im zweiten Jahr bildet sich der erste verzweigte Spross mit ledrigen Laubblättern. Bis die Pflanze ihre charakteristische kugelige Form erreicht, vergehen weitere Jahre.
Experten sehen die Hauptursachen für die Ausbreitung der Mistel in der unregelmäßigen Pflege von Streuobstbeständen und der Klimaerwärmung. Lange Trockenphasen und der daraus resultierende Stress für die Obstbäume begünstigen den Vormarsch der Mistel nach Norddeutschland und in höhere Lagen über 1.000 Meter. Ein verbreitetes Gerücht, Misteln stünden unter besonderem Schutz, ist falsch. Sie dürfen und sollten geschnitten werden.
„Die Pflanzen leben als Halbschmarotzer und entziehen dem Wirt mit ihren Saugwurzeln Wasser und Nährstoffe. Besonders gefährlich wird es für Bäume, die nicht regelmäßig gepflegt werden. Für einige Gegenden insbesondere in Süd- und Mitteldeutschland sind Misteln darum inzwischen zum massiven Problem geworden.“
[cite: Markus Rösler, Sprecher des NABU-Bundesfachausschusses Streuobst]
„Seit einigen Jahren beobachten wir vom NABU zunehmend Mistelbefall auch an Birnen, was in früheren Jahrzehnten nicht der Fall war. Das ist eine neue Qualität der Gefährdung.“
[cite: Markus Rösler, Sprecher des NABU-Bundesfachausschusses Streuobst]
„Viele Vögel naschen gern an den Beeren. Ein Teil der Früchte bleibt dabei an ihren Schnäbeln haften. Wetzen die Vögel den Schnabel an einem Zweig oder hinterlassen dort ihren Kot, kleben die Mistelsamen an der Rinde des künftigen Wirtsbaumes fest. So kann sich die Mistel über viele Kilometer verbreiten.“
[cite: Markus Rösler, Sprecher des NABU-Bundesfachausschusses Streuobst]
„In vielen Gegenden hält sich zudem das hartnäckige Gerücht, Misteln stünden unter besonderem Schutz – das ist falsch. Sie dürfen geschnitten werden und das sollten sie auch.“
[cite: Markus Rösler, Sprecher des NABU-Bundesfachausschusses Streuobst]
