Stadtgrün als wirksames Instrument für gesündere Städte
Eine langfristig erhöhte Feinstaubbelastung steigert das Risiko für Herzinfarkte. Zu diesem Ergebnis kommt eine europäische Untersuchung unter Leitung von Wissenschaftlern des Helmholtz Zentrums München, veröffentlicht im „British Medical Journal“. Besonders brisant: Bereits Belastungen unterhalb der derzeit gültigen EU-Grenzwerte gehen mit einem erhöhten Gesundheitsrisiko einher.
Vor diesem Hintergrund gewinnt die Forderung nach mehr urbanem Grün zusätzliche Bedeutung. Die Charta „Zukunft Stadt und Grün“, die am 21. Januar in Berlin vorgestellt wurde, hebt die positive Wirkung städtischer Grünflächen auf die Gesundheit der Bevölkerung hervor. Zu den 21 Unterzeichnern zählt auch der Bundesverband Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau (BGL).
„Die neue Studie zeigt, dass die Forderung der Charta 'Zukunft Stadt und Grün', mehr grüne Freiräume in den Städten zu schaffen, aktueller denn je ist“, erklärt BGL-Präsident August Forster.
Grünflächen senken Gesundheitsrisiken
Die Charta fordert, die gesundheitsfördernde Wirkung von Stadtgrün konsequenter zu nutzen und mehr lebendige Grünflächen in urbanen Ballungsräumen zu etablieren. Städtische Grünanlagen steigern nachweislich das Wohlbefinden und reduzieren gesundheitliche Risiken, unter anderem bei Herz- und Kreislauferkrankungen, psychischen Belastungen und Stresssymptomen.
Für Kommunen eröffnet sich damit ein klarer Handlungsauftrag. Neben technischen Maßnahmen zur Luftreinhaltung rückt die planerische und pflegerische Qualität urbaner Vegetation stärker in den Fokus. Investitionen in „grüne Schneisen“, Dach- und Fassadenbegrünungen oder bepflanzte Fahrbahnränder können zusätzliche technische Aufwände zur Feinstaubreduktion reduzieren.
Bäume als natürliche Feinstaubfilter
Untersuchungen zur Leistungsfähigkeit von Stadtgrün zeigen, dass insbesondere Bäume und Sträucher wirksam zur Luftreinhaltung beitragen. Sie binden deutlich mehr Schadstoffe als reine Rasenflächen. Damit wird die Auswahl geeigneter Pflanzkonzepte zu einem entscheidenden Faktor in der Stadtplanung.
Eine große Buche mit einem Stammdurchmesser von einem Meter filtert beispielsweise rund 1,3 Kilogramm Feinstaub pro Jahr aus der Stadtluft. Das entspricht der jährlichen Emissionsmenge eines Pkw mit einer Fahrleistung von 20.000 Kilometern. Solche Zahlen verdeutlichen das Potenzial vegetativer Maßnahmen im urbanen Raum.
Vegetation als Teil der Daseinsvorsorge
Für den Garten- & Landschaftsbau ergeben sich daraus klare Perspektiven: Planung, Bau und Pflege von Grünflächen sind nicht nur gestalterische Aufgaben, sondern ein aktiver Beitrag zur Gesundheitsvorsorge. Städte und Gemeinden sind gefordert, Vegetation als Instrument zur Verbesserung der Luftqualität systematisch anzuerkennen und einzusetzen.
„Die Kommunen und Städte sollten deshalb neben technischen Lösungen wie Partikelfiltern in PKW und LKW und der Etablierung von Umweltzonen, einen Schritt weitergehen und Vegetation als Instrument zur Verbesserung der Luftqualität anerkennen und verstärkt einsetzen“, fordert Forster. „Es gilt die Planung, Ausführung und die Pflege von urbanen Grünflächen als Grundanliegen der Daseinsfürsorge anzuerkennen und mit anderen öffentlichen Belangen wie leistungsfähigen Verkehrssystemen, moderner Telekommunikations- und Energieinfrastruktur oder guten Bildungs- und Sozialeinrichtungen gleichzusetzen“, fügt BGL-Präsident Forster an.
Für GaLaBau-Betriebe bedeutet dies: Qualitativ hochwertiges Stadtgrün wird zunehmend als infrastrukturelle Kernleistung verstanden. Die fachgerechte Umsetzung und langfristige Pflege urbaner Vegetationsflächen gewinnt damit strategische Bedeutung für gesunde und lebenswerte Städte.
