Wechselwirkungen und Auswirkungen auf Fließgewässer
Neben natürlichen Phänomenen wird auch die Buhnenfeldverlandung als bauwerksbedingtes Phänomen behandelt. Buhnen prägen über lange Strecken die Uferstruktur und legen den Flusslauf fest. Lokale Eingriffe oder großräumige Umgestaltungsmaßnahmen an Flussläufen können weitreichende Auswirkungen auf das hydraulisch-sedimentologische Gleichgewicht und die Gewässermorphologie haben.
Für die Planung und Umsetzung von Maßnahmen, insbesondere zur Erreichung des guten ökologischen und morphologischen Zustandes gemäß der EG-Wasserrahmenrichtlinie, sind grundlegende Kenntnisse der morphodynamischen Phänomene und der damit verbundenen Prozesse unerlässlich.
Die Morphologie von Fließgewässern steht in komplexer Wechselwirkung mit der Strömung. Eine ausreichend große Strömungsbelastung führt an der Gewässersohle zur Umlagerung von Material und zur Ausbildung morphologischer Strukturen. Diese Strukturen sind ein wesentlicher Bestandteil der morphodynamischen Phänomene.
Strukturen und Einflussfaktoren in der Morphodynamik
In Abhängigkeit vom Naturraum bilden sich verschiedene Strukturen aus. Je nach Randbedingung, wie Gefälle, Korngrößenspektrum oder Kornmaterial, können Step-Pool-Systeme, Deckschichten oder Transportkörper auftreten. Die zugehörigen Laufformen reichen von Verzweigungen bis zu Mäandern.
Die Größenordnung dieser morphologischen Strukturen variiert von zentimetergroßen Riffeln bis zu meterlangen Dünen, hundertmeterlangen Bänken und kilometerlangen Mäandern. Zahlreiche morphodynamische Phänomene werden zudem signifikant durch die vorhandene Vegetation beeinflusst, darunter die Rehnen- und Inselbildung. Der Einfluss der Vegetation wird in den relevanten Kapiteln des Merkblatts erläutert.
Maßstabsebenen und Zielgruppe des Merkblatts
Die Erfassung und Beschreibung morphodynamischer Phänomene in Fließgewässern erfordert die Berücksichtigung der relevanten Maßstabsebene, also der zeitlichen und räumlichen Auflösung der zugrunde liegenden Prozesse. Die Dauerhaftigkeit kann Wochen bis Jahrhunderte umfassen, die räumlichen Ausmaße reichen von wenigen Zentimetern bis zu vielen Kilometern. Die Festlegung der Skalenhierarchie ist nicht einheitlich, sondern hängt von der Fragestellung und der Ausdehnung des Fließgewässers ab.
Auf kontinentaler bis regionaler Ebene beeinflussen geologische Randbedingungen die Entstehung von Landformen und typischen Gewässernetzen, die wiederum Auswirkungen auf Phänomene kleinerer Maßstabsebenen haben. Das Merkblatt richtet sich an Fachleute in Kommunen, Ländern, Wasserwirtschaftsverbänden, Wasser- und Schifffahrtsverwaltungen sowie Ingenieurbüros.
