Fachliteratur und Kataloge

Pflanzenkrankheiten: Globale Bedrohungen und wissenschaftliche Antworten

Pflanzenkrankheiten wie Mutterkorn oder Kaffeerost bedrohen weltweit Nutzpflanzen und haben weitreichende Auswirkungen auf Wirtschaft und Gesellschaft. Ein neues Buch beleuchtet die Geschichte und Bekämpfung dieser Epidemien durch die Wissenschaft.

Historische und aktuelle Auswirkungen von Pflanzenkrankheiten

Pflanzenkrankheiten wie Mutterkorn, Kaffeerost oder der Gelbe Drache haben weitreichende Auswirkungen auf Pflanzen, Menschen und das weltweite Wirtschaftssystem. Prof. Dr. Thomas Miedaner von der Universität Hohenheim beleuchtet in seinem Buch „Pflanzenkrankheiten, die die Welt beweg(t)en“ (Springer Verlag) die Viren, Pilze und Insekten, die wichtige Nutzpflanzen bedrohen. Er zeigt auf, wie die Wissenschaft diese bekämpft und welche Umwälzungen Pflanzenepidemien nach sich ziehen.

Das Buch erklärt anschaulich, wie Pflanzenkrankheiten historische Ereignisse beeinflusst haben. So führte die Kartoffelfäule im 19. Jahrhundert zur Auswanderung von Millionen Iren, darunter die Vorfahren von John F. Kennedy. Die begehrten gestreiften Tulpen, die im 17. Jahrhundert in Holland Rekordpreise erzielten, verdankten ihre Färbung einem Pflanzenvirus. Auch die Entdeckung von LSD im Jahr 1943 durch Albert Hofmann geht auf den giftigen Roggenpilz Mutterkorn zurück.

Weitreichende Folgen von Pflanzenkrankheiten

Die Einführung neuer Pflanzen aus Amerika durch Kolumbus und seine Nachfolger brachte auch deren Schädlinge nach Europa, gegen die die heimischen Sorten oft wehrlos waren. Schaderreger wie Pilzkrankheiten oder die Reblaus griffen europäische Pflanzen an. Heute tragen globaler Handel, Kriege und Tourismus zur weltweiten Verbreitung von Viren, Pilzen und Schadinsekten bei, die ganze Kontinente befallen können.

Besonders gravierend sind Epidemien, wenn sie Grundnahrungsmittel betreffen. Prof. Dr. Miedaner betont, dass Pflanzenkrankheiten wie Kartoffelfäule und Weizenrost weiterhin die Ernährungssicherung und Lebensgrundlagen von Millionen Menschen bedrohen. Dies zeigt sich in den großen Plantagenkulturen der Subtropen und Tropen. Eine neue Pilzrasse gefährdet den Bananenanbau, ein anderer Pilz verhindert die Latex-Gewinnung in Südamerika, und ein Bakterium verursacht Probleme im Zitrusanbau in Florida und Kalifornien.

Pflanzenschutz und Züchtung als Verteidigungsstrategien

Der Menschheit ist den Pflanzenkrankheiten nicht schutzlos ausgeliefert, wie Pflanzenzüchter Prof. Dr. Miedaner erklärt:

Bereits im 18. Jahrhundert bekämpfte man in Frankreich den Falschen Mehltau erfolgreich mit der sogenannten Bordeauxbrühe aus Kalkmilch und Kupfer. Heute arbeiten Forscher an der Züchtung resistenter Sorten, die trotzdem Geschmack und Ertrag bieten.

Das Buch verdeutlicht diese komplexen Abläufe mit Schaubildern, Illustrationen und Infokästen. Es vermittelt zudem Hintergrundwissen zu Resistenzen, der Wechselbeziehung zwischen Krankheitserreger und Wirt sowie der Rolle der grünen Gentechnik. Diese Erläuterungen machen die Thematik auch für fachfremde Leser verständlich.

Zusammenhänge verstehen: Politik, Wirtschaft und Klimawandel

Auch für Nicht-Biologen bietet das Buch relevante Einblicke. Der Autor zeigt, wie Politik und Wirtschaft oft Bedingungen schaffen, die die Ausbreitung von Krankheiten begünstigen. Klimawandel, Freihandel und Monokulturen führten beispielsweise ab 2012/13 zu einer Krise in Mittelamerika, wo 2,2 Millionen Menschen vom Kaffeeanbau leben. Prof. Dr. Miedaner beschreibt die schwierige Situation der Kaffeebauern:

Freihandel und sinkende Kaffeepreise zwingen die Bauern, höhere Erntemengen zu erzielen. Sie setzen auf Monokultur und Anbauformen, die die Pflanzen schwächen, können sich aber Dünger und Pflanzenschutzmittel immer weniger leisten.

Steigende Temperaturen und sinkende Niederschläge begünstigten den Kaffeerost, der 2012 über eine Million Hektar infizierte und Millionenverluste verursachte. Langfristig können hier nur widerstandsfähige Sorten Abhilfe schaffen.

30.11.2016

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