Die Grüne Stadt

Fassadenbegrünung: Grüne Architektur im urbanen Raum

Fassadenbegrünung gewinnt im urbanen Raum zunehmend an Bedeutung. Sie verbessert das Mikroklima, schützt die Bausubstanz und fördert die Artenvielfalt. Projekte in Europa zeigen vielfältige Gestaltungsmöglichkeiten und positive Effekte auf die Lebensqualität.

Vorteile begrünter Fassaden für Klima und Gebäude

Begrünte Fassaden tragen nachweislich zur Verbesserung des Mikroklimas bei. Sie kühlen die Luft, reinigen sie und reduzieren den Lärm. In Straßenschluchten, wo der Platz für Bäume oft begrenzt ist, können grüne Hauswände die thermischen Verhältnisse im Sommer erheblich verbessern. Während ein grünes "Kleid" im Sommer für eine angenehme Kühlung der Innenräume sorgt, bietet es im Winter eine zusätzliche Isolierung gegen Kälte.

Darüber hinaus schützt die Begrünung die Bausubstanz vor direkter UV-Einstrahlung, Schlagregen und Schmutz. Sie schafft zudem Lebensraum für Vögel und Insekten. Ein weiterer positiver Aspekt ist die feuerhemmende Wirkung des Wassergehalts lebender Pflanzen, der die Brandlast mindert.

Förderung grüner Stadtentwicklung in Europa

Die Fassadenbegrünung spielt neben Dachbegrünungen und der Pflanzung weiterer Bäume eine wachsende Rolle bei der Steigerung der städtischen Lebensqualität. Zur Förderung dieser Entwicklung wurde 2018 das EU-Projekt „Grüne Städte für ein nachhaltiges Europa“ ins Leben gerufen. Deutschland wird in diesem länderübergreifenden Projekt durch den Bund deutscher Baumschulen e.V. vertreten. Ziel ist es, die grüne Stadtentwicklung europaweit voranzutreiben. Dem Projekt gehören neben Deutschland auch Belgien, Bulgarien, Dänemark, Frankreich, Großbritannien und die Niederlande an.

Gestaltungsmöglichkeiten und Vorreiter

Die Gestaltungsmöglichkeiten für begrünte Fassaden sind vielfältig. Ob bodengebunden oder in vorgestellten Pflanzmodulen, mit Kletterhilfen wie Seilkonstruktionen – die Umsetzung ist flexibel. Der französische Botaniker und Gartenkünstler Patrick Blanc gilt mit seinen vertikalen Gärten und vegetalen Pflanzenwänden seit den 1980er Jahren als Vorreiter der modernen Fassadenbegrünung. Seine künstlerischen Grün-Installationen haben weltweit Nachahmer gefunden.

Beispiele moderner Fassadenbegrünung

In Deutschland zählt der Kö-Bogen II in Düsseldorf zu den prominentesten Beispielen. Die bis zu 27 Meter hohe, in Etagen gestaffelte Fassade gilt mit 8 Kilometern Hainbuchen-Hecken aus 30.000 Pflanzen als Europas größte Grünfassade. Für dieses Projekt wurden in der Baumschule Bruns in Bad Zwischenahn über drei Jahre hinweg 30.000 Hainbuchenpflanzen in vorbereiteten Kübeln zu Heckenelementen kultiviert. Das Projekt ist aufgrund seiner Einzigartigkeit und der Erfüllung hoher technischer Ansprüche für den European Green Cities Award nominiert.

In Frankfurt wurde der 98 Meter hohe Eden-Tower mit 200.000 Pflanzen, hauptsächlich Flechten und Moosen, begrünt, was 20 Prozent der Fassadenfläche ausmacht.

Auch Wien setzt auf Fassadenbegrünung. Die Zentrale der Städtischen Magistratsabteilung Abfallwirtschaft, die „MA 48“, wurde 2010 auf 850 Quadratmetern Fassadenfläche mit einer vertikalen Kräuterwiese aus Stauden, Grasnelken, Lavendel, Gräsern und Kräutern wie Thymian begrünt. Insgesamt wurden 17.000 Pflanzen eingesetzt. Diese damals größte Grünfassade Europas fungiert bis heute als lokale natürliche Klimaanlage und bindet jährlich 5.600 kg CO2.

Alle Projekte zur Begrünung von Städten – sowohl horizontal als auch vertikal – unterstreichen die Bedeutung von Stadtbäumen, Gehölzen und Pflanzen für die Lebensqualität. Sie sind von sozialer und ökologischer Relevanz. Zudem trägt der Anblick lebendiger grüner Fassaden zur Steigerung des Wohlbefindens bei.

27.11.2021

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