Begrünte Gleisanlagen verbessern das Stadtklima, während Schottergärten zunehmen
Während immer mehr Straßenbahntrassen in deutschen Städten begrünt werden, nimmt gleichzeitig die Zahl versiegelter oder mit Kies und Schotter gestalteter Vorgärten zu. Dieser Gegensatz fällt besonders auf, da die Vorteile begrünter Flächen für Klima, Umwelt und Lebensqualität zunehmend wissenschaftlich belegt sind.
Früher bestanden Gleisbette häufig aus Schotter oder waren asphaltiert. Inzwischen setzen zahlreiche Verkehrsbetriebe auf begrünte Trassen mit Gräsern oder Sedumpflanzen. Das vom Grüngleisnetzwerk vertretene Konzept verfolgt dabei mehrere ökologische und stadtklimatische Ziele.
Positive Effekte auf Wasserhaushalt und Stadtklima
Begrünte Flächen ermöglichen es, Niederschläge direkt vor Ort versickern zu lassen. Dadurch wird die Kanalisation entlastet und gleichzeitig die Grundwasserneubildung unterstützt. Ein Teil des Wassers wird zudem im Boden gespeichert und über die Vegetation wieder an die Atmosphäre abgegeben.
Gerade in den Sommermonaten kann dieser Verdunstungseffekt die Umgebungstemperatur spürbar beeinflussen. Bei der Verdunstung eines Liters Wasser lassen sich beispielsweise rund 200 Kubikmeter Luft von 30 auf 20 Grad Celsius abkühlen. Schotter- und Asphaltflächen hingegen speichern Wärme und geben sie zeitverzögert wieder an die Umgebung ab.
Dadurch bleiben die Temperaturen insbesondere während der Nachtstunden erhöht, was die Entstehung städtischer Wärmeinseln begünstigt.
Pflanzen helfen gegen Feinstaub und Lärm
Neben dem Temperaturausgleich tragen begrünte Flächen auch zur Verbesserung der Luftqualität bei. Pflanzen können Feinstaubpartikel und verschiedene Schadstoffe binden, die andernfalls von versiegelten Oberflächen immer wieder aufgewirbelt würden.
Ein Teil der Schadstoffe wird über die Blattoberflächen aufgenommen oder gespeichert. Weitere Stoffe gelangen mit Niederschlägen in den Boden und werden dort über die Wurzeln aufgenommen. Auf diese Weise kann die lokale Schadstoffbelastung reduziert werden.
Auch beim Lärmschutz spielen Pflanzen eine wichtige Rolle. Während versiegelte und harte Oberflächen Schall reflektieren, wirken unversiegelte Bereiche und Vegetation schalldämpfend. Sie tragen dazu bei, die Ausbreitung von Geräuschen im urbanen Raum zu verringern.
Steingärten stehen dem Trend entgegen
Trotz der bekannten Vorteile grüner Infrastruktur zeigt sich in vielen Wohngebieten eine gegenläufige Entwicklung. Wo früher Stauden, Hecken und Bäume das Bild prägten, dominieren heute häufig versiegelte Flächen oder mit Kies und Schotter bedeckte Vorgärten. Oft beschränkt sich die Bepflanzung auf einzelne immergrüne Formgehölze.
Diese Entwicklung beobachtet auch der Bundesverband Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau (BGL), der vor einigen Jahren die Initiative „Rettet den Vorgarten“ gestartet hat. Ziel ist es, auf die Bedeutung privater Grünflächen für das Stadtklima und die Artenvielfalt aufmerksam zu machen.
Über Geschmack lässt sich ja bekanntlich nicht streiten. Und jeder sollte den Platz vor dem eigenen Heim so gestalten, wie er möchte. Dennoch haben wir vor zwei Jahren die Initiative ‚Rettet den Vorgarten‘ ins Leben gerufen, weil sich viele Menschen der positiven Wirkung der kleinen Grünflächen vor der eigenen Haustür – die zusammen mit denen der Nachbarn ja eine große ergeben – gar nicht bewusst sind. Und das sind nicht unbedingt nur Lärmreduktion, Feinstaubbindung oder Verminderung der Wärmebelastung … Geht man einmal durch Neubaugebiete, in denen mittlerweile häufig in ganzen Straßenzügen vor den Häusern Steinflächen dominieren, wird man schnell feststellen, dass hier nicht nur das Klima, sondern auch die Atmosphäre eine andere ist. Ganz abgesehen davon, dass es in einer solchen Umgebung für Vögel und Insekten keinen Lebensraum mehr gibt.
Mit seinen vielfältigen Funktionen für Klimaanpassung, Wasserhaushalt, Luftqualität und Biodiversität gewinnt urbanes Grün zunehmend an Bedeutung. Begrünte Bahntrassen zeigen, wie technische Infrastruktur und Vegetation erfolgreich kombiniert werden können. Gleichzeitig verdeutlicht die Diskussion um Schottergärten, dass auch private Flächen einen wichtigen Beitrag zu lebenswerten Städten leisten können.


