Städtische Extreme abmildern durch grüne Infrastruktur
Städte sind durch eine hohe Bebauungs- und Verkehrsdichte, eine Vielzahl von Aktivitäten auf begrenztem Raum und einen entsprechend hohen Ressourcenverbrauch gekennzeichnet. Dies führt zu klimatischen Extremen hinsichtlich Temperaturen, Wind und Trockenheit. Hinzu kommen Belastungsfaktoren wie Feinstaub und Lärm. Eine gut ausgebaute grüne Infrastruktur kann diese Belastungen abpuffern und somit aktiv zum Gesundheitsschutz beitragen.
Die ökologischen und gesundheitlichen Leistungen von Grünflächen werden in der Zukunft von noch größerer Bedeutung sein, wenn sich unter den Vorzeichen des Klimawandels diese Extrembedingungen weiter verstärken. Dabei dürfen wir nicht vergessen, dass Städte für Bäume und Pflanzen alles andere als natürliche Standorte sind. Erfolgsentscheidend ist deshalb eine optimale Auswahl und Pflege des Stadtgrüns und eine entsprechende Ausstattung der Kommunen.
Dies betont Markus Guhl, Hauptgeschäftsführer des Bundes deutscher Baumschulen (BdB) e.V. und Vorstandsmitglied der Stiftung DIE GRÜNE STADT.
Zehn Jahre Biodiversitätsstrategie: Handlungsbedarf bleibt bestehen
Bereits 2007 formulierte die Bundesregierung in der Nationalen Biodiversitätsstrategie die Vision, dass urbane Landschaften nicht nur Lebensraum für Tier- und Pflanzenarten bieten, sondern auch vielfältige Möglichkeiten für Erholung, Spiel und Naturerleben. Ziel war unter anderem, die Durchgrünung der Siedlungen bis 2020 deutlich zu erhöhen und öffentlich zugängliches Grün fußläufig erreichbar zu machen.
Helmut Selders, Präsident des BdB, sieht hier noch erheblichen Nachholbedarf.
Mit der Zusammenlegung der Ressorts Städtebau und Umwelt im Bundesumweltministerium ist in den vergangenen Jahren ein deutlicher Bedeutungssprung für das Stadtgrün sichtbar. Insbesondere mit der Herausgabe des Grünbuchs Stadtgrün 2015 und der nun bevorstehenden Konkretisierung im Weißbuch hat die Bundespolitik klare Akzente gesetzt, die wir als Berufsstand sehr begrüßen. Aber vor Ort in den Kommunen bleibt viel zu tun, denn die Situation der Grünverwaltungen wird seit Jahren immer schwieriger.
Vielfältiges Grün als gesellschaftlicher Trend und seine Bedeutung
Stadtverwaltungen widmen öffentlichen Gartenanlagen und Parks zunehmend mehr Aufmerksamkeit. Bürger beteiligen sich aktiv an der Gestaltung ihres Lebensumfelds, indem sie Dächer, Balkone und Terrassen begrünen oder Gemeinschaftsgärten anlegen. Die aktuelle Umweltbewusstseinsstudie des Bundesumweltministeriums und des Umweltbundesamtes zeigt, dass die Idee der Nachhaltigkeit in der Gesellschaft angekommen ist. Umweltschutz wird dabei nicht als isoliertes Politikfeld, sondern als Teil der Lösung für ökonomische und soziale Herausforderungen verstanden.
Helmut Selders hebt hervor:
Der moralische Appell an die ökologische Verantwortung, der in den 70er Jahren des vergangenen Jahrhunderts aufkam, ist inzwischen zum verbindlichen Lebensstil selbstverantwortlicher Bürger geworden. Das Stadtgrün ist als begehrter Teil des öffentlichen Raums der Ort, an dem Teilhabe gelingt. Hier treffen unterschiedliche soziale Hintergründe, Alterskategorien und Interessen aufeinander. In Zukunft wird es noch mehr als bisher darauf ankommen, die Grüne Infrastruktur der Städte für die unterschiedlichen Nutzungen zu qualifizieren. Ob für Spiel und Sport, Naturerfahrung oder das Bedürfnis nach Ruhe – die Grünflächen sind unersetzliche Freiräume für die Stadtgesellschaften der Zukunft.

